Vulkan am Spielfeldrand: Auch in Jena gibt Trainer Lukas Kwasniok an der Außenlinie alles. | Foto: imago images

Ex-Verein als Gegner

Kwasniok: Neuer Jena-Trainer trifft auf die alte Liebe KSC

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Um klare Worte ist Lukas Kwasniok nie verlegen. Und so macht der Trainer des Fußball-Drittligisten Carl Zeiss Jena auch keinen Hehl draus, dass es etwas besonderes ist, wenn sich am Samstag (14 Uhr) auf dem Ernst-Abbe-Sportfeld die Wege mit dem Karlsruher SC kreuzen. „Der KSC wird immer die Liebe meines Lebens sein“, drückt der 37-Jährige seine Zuneigung zum Ex-Club aus.

Beim KSC war Kwasniok rund vier Jahre als Juniorencoach tätig, im Winter 2016 sprang er für zwei Spiele als Interimscoach bei den damaligen Zweitliga-Profis ein. Ende Juli des vergangenen Jahres trennte sich der Club vom U19-Trainer. Zu den Gründen hüllten sich damals beide Seiten in Stillschweigen. Allerdings machten Mobbing-Vorwürfe die Runde.

„Der KSC bleibt immer meine Mama“

„Aber glauben Sie mir, dass es einen absolut schlüssigen Grund gab, so zu handeln. Die gemeinsam gefundene Sprachregelung galt ausschließlich zum Schutze von Lukas Kwasniok“, hatte KSC-Sportdirektor Oliver Kreuzer erklärt. Zuvor war der Wechsel des Deutsch-Polen zu Erzgebirge Aue an der Ablöse gescheitert. Für Kwasniok ist das Thema abgehakt. „Der KSC bleibt immer meine Mama. Nichtsdestotrotz gibt es im Herzen genug Platz für eine Freundin. Und gerade befinde ich mich in diesem Verliebtsein-Status mit Jena“, sagt der Familienvater, dessen Frau und schulpflichtige Kinder allerdings im badischen geblieben sind.

A4-Kenner ist im Osten gefragt

Dass der Fußballlehrer im Osten der Republik landen würde, hatte sich irgendwie angedeutet. Beinahe wäre es Aue geworden und auch als bei Dynamo Dresden der Trainerstuhl frei wurde, war Kwasniok im Gespräch. „Vielleicht haben sie gedacht, ein Pole passt besser in den Osten“, sagt Kwasniok und lacht. Die A4 quer durch Thüringen kenne er inzwischen auf jeden Fall ganz gut. Seit Anfang Dezember ist der gebürtige Gleiwitzer beim Tabellen-16. in Jena tätig.

Kwasniok in Jena: Bisher eine „stabile Null“

„Ich habe eine Mannschaft übernommen, die viele Tore erzielt – aber leider noch mehr kassiert hat“, berichtet Kwasniok. Daher galt es zunächst, den Laden hinten dicht zu machen. Was funktionierte. Beim Debüt gelang ein 3:1-Erfolg bei 1860 München, anschließend folgten drei torlose Remis gegen Großaspach, Münster und Halle. „Die stabile Null geht derzeit etwas auf Kosten der Offensivleistung“, gibt Kwasniok zu, der in seinen zwei Spielen als KSC-Interimscoach Ende 2016 ebenfalls jeweils ein 0:0 erzielte. Sein heutiges Team habe aber in der Dritten Liga zuletzt auch „gegen keine Bautrupps gespielt“, sondern starke Kontrahenten. Und der 3:0-Erfolg im Testspiel gegen den Zweitligisten Dynamo Dresden am Mittwoch habe gezeigt, dass man mit einer stabilen Defensive trotzdem vorne drei Tore erzielen kann.

KSC leicht zu durchschauen und schwer zu verteidigen

Die Begegnung gegen den KSC gehen die Thüringer daher durchaus selbstbewusst an, wenngleich sich Kwasniok der Schwere der Aufgabe gegen den Tabellenzweiten bewusst ist. „Der KSC ist leicht zu durchschauen und trotzdem schwer zu verteidigen“, findet Jenas Coach: „Wenn Pourié nicht trifft, trifft halt Fink. Wenn der nicht trifft, macht ein Verteidiger ein Tor. Und wenn die nichts auf die Kette bekommen, haut halt der Wanitzek einen Freistoß rein.“

„Es sind Freunde geworden.“

Der Kontakt zum KSC ist auch nach seinem Weggang nicht abgerissen, sagt Kwasniok. Vor allem zu den Leuten aus dem Nachwuchsleistungszentrum pflege er weiter ein sehr gutes Verhältnis: „Das werde ich auch so beibehalten. Es sind Freunde geworden.“

Unterdessen wurde am Freitag bekannt, dass KSC-Kapitän David Pisot seinen Vertrag bis 2021 verlängert hat.