In Vorbereitung auf die erfolgreichste Vereinsphase: Der KSC-Präsident Roland Schmider mit Calli Rühl (rechts) im Jahr 1988. | Foto: Imago Images

Später auch Manager

Mann des Ausgleichs: Ex-KSC-Trainer Carl-Heinz Rühl wird 80

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Der ehemalige KSC-Trainer Carl-Heinz Rühl wird an diesem Donnerstag 80 Jahre alt. Der gebürtige Berliner war damals, 1973, Hoffnungsträger für eine neue Ära beim Karlsruher SC. Nach vier Jahren in Karlsruhe endete die Zeit als Trainer dort – 1986 kehrte Rühl als Manager zum KSC zurück.

Im Sommer 1973 war’s, die Blau-Weißen suchten den Nachfolger von Heinz Baas. Und Gerd Hesse, damals der Boss beim Karlsruher SC, hatte Carl-Heinz Rühl an der Strippe. Die Männer waren sich am Telefon mehr oder weniger einig, so war es für den angehenden Trainer des KSC vor allem um Praktisches gegangen, konkret: wie er nach seiner Ankunft am Hauptbahnhof zum KSC gelange.

„Am besten fahren Sie mit der Straßenbahn zum Durlacher Tor und laufen dann von dort zu Fuß weiter zum Wildparkstadion“, riet Hesse dem Weisweiler-Schüler allen Ernstes. Roland Schmider, damals Vizepräsident, habe sich eingemischt und Rühl dann einen Abholdienst versprochen.

Ex-Trainer hat gerne seine Ruhe

Über diese Anekdote lachten Rühl und sein Trauzeuge Schmider danach noch oft. Sie würden es auch an diesem Donnerstag tun, so Rühl an seinem 80. Geburtstag der Sinn nach den alten Geschichten stünde. Doch der gesundheitlich angeschlagene Ex-Trainer und -Manager der Karlsruher mag vor allem eines: seine Ruhe.

Er war einer der wichtigsten Leute in unserer großen Zeit. Er hat mit seiner fußballerischen Fachkompetenz dafür gesorgt, dass die Babbler ruhig wurden. Er hat sich nie in meine Arbeit eingemischt, aber er war immer da, wenn man ihn gefragt hat.

Ex-KSC-Profi Winnie Schäfer

Die Schmonzette von 1973 zählt zur Geschichte, wie Rühl, der gebürtige Berliner, überhaupt erst beim KSC gelandet war. Zu dem Club also, bei dem er in den folgenden Jahrzehnten Spuren hinterlassen sollte. Natürlich profitierte der ehemalige Rechtsaußen als Novize im Trainermetier davon, ein Kind der Bundesliga zu sein, er hatte bei Hertha BSC Berlin (1963 bis 1965), beim Meidericher SV (1965 bis 1967) und beim 1. FC Köln (1967 bis 1970) seine Erfahrungen gesammelt.

Mit dem von Wolfgang Overath angetriebenen und von Hennes Weisweiler trainierten FC war Rühl 1968 DFB-Pokalsieger geworden. Zwischen 1963 und 1970 war der sechsmalige Amateur-Nationalspieler auf 204 Einsätze (65 Tore) gekommen. Die letzten drei Profijahre verbrachte Rühl bei Daring Brüssel.

Hoffnungsträger der Blau-Weißen

Rühl war 33 Jahre alt und der Hoffnungsträger für eine neue Ära beim Karlsruher SC. Die Saison 1973/74 beendete der Verein als Achter der Oberliga Süd. In Rühls zweitem Jahr wurde er Meister der neu eingeführten Zweiten Bundesliga Süd. Für die Bundesliga-Rückkehr wappnete sich der fortan von Schmider angeführte Verein unter anderem mit Zugängen wie Hermann Bredenfeld, Jürgen Kalb, Raimund Krauth und Winfried Schäfer, während der Runde kamen Ove Flindt-Bjerg und Karl-Heinz Struth hinzu.

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So hielt man die Klasse, was sich in der Saison 1976/77 nicht wiederholte. Der Abstieg bedeutete seinerzeit auch das Ende der Trainer-Episode Rühls in Karlsruhe. Von kürzerer Dauer waren danach dessen Engagements bei Paok Saloniki, MSV Duisburg, Borussia Dortmund, 1860 München und beim VfL Osnabrück.

1986 Rückkehr als Manager

Nach einer dreijährigen Schaffenspause kehrte Rühl im Frühjahr 1986 zum KSC zurück – als Manager. Nach der Entlassung von Lothar Buchmann stand am Ende seiner Trainersuche ein überraschender Name: Winfried Schäfer. Gegen die Skepsis im Verein, der ehemalige Profi könnte für die Aufgabe zu grün hinter den Ohren sein, verteidigte Rühl seine Wahl. Zwischen den impulsiven Alphatieren Schäfer und Schmider galt Rühl als Mann des Ausgleichs.

Calli war ein sehr wichtiger Mitstreiter, der fraglos seinen Anteil an dem Erfolg der 1990er hatte.

Roland Schmider, damaliger KSC-Vizepräsident

„Calli war ein sehr wichtiger Mitstreiter, der fraglos seinen Anteil an dem Erfolg der 1990er hatte“, würdigt Schmider den Jubilar. Und auch Schäfer gratuliert: „Er war einer der wichtigsten Leute in unserer großen Zeit. Er hat mit seiner fußballerischen Fachkompetenz dafür gesorgt, dass die Babbler ruhig wurden. Er hat sich nie in meine Arbeit eingemischt, aber er war immer da, wenn man ihn gefragt hat.“

Keine Unterstützung mehr

Rühl hatte dieser Zeitung zum 25. Jahrestag des Valencia-Spiels von seiner Autofahrt mit Guus Hiddink berichtet. Zwischen Hin- und Rückspiel hatte er den Trainer der Spanier nach einem Spiel in Gladbach an den Bahnhof in Köln chauffiert. Hiddink habe dabei „vieles über den KSC gesagt, das recht mitleidig klang“, erinnerte sich Rühl, der sich in den eigenen Reihen dem machtbewussten Schäfer gegenübersah.

Ein Vierteljahr nach dem 7:0, das Hiddink den Job kostete, war sein Schaffen beim KSC vorbei. „Er hat die Zelte abgebrochen, weil er sich auch von mir nicht mehr richtig unterstützt fühlte“, weiß Schmider. Rühl arbeitete später bei Hertha BSC und 1. FC Köln, zog sich vor der Jahrtausendwende aber ins Privatleben zurück.