Die Rolle des großen Unbekannten nimmt Martin Müller bei dem Kampf um das Präsidentenamt des Karlsruher SC ein
Martin Müller will am 12. Oktober gegen Ingo Wellenreuther antreten. | Foto: da

Wahlausschuss hat Bedenken

Müller droht als Präsidentschaftskandidat beim KSC nicht zugelassen zu werden

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Die Kandidatur von Martin Müller für das Präsidentenamt beim Karlsruher SC wird möglicherweise aus formalen Gründen nicht zugelassen. Der Wahlausschuss des KSC sieht beim 55 Jahre alten Herausforderer von Amtsinhaber Ingo Wellenreuther nach Informationen der Badischen Neuesten Nachrichten einen möglichen Konflikt mit einem Passus der Lizenzierungsordnung der Deutschen Fußball Liga, die unter Punkt 11 wortgleich in der Vereinssatzung übernommen ist.

Im betreffenden Passus heißt es: „Soweit der Verein der Lizenzierungsordnung des Ligaverbandes unterliegt, dürfen Mitarbeiter oder Mitglieder von Organen von Unternehmen, die zu mehreren Lizenznehmern, Muttervereinen oder mit diesen verbundenen Unternehmen in wirtschaftlich erheblichem Umfang in vertraglichen Beziehungen im Bereich der Vermarktung, einschließlich des Sponsorings oder des Spielbetriebs stehen“, nicht Mitglied im Präsidiums und Verwaltungsrat sein.

CG Gruppe bei RB Leipzig und Hertha engagiert

Müller gehört als Einzelprokurist dem erweiterten Board der CG Gruppe an. Diese ist nicht nur seit diesem Sommer Top-Sponsor beim KSC, sondern daneben auch seit rund fünf Jahren Ärmelsponsor bei den Bundesligisten an den Unternehmensstandorten, konkret also RB Leipzig und Hertha BSC.

Angesichts dieser Konstellation sieht der KSC-Wahlausschuss unter Vorsitz des Juristen Sathia Lorenz offenbar Konflikte bei Müllers Bewerbung aber auch bei jener des Kandidaten für den Verwaltungsrat, Ulrich Metz. Metz sitzt seit Februar  2018 im Aufsichtsrat der CG Gruppe, deren Gründer Müllers Freund Christoph Gröner ist.

Warten auf Bewertung der DFL

Die Entwicklung wurde den Badischen Neuesten Nachrichten am Samstag bekannt. Um 10.30 Uhr war Müller zur Anhörung vor dem Ausschuss des Vereins getreten und dem Vernehmen nach mit dem Sachverhalt einer möglichen Nichtzulassung aus formalen Gründen konfrontiert. Über der Frage, wie sich der im Text der Lizenzierungsordnung niederschlagende „wirtschaftlich erhebliche Umfang“ definiert, gab es zunächst keinen Konsens. Die Juristen der Deutschen Fußball Liga waren am Samstag offenkundig vor der für 15 Uhr getroffenen zweiten Verabredung nicht zurate zu ziehen gewesen.

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Für Montagabend ist eine Vorstellung aller Bewerber für die neu zu wählenden Gremien bei einer Veranstaltung des Fandachverbandes „Supporters“ vorgesehen.

Laut Müller mache das Engagement der CG Gruppe in Leipzig 0,3 Prozent des Jahresumsatzes (217 Millionen Euro) des Vereins aus. Der Wahlausschuss des KSC wird sich nun mit der DFL ins Benehmen setzen. Deren Bewertung der Verhältnismäßigkeit dürfte wesentlich darüber mitentscheiden, ob Ingo Wellenreuther bei der Ordentlichen Mitgliederversammlung am 12. Oktober einen Gegenkandidaten haben wird oder nicht. Der Wahlausschussvorsitzende Lorenz wollte am Samstag nach den Anhörungen der Kandidaten für die zu wählenden Gremien auf Nachfrage keine Auskünfte erteilen. Müller sagte, er werde um seine Kandidatur kämpfen, nötigenfalls auch den Ehrenrat anrufen. „Anwälte und Gerichte werden wir aber meiden wie der Teufel das Weihwasser“, betonte Müller auf Nachfrage.

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Schmitt muss Job beim KSC aufgeben

Unterdessen ist Edgar Schmitt als Kandidat für eines der beiden Ämter als Vize-Präsident zugelassen worden. Dies unter dem Vorbehalt, dass der frühere Fußballprofi sein Beschäftigungsverhältnis mit dem KSC, das Aufgaben im Marketing und Vertrieb vorsieht, an diesem Montag beendet. Das werde er auch tun, erklärte Schmitt auf Anfrage. Obwohl Schmitt offen als Unterstützer Müllers auftritt, erklärte er auf Nachfrage, dass er auch in einem von Wellenreuther angeführten Vorstand mitwirken würde.