Die Treue der KSC-Fans hatte sich im Sommer 2019 auch bei der Fan-Anleihe gezeigt, bei der 2,5 Millionen Euro zusammenkamen.
Die Treue der KSC-Fans hatte sich im Sommer 2019 auch bei der Fan-Anleihe gezeigt, bei der 2,5 Millionen Euro zusammenkamen. | Foto: GES

2,5 Millionen Euro

Was passiert mit der Fan-Anleihe, wenn der KSC in die Insolvenz geht?

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Im Wildpark wird gerade nicht nur am neuen Stadion des Karlsruher SC gebaut, sondern auch an einem neuen Kunstrasenplatz. Finanziert wird dieser mit Geld aus der KSC-Fananleihe, an der sich im Sommer 2019 knapp 1.800 Kleinanleger beteiligt haben. Doch was passiert mit dem Geld, wenn der KSC in die Insolvenz geht?

Baustellen gibt es im Wildpark gerade mehr als genug. Im übertragenen Sinne etwa die sportliche Aufgabe, den Karlsruher SC im Falle der Saison-Fortsetzung in der Zweite Liga zu halten, sowie das Ringen auf wirtschaftlicher – und mitunter auch persönlicher – Ebene, um die drohende Insolvenz abzuwenden.

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Und dann sind da ganz reale Baustellen: die große, auf der gerade die neue Arena entsteht, und eine kleinere hinter der Fasanenmauer, wo seit einigen Wochen noch bis Juni ein neuer Kunstrasenplatz im Werden ist. Kostenpunkt: knapp eine Million Euro.

Geld aus der Fan-Anleihe liegt beim Verein

Finanziert wird das für Juniorenteams gedachte Spielfeld mit Geld aus der KSC-Fananleihe, bei der im Sommer 2019 unter dem Motto „Vision Wildpark“ 2,5 Millionen Euro für die Modernisierung des Trainingsgeländes zusammengekommen sind.

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Viele Fans, die damals Beträge ab 100 Euro beigesteuert haben, treibt nun die Frage um, was mit der Anleihe passieren würde, sollte sich die Insolvenz nicht vermeiden lassen. Aktuell liegt das Geld beim Verein, wie Geschäftsführer Michael Becker erklärt. Ursprünglich sollte es auf die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) übertragen werden, doch dadurch hätte man laut Becker die Chance auf Förderung durch die Stadt Karlsruhe und den Badischen Sportbund Nord verwirkt.

Ob Forderungen der KSC-Fans im Insolvenzfall bestehen blieben, ist offen

Bei einem Insolvenzverfahren für die KGaA bliebe das Geld zwar zunächst unangetastet, was sich aber ändern würde, wenn infolgedessen auch der e.V. Insolvenz anmelden müsste. Dann würde zumindest der Teil zur Bedienung der Gläubiger verwendet, der bis dato noch nicht in die „Vision Wildpark“ geflossen ist.

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Ob die Ansprüche der Kleinanleger, denen ein Zinssatz von sechs Prozent (vier Prozent Fest-, zwei Prozent Sachzins) zugesichert worden war, bestehen blieben, ist offen. „Der Umgang mit dieser Forderung würde davon abhängen, welche Lösung man mit den wesentlichen Gläubigern des Vereins finden würde“, sagt Becker. Eine Rückzahlung wäre im Sommer 2024 fällig.

Auflagen, aber keine Bedingungen für KSC im Lizenzierungsverfahren

Noch sind solche Überlegungen hypothetisch, da die Verantwortlichen aktuell noch in Gesprächen mit Gläubigern und potenziellen Investoren nach einem anderen Ausweg aus der wirtschaftlichen Zwangslage suchen.

Bis zum 15. Mai bleibt ihnen dafür Zeit, dann dürften die Mitglieder über eine Planinsolvenz abstimmen. Noch keine Rolle spielte eine mögliche Insolvenz des KSC beim Lizenzierungsverfahren der Deutschen Fußball Liga (DFL). Keinerlei Bedingungen habe die DFL dem KSC in Sachen Zweitliga-Lizenz auferlegt, berichtet Becker.

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Lediglich diverse Auflagen, die aus dem Stadionbau resultieren, müsse der Verein wie im Vorjahr auch erfüllen. Die DFL hatte im Zuge der Corona-Krise die Lizenzbestimmungen gelockert und etwa die sonst obligatorische Prüfung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit auf Mitte September verschoben.

Im Mai fließt zunächst nur knapp ein Drittel des TV-Geldes

Beim KSC beträgt der Liquiditätsbedarf im laufenden Geschäftsjahr, der allerdings über Darlehen abgesichert ist, 4,6 Millionen Euro, in der kommenden Saison geht es um gut 3,5 Millionen Euro (Zweite Liga) beziehungsweise um etwas mehr als 5,8 Millionen Euro (Dritte Liga).

Zwar wird im Mai ein Teil des noch ausstehendes TV-Geldes fließen, doch von der letzten, 2,5 Millionen Euro schweren Tranche erhält der KSC wie die übrigen Clubs auch zunächst nur knapp ein Drittel, wie Becker bestätigte. Der Rest würde – anteilig pro Spieltag – ausbezahlt, wenn der Ball wieder rollt.