Am Ziel: KSC-Trainer Christian Eichner freut sich genau wie seine Spieler über den Zweitliga-Verbleib.
Am Ziel: KSC-Trainer Christian Eichner freut sich genau wie seine Spieler über den Zweitliga-Verbleib. | Foto: dpa

Chefcoach-Vertrag in Aussicht

Reifeprüfung im Eiltempo: KSC-Trainer Eichner erlebt emotionalen Höhepunkt turbulenter Wochen

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Christian Eichner, im Februar vom Assistenten zum Chef befördert, hat seinen Auftrag erfüllt und den Ligaverbleib des Karlsruher SC gesichert. Dies lag auch daran, dass er seiner Mannschaft mehr Mut und Flexibilität eingeimpft hat. Nun winkt ein Cheftrainer-Vertrag.

Auf dem Pressepodium im Fürther Ronhof saß kein Feierbiest. Die digital eingereichten Fragen der Journalisten beantwortete Christian Eichner ohne Pathos, ohne ausladende Gesten, ohne Schalk im Nacken.

Der Cheftrainer des Karlsruher SC, der dies aller Voraussicht nach noch längere Zeit bleiben wird, ließ mit ruhiger, fester Stimme und geradezu undurchdringlicher Miene einen verrückten Nachmittag und kräftezehrende Wochen Revue passieren. Nicht durchgedreht seien er und seine Mitstreiter in den vergangenen Wochen, gab Eichner zu Protokoll.

Eichner hat Kellerkind KSC neues Leben eingehaucht

Wörtlich war das nicht zu nehmen, denn nur wenige Minuten zuvor hatte Eichner auf dem Rasen des Fürther Ronhofs noch Freudentänze aufgeführt, war seinen Spielern um den Hals gefallen, hatte Jubelgesänge angestimmt.

Es war der emotionale Höhepunkt turbulenter Wochen, in denen aus Assistent „Eiche“ Chef Eichner wurde. Und dem war es in kürzester Zeit gelungen, dem Kellerkind neues Leben einzuhauchen. Als 17. der Tabelle hatte der frühere Bundesliga-Profi, der einst für den KSC, 1899 Hoffenheim und den 1. FC Köln die linke Außenbahn beackert hatte, Anfang Februar die Mannschaft von Alois Schwartz übernommen.

Mehr Mut, mehr Flexibilität hatte der 37-Jährige der Mannschaft eingeimpft, und auch mehr Leidenschaft, die er an der Seitenlinie regelmäßig vorlebte.

Auch in Fürth gibt Eichner alles

Auch am Sonntag durchpflügte Eichner in Fürth die Coachingzone, schrie Anweisungen übers Feld, ruderte mit den Armen, ballte die Fäuste. Und versuchte in der Schlussphase einmal mehr via Auswechslungen Akzente zu setzen.

Änis Ben-Hatira kam für Marco Djuricin, Babacar Gueye für Philipp Hofmann. Am Ende durften Burak Camoglu – anstelle von Dominik Kother – und Alexander Groiß – für Marvin Wanitzek – mitmischen. Sie halfen mit, den 2:1-Vorsprung ins Ziel zu retten.

Christian Eichner
Trainer Christian Eichner von Karlsruhe steht vor einem Spiel im Stadion. | Foto: Armin Weigel/dpa/Archivbild

Nun winkt ein Dreijahres-Vertrag

Die Wechsel durften dabei auch als Sinnbild gelten, hatte sich Eichner doch auf die Fahnen geschrieben, die vermeintlich Abgehängten im Kader mit ins Boot zu holen. Hinterher hob Eichner denn auch „die enorme mannschaftliche Geschlossenheit“ hervor. Dieser Moment gehöre den Spielern, aber auch den Mitarbeitern, den Kollegen aus dem Trainerteam.

„Man darf es mir nicht verübeln, dass ich an dieser Stelle weder an Urlaub, noch an irgendwelche Verträge, noch an neue Spieler denke“, ließ Eichner wissen. Seine eigene vertragliche Situation schloss er da mit ein.

In den kommenden Tagen dürfte sich das aber ändern. Aller Voraussicht nach wird Eichner dann einen Cheftrainer-Kontrakt unterzeichnen, dessen Ende nach Informationen dieser Zeitung auf 30. Juni 2023 datiert ist. Zlatan Bajramovic wird Co-Trainer bleiben.

Deutscher Schlager auf der Heimfahrt

Für Eichner dürfte dann erst recht das gelten, was er nach dem Fürth-Spiel mit Blick auf die zurückliegenden Wochen formuliert hatte: „Ich glaube, ich bin der gleiche glückliche Mensch geblieben, der ich auch vorher war“, erklärte Eichner ganz sachlich.

Beim Gedanken an die Rückfahrt huschte dann doch ein kurzes Lächeln über Eichners Lippen. Er werde, so kündigte der 37-Jährige an, in denjenigen der zwei Busse steigen, in dem deutscher Schlager läuft.

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