Frust nach dem 0:1: Marc Lorenz (KSC), Damian Rossbach (KSC), Torwart Benjamin Uphoff (KSC) und David Pisot (KSC) (von links). | Foto: GES

Der Präsident schweigt

Schwartz nach KSC-Niederlage gegen Wehen: „Ordentliches Spiel mit Scheiß-Ergebnis“

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Der KSC geht nach zwei Heimniederlagen mit eher gemischten Gefühlen in die Winterpause. Trainer Alois Schwartz sieht sein Team nach der 0:1-Pleite gegen Mitaufsteiger Wehen Wiesbaden punktemäßig noch im Soll. Clubchef Ingo Wellenreuther hüllte sich nach der Partie in Schweigen.

Karlsruhes Profifußballer hatten sich beim Gang in den Urlaub einiges anhören müssen von der Haupttribüne. Ihren Gesichtern ließ sich ablesen, was sie vom wüsten Echo auf die 0:1(0:0)-Heimniederlage vor Erreichen der Kabine hielten. „Unschön jetzt so in Urlaub zu gehen, aber dass Rückschläge kommen würden, war – glaube ich – klar. Ich weiß nicht, wer geglaubt hat, dass wir hier auf dem dritten Platz stehen nach der Hinrunde“, rätselte Lukas Fröde nach Dienstschluss.

Sein Trainer Alois Schwartz besprach später „ein ordentliches Spiel mit Scheiß-Ergebnis“. Und Rüdiger Rehm, sein Antipode auf der Trainerbank des Tabellenvorletzten SV Wehen Wiesbaden, ging der Sieg derweil runter wie Öl. Er fand ihn so „dreckig“ wie es das Spiel selbst gewesen sei.

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Der Clubchef Ingo Wellenreuther schwieg zu alldem. Er überließ es den Sportlern, Jahresbilanz zu ziehen. Begonnen hatte es der KSC in der Dritten Liga mit einem 1:1 beim FSV Zwickau. Beendet hat er es nun mit einer Enttäuschung in Liga zwei, der eine noch größere vorausgegangen war.

Uphoff patzt erneut

Punktemäßig sieht sich Schwartz noch im Soll. In den jüngsten fünf Spielzeiten ist kein Verein, der zu diesem Zeitpunkt 20 Punkte hatte, am Saisonende abgestiegen. Doch Törles Knöll (69.), der Matchwinner für die Gäste auf der Wildpark-Baustelle war und von einem neuerlichen Patzer des KSC-Schlussmanns Benjamin Uphoff profitierte, hat den Karlsruhern die weihnachtliche Besinnlichkeit doch etwas vergällt.

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Schwartz warb um Milde in der Kritik. „Wir hatten trotzdem auch ein gutes Jahr 2019 mit dem Aufstieg, sind gut in die Runde reingekommen und haben jetzt ein bisschen gemerkt, dass wir etwas Lehrgeld teilweise zahlen müssen – durch kleine naive Fehler kommst Du oft auf die Verliererstraße.“

Zu zwei Änderungen gegenüber dem 1:5 gegen Fürth hatte sich der KSC-Coach entschlossen. Anstelle von Christoph Kobald und Anton Fink begannen Fröde und Burak Camoglu. Dem tief stehenden Tabellenvorletzten (3-3-3-1) begegnete Schwartz mit einem 4-1-4-1. Einen fußballerischen Leckerbissen zum Jahresabschluss hatten diese Systeme nicht versprochen, das regennasse Spielfeld tat sein Übriges

KSC zunächst das stärkere Team

Die Partie begann dann auch, wie das zu erwarten war: mit Zweikämpfen der zünftigeren Art, die Signale setzen sollten. Und mit einer kontrollierten Heimelf. Die erste gute Gelegenheit bot sich dem KSC nach einer Viertelstunde durch Damian Roßbach, der bei seinem Kopfballversuch aber von Benedikt Röcker noch gestört wurde.

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Wehen kam ohne seinen gesperrten Torjäger Manuel Schäffler offensiv kaum zur Geltung, der KSC dagegen einige Male bis vor das Tor von Heinz Lindner – doch blieb er ohne Nachdruck, so wie Manuel Stiefler nach einer halben Stunde vor dem SVWW-Schlussmann.

Während die Gäste ihre Spielentwicklung aus der Dreierkette überwiegend darin suchten, die in vorderster Linie lauernden Marvin Ajani, Daniel-Kofi Kyereh und Maximilian Dittgen mit langen Bällen zu füttern, hatte sich der KSC im „Infight“ die fußballerische Hoheit erkämpft. Doch in der Konsequenz kam die Heimelf vor der Pause nur mit Standards und in den letzten Zügen des ersten Abschnitts dann auch aus dem Spiel heraus dem erhofften Glück am nächsten.

Nachdem Daniel Kofi Kyereh (42.) auf Vorarbeit von Paterson Chato einmal aus 20 Metern Uphoff zu Fingergymnastik genötigt hatte, war Roßbach zweimal vor Lindners Kasten aufgetaucht. Ein von Sebastian Mrowca noch geblockter Schuss vom linken Außenverteidiger des KSC landete am Außennetz. Im Anschluss an den fälligen Eckstoß forderte er dann den Schlussmann der Gäste zu seiner stärksten Tat heraus.

Schwartz reagiert zur Pause

Für Schwartz dann eher unüblich: Er reagierte schon zur Pause. Lukas Grozurek kam für Camoglu, der nicht überzeugen konnte. Der KSC drängte, blieb aber einige Male an der massierten Deckung der Wehener hängen. Die Gäste kamen dann doch auch zu Ansätzen in der Offensive, nach Antritten von Dittgen (51., 61.) und Kyereh (61.) brannte aber nichts an. „Toni, Toni“, schallte es nach etwas mehr als einer Stunde durchs Stadion, doch Schwartz sah da den Moment, um Fink zu bringen, noch nicht gekommen.

Schließlich, aus dem Nichts, gingen die Gäste in Front: Kyereh hatte auf Gül abgelegt, der es von der Strafraumgrenze probiert. Uphoff ließ den Ball aus den Händen rutschen. Ein Weihnachtsgeschenk, das Knöll im Fünfmeterraum dankend annahm. „Toni“ Fink kam alsbald danach für Roßbach. Für die letzten zehn Minuten folgte ihm Marco Djuricin. Fröde wich.

Alles auf eine Karte lautete die Devise von Schwartz, der in der 83. Minute durchatmete, als die eingewechselten Nicklas Shiposki und Tobias Schwede den vorzeitigen Knockout für die Karlsruher verpassten. Schwede zielte am leeren KSC-Tor vorbei. Doch auch danach und trotz vierminütiger Zugabe wollte den Blau-Weißen der Ausgleich einfach nicht mehr glücken.

Karlsruher SC: Uphoff – Thiede, Gordon, Pisot, Roßbach (71. Fink) – Fröde (80. Djuricin) – Camoglu (46. Grozurek), Stiefler, Wanitzek, Lorenz – Hofmann.

SV Wehen Wiesbaden: Lindner – Mockenhaupt, Dams, Röcker – Mrowca, Gül (76. Schwede), Chato – Ajani (59. Shipnoski), Kyereh, Dittgen – Knöll (84. Medic).

Schiedsrichter: Hartmann (Wangen), Zuschauer: 12 693, Tor: 0:1 Knöll (69.).

Gelbe Karten: Wanitzek (3), Gordon (4) – Röcker (2), Mockenhaupt (2), Tietz (2).