Wegen des Wildparkstadions gibt es wieder Streit zwischen dem KSC und der Stadt Karlsruhe. | Foto: Sandbiller

Dach des Anstoßes

Streit zwischen Stadt Karlsruhe und KSC: Lizenz wird zum Politikum

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Die für den Karlsruher SC, soweit einschätzbar, ausschließlich beruhigende Nachricht, sie wäre am Dienstag fast untergegangen. Sie lautete: Der KSC hat vom Deutschen Fußballbund (DFB), dem Lizenzgeber der Dritten Liga also, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit für die Saison 2019/2020 unter Auflagen bescheinigt bekommen.

Diese angesichts der finanziellen Lage der Badener gar nicht so selbstverständliche Neuigkeit bestätigte KSC-Geschäftsführer Michael Becker auf Nachfrage dieser Zeitung. Nähere Angaben zur Art der Hausaufgaben, die vom Verein zu erledigen sind, wollte er nicht preisgeben. Sicher ist nur, dass überdachte Ränge keine K.o.-Kriterien des DFB für drittklassige Punktekämpfe sind.

Die vermeintlich viel alarmierendere Kunde des ersten Tages nach Ostern schlug da längst hohe Wellen und führte dazu, dass die Stadt für diesen Mittwoch kurzfristig eine Sonderpressekonferenz mit Oberbürgermeister Frank Mentrup anberaumte. Die BNN berichten live ab 15 Uhr im Ticker von der Pressekonferenz.

DFL lehnt Ausnahmeantrag ab

Denn wenige Stunden zuvor war publik geworden, dass die Deutsche Fußballliga (DFL), der Lizenzgeber für die Zweite Liga, einen Ausnahmeantrag des Drittliga-Zweiten zur Nichtüberdachung der provisorischen Südtribüne ablehnte. Die Statuten der DFL sehen eine solche vor (siehe „Hintergrund“). Die Stadt wiederum schuldet dem KSC laut Pachtvertrag ein lizenzierungsfähiges Stadion zu jeder Zeit. Es ist also Druck auf dem Kessel beim Thema. Eine siebentägige Einspruchsfrist gibt es. Die Stadionkomission trat noch am Dienstagabend zusammen.

Auszüge aus dem Bescheid der DFL zur Ablehnung des Ausnahmeantrags:
„Die beantragte Genehmigung einer Ausnahme von dem Erfordernis der Komplettüberdachung wird nicht bewilligt. (…) Hierbei verkennt die DFL GmbH nicht, dass die beantragte Ausnahmegenehmigung nur vorübergehender Natur wäre und es an der Komplettüberdachung aller Tribünenbereiche des Wildparkstadions nur für die Dauer der Bauarbeiten fehlen würde.
Gleichwohl beläuft sich dieser Zeitraum auf eine beträchtliche Dauer von 14 Monaten bis September 2020, würde also die gesamte Spielzeit 2019/20 betreffen. Die fehlende Überdachung betrifft zudem nicht nur einen unwesentlichen Anteil Tribünenbereiche, sondern mehr als 27 Prozent der Zuschauerplätze im Wildparkstadion.
Hinzu kommt, dass insbesondere die Fans des jeweiligen Gastclubs die Nachteile der fehlenden Überdachung tragen würden, während der weit überwiegende Teil der für die Anhänger des Bewerbers vorgesehenen Tribünenbereiche überdacht ist.
Aus diesen Gründen erscheint die Auflage Nr. 1 erforderlich und trotz der entstehenden Kosten für den Bewerber auch verhältnismäßig.“

KSC revidiert Kausalkette

Sollte der KSC am Ende der Saison oder gar erst zehn Tage später nach dem zweiten Entscheidungsspiel gegen den Zweitliga-Drittletzten als sportlicher Aufsteiger feststehen, so würde er auf der Grundlage des DFL-Erstbescheides also keine Lizenz zur Teilnahme am Spielbetrieb erhalten?

