Marvin Pourié | Foto: da

Exklusiv-Interview

Gespräche laufen: Marvin Pourié bestätigt Bruch mit KSC und ist „zu allem bereit“

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Am Freitagmittag brach Marvin Pourié im Trainingslager sein sich selbst auferlegtes Schweigen. Zu viel war zusammen gekommen in den letzten Tagen. Am Vormittag hatte KSC-Trainer Alois Schwartz den Stürmer im Trainingslager in Estepona erstmals aus dem Übungsbetrieb mit den Feldspielern heraus genommen, und am Nachmittag während der 0:2-Testspielniederlage des KSC gegen Rot-Weiß Essen verbrachte er die Zeit im benachbarten Kraftraum.

Es waren die allerletzten klaren Signale: Pourié, in der vergangenen Saison mit 22 Treffern Drittliga-Torschützenkönig und Aufstiegsgarant der Badener, steht vor dem Absprung. Hinter den Kulissen wird fieberhaft daran gearbeitet, die Modalitäten für einen Wechsel in die Dritte Liga zu regeln.

Nach Informationen dieser Zeitung gaben sowohl Eintracht Braunschweig als auch der KFC Uerdingen Interesse an den Diensten des 29-Jährigen, der dazu im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied René Dankert aber noch nicht konkret werden wollte.

Herr Pourié, Sie stiegen im Frühjahr 2019 mit dem KSC auf, wurden von den Fans auf Händen getragen, verlängerten im Sommer Ihren Vertrag bis 2022 – und nun scheint das Tischtuch zwischen Ihnen und dem Verein irreparabel zerschnitten. Wie lässt sich das verstehen?

Marvin Pourié: Die Chemie hat einfach nicht mehr gestimmt. Es ging nicht darum, dass die Einsatzzeiten nicht gestimmt haben, die waren in Ordnung. Es hat nicht mehr gepasst, ist zum Bruch gekommen.

Zum Bruch mit der Mannschaft?

Nein, da ist alles in Ordnung. Ich finde es komisch, dass ich in Ungnade falle durch Aussagen, dass ich ein Unruheherd bin oder das Innenleben der Mannschaft kaputt mache. Ich bin immer noch ein Teil der Mannschaft. Ich gehe mit der Situation professionell um. Ich kann trainieren, mich fit halten, bin in Form.

Wenn es nicht um die Chemie mit der Mannschaft geht, können Sie sich ja nur auf den Trainer Alois Schwartz und dessen Team beziehen. Was ist da passiert?

Passiert ist gar nichts. Zu sagen, der Trainer sei mein Problem oder irgendwer anderes, wäre nicht richtig. Es ist eben so im Fußballgeschäft. Manchmal versteht man sich, manchmal nicht. Irgendwann bricht dann auch mal die Verbindung ab. Und so wünsche ich auch dem KSC immer nur das Beste, weil der Verein mir geholfen hat. Auch den Fans werde ich immer dankbar sein.

Sehen Sie sich als Opfer des Systems nach dem Aufstieg und der Ankunft von Philipp Hofmann?

Ich hatte es ja schon vor der Winterpause gesagt: Ohne Hoffis Tore wäre wir schon längst unter den letzten Drei. Es geht nicht darum, wer vorne drin steht oder mit wem ich vorne drin stehe. Es ist der Situation geschuldet, dass der Trainer umstellen muss, weil wir auf einmal eine Schwächephase hatten. Mehr will ich eigentlich gar nicht sagen, auch wenn ich weiß, dass Sie hartnäckig weiter fragen werden.

Und doch beklagten Sie sich öffentlich über Taktik und Aufstellung des Trainers…

Ich habe mich darüber beklagt, dass wir normalerweise das Potenzial und die Qualität haben, anders Fußball zu spielen, vielleicht gerade technisch versierter Fußball zu spielen. Ich habe ausgesprochen, was viele dachten. Und ich habe es auch intern angesprochen. Dass das nicht gut ankommt, ist klar. Das heutige Fußballgeschäft ist so, dass konstruktive Kritik nicht immer angemessen ist.

Zum Morgentraining wurden Sie am Freitag erstmals von den Kollegen getrennt und zum Training mit den Torhütern abkommandiert. Wann haben Sie davon erfahren?

Erst auf dem Platz. Mir wurde auch im Vorfeld schon gesagt, dass man mit mir momentan nicht planen kann, weil ich meinen Wechselwunsch geäußert habe. Ich habe gesagt: Das ist okay. Ich kriege die Bedingungen, kann gut trainieren, ich bin in Super-Form. Egal, was kommt: Ich bin zu allem bereit. In ein paar Tagen wissen wir mehr.

Nach unseren Informationen stehen Sie vor dem Absprung zum KFC Uerdingen. Haben Sie kein Problem damit, in die Dritte Liga zurückzugehen?

Im Fußball muss man auch immer die Chance nutzen, die sich gerade ergibt. Es ehrt mich, dass Vereine anfragen. Richtig ist, dass mein Berater und Oliver Kreuzer nach Lösungen suchen, schauen, was die beste Konstellation ist.

Ihr ehemaliger Berater Miki Miljak warf Ihnen gerade vor, Sie würden Ihr Ego über alles andere stellen, seien vom richtigen Weg abgekommen. Was sagen Sie dazu?

So jetzt werde ich mal nicht sachlich. Ich habe mich bereits vor Monaten von ihm getrennt, weil seinerseits Kuriositäten aufgetreten sind, wie etwa im Ausland mit Maserati und Lamborghini rum zu düsen mit gewissen Gestalten. Es ist absolut niveaulos, hinter meinem Rücken krumme Geschäfte zu machen. Damit will ich nichts zu tun haben, und so etwas lasse ich auch nicht in die Nähe meiner Familie. Deswegen habe ich das abgebrochen. Ich lasse mir von ihm nicht das Image kaputt machen. Und ich lasse es nicht zu, dass ein gewisser Ex-Berater alles daransetzt, meinen Wechsel zu verhindern

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Wie weit ist Krefeld eigentlich von Ihrer Heimatstadt Werne weg?

(Lacht) Das weiß ich nicht genau. Momentan rechne ich nur den Weg von Karlsruhe dorthin nach Werne, das sind 400 Kilometer. Andere Zahlen interessieren mich nicht.