Treffen bei den Fans: Martin Müller (links) und Ingo Wellenreuther
Treffen bei den Fans: Martin Müller (links) und Ingo Wellenreuther. | Foto: GES / Helge Prang

Generalprobe für Kandidaten

Podiumsdiskussion bei den KSC-Fans: „Euro Eddy“ stellt sich gegen Wellenreuther

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Im Fan-Zelt hinter der Wildpark-Baustelle gab es am Montagabend Leberkäseweck, dazu Kaltgetränke, das Nötigste also für den Hunger und den Durst. Es war aber vielmehr das Bedürfnis nach Information aus erster Hand Anlass zur Zusammenkunft zwischen den „Supporters“, der organisierten Fanszene des Karlsruher SC also, und den zur Wahl stehenden Kandidaten.

Dass die Verwendung des Plurals auch mit Blick auf die zu klärende Präsidentenfrage beim Fußball-Zweitligisten noch Berechtigung hat, blieb am Abend immer noch unsicher. Das Justiziariat der Deutschen Fußballliga (DFL) hatte offenbar empfohlen, den Kandidaten Martin Müller zuzulassen. Der Wahlausschuss trat zur Stunde der Veranstaltung zusammen, um sein weiteres Vorgehen abzustimmen.

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Das Duell zwischen Amtsinhaber Ingo Wellenreuther und Müller am 12. Oktober bei der Ordentlichen Mitgliederversammlung war noch nicht abgesagt. Eine Nichtzulassung Müllers wegen dessen Rolle als Einzelprokurist bei der CG Gruppe hatte im Raum gestanden. Bestätigt wurde zumindest zwischenzeitlich, dass die Mitgliederversammlung von der Messe in die Schwarzwaldhalle verlegt werden wird.

„Nutzt diese Veranstaltung für eure Fragen“, hatte der Supporters-Vorsitzende Marco Fuchs anfangs die rund 250 Interessenten aufgefordert. Der bisherige Verwaltungsratsvorsitzende Michael Steidl, der wie Horst Marschall, Hubert H. Raase, Gerhard Rastetter und Dieter Hegele wieder antreten wird, verwies auf die künftige Funktion des neunköpfigen Beirats in der ausgegliederten Gesellschaft. Der KSC behalte darin die Majorität. Die drei Präsidiumsmitglieder sitzen darin, daneben der erste und zweite Mann aus dem Verwaltungsrat.

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Wellenreuther warb um weiteres Vertrauen

Ulrich Metz, der dem Aufsichtsrat der CG Gruppe angehört, gab an: „Den Ausschlag für den Verwaltungsrat zu kandidieren gab die Abmeldung der U23, für mich ist sie unverständlich.“ Kandidat Christian Fischer warb für ein besseres Miteinander im Verein, FDP-Stadtrat Thomas Hock um Stimmen und für Verständnis.

Er sei großer Befürworter des neuen Stadions gewesen und findet, „dass es einige Dinge gibt, die wir in ruhigeres Fahrtwasser bringen müssen. Auch die Stadt möchte das zusammen mit dem KSC.“ Boris Liffers sieht eine der wesentlichen Aufgaben in der Unternehmensbewertung. Ralf Ronecker, als Kuttenfan „Ronnie“ bekannt, will in den Rat und „Finger in Wunden legen“.

Wellenreuther warb um weiteres Vertrauen, gab einen Abriss über seine neun Jahre als Clubchef, von der Not-Präsidentschaft 2010 bis heute. Der KSC müsse „heute noch eine Kerze in die Kirche stellen“. Die Lage gefallener Proficlubs in Liga drei nannte er „organisierten Mordversuch des DFB.

Müller drehte den Spieß um

Schließlich kam Müller an die Reihe. Hintergrund der Unsicherheit, ob er kandieren darf, sind die Invests der CG Gruppe bei RB Leipzig und Hertha BSC. Müller wiederholte, dass das Engagement der Gruppe bei unter 0,5 Prozent der jeweiligen Jahresumsätze liegt.

Die DFL hatte einzuordnen, ob sich dieses im „erheblichen“ wirtschaftlichen Rahmen abspielt, was die Lizenzierungsordnung ausschließt und auch einen Konflikt mit der KSC-Satzung darstellt. Müller drehte nun den Spieß um. Ihn verwundere, dass ihm niemand zum Verlassen des Verwaltungsrates aufgefordert habe, nachdem die CG Gruppe beim KSC als Top-Sponsor eingestiegen war.

„Euro Eddy“: „Werde nichts mit Wellenreuther machen“

Wen und wann Müller im Rat über die möglicherweise ungewollte Verflechtung informiert habe, darüber gab es einen Disput mit seinem bisherigen Ratskollegen Dieter Hegele. Der musste sich später Pfiffe anhören, weil er Edgar Schmitt, neben Kai Gruber einziger neuer Bewerber um das Vize-Präsidentenamt, die Frage stellte, ob jener seine Ambition schon vor seinem Engagement bei der CG Gruppe hegte, wo er für Öffentlichkeitsarbeit auf der Payroll steht.

„Euro Eddy“ kündigte Hegele die Freundschaft und zeigte seine Getroffenheit. „Ich habe mit allem gerechnet. Aber meine Integrität anzugreifen, ist das Allerschlimmste. Ich werde nichts mit Ingo Wellenreuther machen, nur mit Martin Müller“, erklärte Schmitt.