 

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Diese Kausalkette baute der KSC in seiner ersten, um 14.34 Uhr an die Medien verschickten Mitteilung auf. Wörtlich: „Im Rahmen des heutigen Erstbescheides zum Lizenzierungsverfahrens wurde der Antrag des KSC seitens der DFL abgelehnt. Auflage ist, auch die Südtribüne bis zum 1. September zu überdachen – ansonsten erhält der Karlsruher SC keine Lizenz für eine Teilnahme an der kommenden Saison in der 2. Bundesliga.“

Das gesamte Präsidium und explizit auch der Geschäftsführer Becker lassen sich in der Mitteilung zitieren: „Kein Dach, kein Zweitligafußball in Karlsruhe – trotz eventueller sportlicher Qualifikation.“

KSC-Geschäftsführer Becker: keine kommunikative Panne

Zwei Stunden später meldete sich Geschäftsführer Becker bei der BNN-Sportredaktion telefonisch zurück und räumte auf Nachfrage ein, dass es besagten Automatismus nicht gebe. Vielmehr habe der KSC die Zweitliga-Lizenz unter der Auflage erhalten, dass bis zum 1. September die Südtribüne eine Überdachung aufweist. Als „kommunikative Panne“ wollte Becker den Vorgang nicht bewertet wissen. Um 18.36 Uhr folgte eine korrigierte Version der vorangegangenen Info des Vereins.

Es verhält sich also so, wie man es erwarten würde: Wie die DFL mit einer unerfüllten Auflage umginge, würden alleine dessen Rechtsorgane zu beurteilen haben. Eine Lizenzverweigerung wäre dabei das Worst-Case-Szenario. Alles Spekulation.

Und vier Spieltage vor Saisonende ist ja auch sportlich ungewiss, wohin der Weg des KSC führt – ob er aufsteigt oder nicht, könnte sich erst nach der nächsten Gemeinderatssitzung Mitte Mai entscheiden.

Groll von Wellenreuther richtet sich gegen Karlsruher Rathaus

Abseits des verbreiteten Pressetextes zeigte sich Clubpräsident Ingo Wellenreuther am Dienstag zunächst „immer noch sprachlos“. Sein Groll richtete sich gegen die Entscheider im Rathaus, die den KSC „beschimpft und verlacht“ hätten, weil der Verein noch bei der entscheidenden Gemeinderatssitzung auf die DFL-Statuten und auf die Gefahr hingewiesen hatte, dass man in Frankfurt keine Ausnahme machen könnte.

Der Gemeinderat hatte es dann abgelehnt, beide Tribünenprovisorien für zusätzliche Kosten in Höhe von 1,4 Millinen Euro überdachen zu lassen. Als Kompromiss sah der politische Wille vor, dass die sogenannte Nordtribüne, die knapp zwei Jahre stehen soll, ein Dach für rund 700.000 Euro bekommen wird, nicht aber die Südtribüne. Dass der KSC danach die DFL um eine Ausnahmegenehmigung zu bitten habe, war das, was der Bauherr als Teil eines Kompromisses ansah.

Wir haben immer auf die Gefahr hingewiesen. Die Reaktion aus dem Rathaus ist eine Frechheit. Es liegt eine politische Fehleinschätzung des Gemeinderats vor. Jetzt wollen sie ihr Versagen auf uns abwälzen.

KSC-Präsident Ingo Wellenreuther

Mentrup: Errichtung eines Tribünendachs bis zum 1. September grundsätzlich möglich

Seitens der Stadt gab‘s am Dienstag auch eine erste Reaktion. Sie lautete: „Es ist schade, dass es dem KSC offensichtlich nicht gelungen ist, die DFL zu überzeugen, dass dieses Tribünendach, das mit großem finanziellen Aufwand für ganze 14 Monate errichtet werden müsste, verzichtbar ist.“

Die Mitteilung aus dem Rathaus führt weiter aus: „Anderswo gab es mehrfach Ausnahmegenehmigungen, obwohl die geforderte Zuschauerkapazität nicht erreicht wurde. Wir schaffen dies mit Millionenaufwand mit zwei Provisorien, eines davon auch überdacht, jetzt will man nicht einmal akzeptieren, dass bei Vollauslastung des Stadions jeder vierte Platz ohne Dach bleiben würde, und das nur für 14 Monate. Das ist schon sehr befremdlich“, ließ sich Oberbürgermeister Frank Mentrup zitieren.

„Wir werden das sehr genau prüfen“, sichert das Stadtoberhaupt zu und erinnert daran, dass zudem der Gemeinderat im Mai Zeit hätte, sich mit der Thematik zu befassen, die Errichtung eines Tribünendachs sei bis zum 1. September wohl grundsätzlich möglich, erklärte Mentrup.