Corona
Der Druck auf KSC-Präsident Wellenreuther wird immer größer. Nun hat sich auch OB Mentrup zu Wort gemeldet. | Foto: Donecker

Präsident angezählt

Mentrup begrüßt „KSC-Bündnis“ und erhöht den Druck auf Wellenreuther

Anzeige

Am Dienstag ist Bewegung ins Tauziehen zwischen dem „Bündnis KSC“ und Ingo Wellenreuther gekommen. Die Investorengruppe gab an, die Bedingungen des KSC-Präsidenten, die jener für seinen vorbehaltenen Rücktritt formulierten ließ, erfüllen zu wollen. Die Anwälte von Bündnis (Jörg Schröder) und Wellenreuther (Georg Streit) erörterten die vertrackte Sachlage. Ergebnis noch unbekannt. Von einem Rücktritt sah Wellenreuther am Dienstag jedenfalls ab.

Derweil ist klar, wer die drei übrigen der neun Bündnis-Beteiligten sind, die ein KSC-Aktienpaket für sechs Millionen Euro zur Insolvenzvermeidung des Fußball-Zweitligisten erwerben würden, so Wellenreuther abdankt.

Es handelt sich um die Spedition Hartmann (Rastatt), um Toni Iemboli als Privatperson, der sich gegenüber dieser Zeitung als Mitinitiator vorstellte, und um die CRIFI Verwaltungs GmbH i.Gr., hinter der Christian Fischer steht. Jener ist Mitglied des e.V.-Verwaltungsrats und im Aufsichtsrat der KSC GmbH & Co KGaA. Nicht bekannt wurde, wer aus dem Kreis in welcher Weise beteiligt ist. Kenntnis zu den Einzelbeträgen war aber eine der Forderungen Wellenreuthers, der auf das „Geldwäschegesetz“ verwies.

Mehr zum Thema: Angezählter Wellenreuther erwartet Antwort – „Bündnis KSC“ lässt sich noch Zeit

Ringen um juristische Detailfragen

Das Bündnis hat erklärtermaßen eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet. Um juristische Detailfragen war daher am Dienstag zwischen den Anwälten bis in die Abendstunden gerungen worden. Die Zeit drängt: Am Freitag sollten die Mitglieder des e.V. über die Planinsolvenz abstimmen.

Mehr zum Thema: Bündnis will KSC vor Insolvenz bewahren und verlangt dafür Wellenreuthers Rücktritt

Debatten und sogar eine mögliche Anfechtung des dazu gehörigen Antrags hat der KSC für diesen Fall auch zu erwarten. Tritt Wellenreuther zurück und fließen die sechs Millionen Euro, erübrigt sich die Befragung der Mitglieder. Was die Folge wäre, wenn über die Insolvenz in Eigenverwaltung abgestimmt würde und die Zustimmung der Mitglieder ausbleibt, wird nach Auskunft des Geschäftsführers Michael Becker gerade insolvenzrechtlich analysiert.

OB Mentrup und Initiative „Der Neue KSC“ melden sich

Der Druck auf Wellenreuther von innen wie von außen ist immens. Am Dienstagabend verbreiteten die „Supporters“, der Fan-Dachverband, eine Mitteilung. Damit unterstützten sie „ausdrücklich einen Neuanfang beim Karlsruher Sport-Club“, den die Mitgliederinitiative „Der Neue KSC“ umgesetzt sehen will. „Die Forderungen von Herrn Wellenreuther an das Bündnis KSC teilen wir nur sehr bedingt! Wer weiß, wie er mit ´potentiellen Gegnern‘  in der Vergangenheit umgegangen ist, kann nachvollziehen, warum manche sich nicht sofort offenbaren wollten“, heißt es in der Mitteilung, in der sich Martin Löffler zitieren lässt. Auch der frühere Vorsitzende der „Supporters“ nimmt einen Platz im Aufsichtsrat ein.

Am Nachmittag hatte sich Karlsruhes OB Frank Mentrup zum selbstzerstörerischen Kurs des Zweitligisten gemeldet, den an die 30 Millionen Euro Verbindlichkeiten drücken. Mentrups Stellungnahme glich einer schallenden Ohrfeige für das von Wellenreuther angeführte Präsidium, in dem in Günter Pilarsky einer der Hauptgläubiger sitzt.

Mehr zum Thema: Vom Bündnis bedrängt: Wellenreuther deutet Rücktritt als KSC-Präsident an

Mentrup erwartet, dass der KSC das Angebot des Bündnisses um den vormaligen Präsidentschaftskandidaten Martin Müller annehmen wird: „Dass mit diesem Engagement auch Auflagen verbunden sind, etwa zuvor einen Vergleich mit Lagardère und wichtigen Gläubigern zu erzielen, spricht für deren wirtschaftliche Vernunft: Das Geld soll eben nicht gleich wieder durch die Sünden der Vergangenheit verbrannt werden“, äußerte Mentrup, der sich im OB-Wahlkampf 2012 gegen den CDU-Mann Wellenreuther durchgesetzt hatte.

Die wichtigsten Gläubiger: Neben Pilarsky und dem Streitgegner Lagardère sind das die Hausbanken und Michael Kölmel. Mit dem Rechtehändler liegt nach Informationen dieser Zeitung ein unterschriftsreifer Vertrag bereit.

Wellenreuther will sein Gesicht wahren

Der Tenor der Erwartungen quer durch alle Vereinsgremien ist vor dieser Kulisse eindeutig: Wellenreuther wird versuchen, die aus den Räumlichkeiten eines Karlsruher IT-Unternehmens übertragene MGV noch im Amt zu eröffnen. Das eröffnete ihm die Chance, die Mitglieder direkt anzusprechen und seinen Rückzug anzumoderieren, der zuletzt unausweichlich schien. So könnte er sein Gesicht wahren. Am Dienstagabend wollte er sich zu den Entwicklungen des Tages nicht äußern. Er habe noch keine Gelegenheit gefunden, sich darüber ein Gesamtbild zu machen.

Mehr zum Thema: Wellenreuther bietet Bündnis KSC über Anwalt „faire Gespräche“ an

Die Mitglieder fast aller Vereinsgremien haben, so berichtet, den Daumen über ihm gesenkt. Der von Wolfgang Grenke angeführte Aufsichtsrat der KGaA tat es auch. Ob der IHK-Chef in dieser Funktion dem KSC verbunden bleiben wird, wolle er entscheiden, „wenn sich die Verhältnisse geklärt haben. Ich hatte aber schon bei meiner Bestellung als Aufsichtsrat darauf hingewiesen, dass ich meinen Sitz nach der Ausgabe von Aktien gerne für Aktionärsvertreter räumen möchte“,  so Grenke gegenüber dieser Zeitung.

Mentrup berichtete dem SWR, dass er über die das Bündnis vertretende Kanzlei Caemmerer Lenz den Kontakt zur Investorengruppe gesucht habe. „Nach meiner Kenntnis und ersten Gesprächen handelt es sich um KSC-begeisterte Mittelständler überwiegend aus der Region, die es nicht zulassen wollen, dass dieser für die Identität der Region so wichtige Verein vor die Hunde geht“, erklärte der SPD-Rathauschef.

Für die Stadt, in deren Gemeinderat Ende Mai die Fortsetzung des Stadionneubaus streitig zur Diskussion stehe, sei „dieses Engagement von enormer Bedeutung für die Entscheidung“.

Auch interessant: KSC im Trainingslager nach Corona: Angst um Gesundheit und mangelnde Ausdauer