Dominik Stroh-Engel | Foto: GES

Ein besonderer Fall

Stroh-Engel bewahrt beim KSC Haltung

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Dominik Stroh-Engel hat das Vormittagstraining mit der Mannschaft des Karlsruher SC beendet. Schweißperlen wischt er sich von der Stirn. Die nahe liegende Frage beantwortet er mit einem Nicken: Für Mittwoch (18.30 Uhr), angesagt ist das Halbfinalspiel im badischen Pokal bei Verbandsligist VfB Gartenstadt, rechne er in Mannheims Rhein-Neckar-Stadion tatsächlich mit einem Platz auf der Bank des Drittliga-Zweiten. „Froh“ sei er dann „um jede Spielminute“.

1,97 Meter misst der Hüne, 33 Jahre alt ist er. Das blaue Textil, es stand ihm einmal erstklassig – als Ikone des SV Darmstadt 98. Aus der Dritten Liga in die Bundesliga war er mit den Lilien nach 2013 durchmarschiert. Der Meilenstein aus seiner ersten Aufstiegssaison, die 27 Treffer, blieben als Rekordmarke in der Dritten Liga seither unerreicht.

Per Klausel würde sich bei Aufstieg sein Vertrag verlängern

In Karlsruhe ist das ein halbes Profifußballerleben später nichts mehr wert. Sportlich gesehen. Dass sich Stroh-Engel von seiner Vergangenheit nichts kaufen kann, ist, wörtliche genommen, unwahr. Sportchef Oliver Kreuzer hatte den Promi im Sommer 2017 geholt.

Es gilt als offenes Geheimnis, dass jener seither einer der Bestverdiener im KSC-Kader ist. Eine Klausel in dessen Zweijahresvertrag sieht zudem eine automatische Verlängerung bei deutlich angehobenen Bezügen vor, sollte der KSC aufsteigen. Beim Sechs-Punkte-Spiel am Sonntag in der Brita-Arena wird Stroh-Engel wieder nur Daumen drücken.

 

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Wiesbaden war für Stroh-Engel wegweisend

Ausgerechnet der Stopp in Wiesbaden ist wegweisend. Neben dem SV Darmstadt 98 prägte der SV Wehen (2007–2010, 2012/2013) den Berufsfußballer am meisten. Sein erstes Profitor erzielte er 2008 im Trikot der Hessen.

Der für Stroh-Engel womöglich noch lukrative Passus im Arbeitsvertrag macht die Personalie für den KSC nur diffiziler: Denn spätestens seit Winter gilt Stroh-Engel als perspektivlos bei Alois Schwartz. In der Liga brachte der Cheftrainer ihn in dieser Saison ein einziges Mal.

Nach dem 16. Spieltag stand Stroh-Engel nie mehr im Kader. Er passt nicht ins System von Schwartz, bei dem sich der lauffreudige Marvin Pourié und Feingeist Anton Fink an besseren Spieltagen sehr gut ergänzen.

„Ich fühle mich wohl hier“

Kreuzer hatte Stroh-Engel im Winter nahe gelegt, einen neuen Verein zu finden, Kontakte in die Regionalliga gab‘s. Doch der Fußballer, der jeden Gedanken an eine Auflösung im Aufstiegsfall mit kühlen Gegenrechnungen verbinden dürfte, sagte damals das, was er nun wieder vor dem Pokalspiel in Mannheim sagt: „Ich fühle mich wohl hier.“ Das gelte für ihn als Menschen.

Und als Fußballer, der nur trainiert? „Was soll ich machen? Ich bin traurig, ich bin enttäuscht, ich bin sauer. Es ist nicht einfach für mich, damit umzugehen – aber ich kriege das hin“, versichert er. Was wäre im für alle beim KSC erfreulichen Fall? „Bei 80 Prozent unserer Spieler verlängert sich der Vertrag. Wie es dann weitergeht, weiß ich nicht. Wenn es soweit ist, dann setzen wir uns zusammen“, sagt er.

„Kein Stinkstiefel“

Stroh-Engel hat Übung darin, Ruhe zu bewahren. Er ist nicht das, was man einen „Stinkstiefel“ nennt. In Darmstadt erlebte er am Ende Vergleichbares. Er verhält sich korrekt. Der Verein tut es auch. Gängeleien der in der Branche bekannten Sorte, einen Spieler mit Physio-Terminen morgens um 7 Uhr oder angeordneten Abendschichten zum Aufgeben zu bewegen, gibt es es nicht. So ein Fass machen sie beim KSC nicht auf.