Nikolaj Jacobsen
Heute steht Nikolaj Jacobsen zum letzten Mal als Löwen-Trainer in der SAP-Arena auf der Platte.

Rhein-Neckar Löwen

Letzter Heimauftritt für Meistertrainer Nikolaj Jacobsen

Anzeige

Fünf Jahre war Nikolaj Jacobsen bei den Rhein-Neckar Löwen. Fünf Jahre in denen er die Löwen zu einem absoluten Top-Team formte. Zwei Mal wurden die Badener Meister in der Deutschen Handballliga. Heute steht er zum vorerst letzten Mal als Vereinstrainer an der Seitenlinie der SAP-Arena. Jacobsen geht mit seiner Familie zurück nach Dänemark – als Trainer der Nationalmannschaft.

Bei einem Blumenstrauß mit feuchtem Händedruck wird es nicht bleiben an diesem Mittwochabend in der Mannheimer SAP-Arena. „Es wird ein sehr emotionaler Abschied werden“, prophezeit Jennifer Kettemann, die Geschäftsführerin der Rhein-Neckar Löwen. Vielleicht nicht ganz so tränenbenässt wie auf den Tag genau vor drei Jahren beim Au-revoir nach dem vorerst letzten Heimspiel von Uwe Gensheimer im Löwen-Trikot, aber dass es gefühlig wird nach dem Bundesliga-Derby gegen die Eulen Ludwigshafen, ist sicher.

Auch Sigurdsson verlässt die Löwen

Eher weniger, weil die Löwen ihre Spieler Gudjon Valur Sigurdsson, Bogdan Radivojevic und Vladan Lipovina verabschieden. Aber wegen Nikolaj Jacobsen. Nach fünf Jahren beendet der Erfolgscoach seine Entwicklungshilfe in Nordbaden, in die SAP-Arena wird der 47-Jährige künftig nur als Trainer von Handball-Weltmeister Dänemark zurückkehren. Jacobsen, der die Löwen beim Saison-Kehraus am 9. Juni beim SC DHfK Leipzig final betreuen wird, hat vor seinem letzten Heimspiel denn auch gemischte Gefühle: „Natürlich werde ich einerseits traurig sein. Andererseits freue ich mich auch auf den Abschied von unseren tollen Fans – und dann nach Dänemark zurückzukehren.“

Sechs Titel in Fünf Jahren unter Jacobsen

Natürlich hätte die Mannschaft Jacobsen zum Ausstand gerne einen weiteren Titel geschenkt, „aber Sport ist halt kein Wunschkonzert“, sagt Andy Schmid. Die gegenseitige Wertschätzung von Kapitän und Coach könnte größer nicht sein, auch wenn Spielmacher Schmid von Perfektionist Jacobsen nicht selten in den Senkel gestellt wurde. Der Schweizer weiß solche Worte der Kritik aber richtig einzuschätzen, da sie nie persönlich gemeint sind und von einem Menschen kommen, der sowohl Respektsperson wie Kumpel ist. „Er hat bei den Löwen neues Leben reingebracht und uns das Sieger-Gen gegeben“, lobt Schmid und zählt auf: „Zweimal deutscher Meister, einmal Pokalsieger, dreimal Gewinn des Super-Cups.“ Vor der Ära Jacobsen hatten die Löwen nur einmal den EHF-Pokal gewonnen.

Erster Meistertitel in Lübbecke im Jahr 2016

Auch wenn es in der aktuellen Saison nicht so lief, wie erhofft, zieht Jacobsen eine überaus positive Bilanz seiner Löwen-Jahre. Als schönstes Erlebnis werde ihm für immer die erste deutsche Meisterschaft des Vereins in Erinnerung bleiben, die die Löwen am 5. Juni 2016 in Lübbecke feierten.
„Als ich dort in die Halle gekommen bin und die 2 500 Löwen-Fans gesehen habe, da wusste ich, dass wir gewinnen und Meister werden. Dass danach so viele erwachsene Männer und Frauen geweint haben, hat mir die Bedeutung dieses Titels gezeigt und mich noch stolzer gemacht“, erzählt Jacobsen. Als größte Enttäuschung bezeichnet er das vergangene Jahr, als die Löwen nach dem ersten Pokalsieg in der Liga ihren Vier-Punkte-Vorsprung verspielten.

Kettenmann: Löwen auf anderes Level gebracht

Dass die Löwen auf hohem Niveau jammern können, ist Jacobsens Verdienst. „Nikolaj hat nicht nur die Mannschaft, sondern den ganzen Verein auf ein anderes Level gebracht“, schreibt Kettemann dem leitenden und bisweilen leidenden Angestellten ins Arbeitszeugnis.
Sein Einsatz hat Spuren hinterlassen, bei den Löwen, aber auch bei ihm selbst. „Ich habe alle meine Kraft reingelegt in diesen Verein. Das hat viel Energie gekostet, aber ich würde alles wieder so machen“, sagt Jacobsen und betont, kein Training verpasst zu haben. Nur bei einem Spiel war er nicht dabei – in diesem Frühjahr beim Champions-League-Auswärtsspiel in Barcelona wegen einer Meniskus-OP.

Die große Belastung durch die aufgeblähte Königsklasse in Kombination mit seiner Doppelrolle seit zwei Jahren als Löwen- und Dänen-Trainer haben Jacobsen zugesetzt. „Ich hatte zu viel Stress. Das ist kein gesundes Leben.“ Weshalb er die Möglichkeit wahrgenommen hat, sich bis 2024 allein auf die Aufgabe als Nationaltrainer seines Heimatlandes zu konzentrieren, was fordernd genug sei. In Dänemark hat Handball eine Bedeutung wie Fußball in Deutschland. Dort abends auszugehen, ohne erkannt zu werden, ist nicht.
Sich in der Rhein-Neckar Region relativ unerkannt bewegen zu können, wird ihm fehlen. Noch mehr aber werde er „den Umgang mit der Mannschaft vermissen“, den Spaß bei den täglichen Einheiten mit den Spielern – weshalb er auch sagt: „Ich glaube nicht, dass ich zum letzten Mal Vereinstrainer gewesen bin. Vielleicht komme ich ja mal zu den Löwen zurück, ich schließe nichts aus.“

Erster gemeinsamer Urlaub nach fünf Jahren

Nicht nur Jannik Kohlbacher fände das gewiss gut. Der Nationalspieler sagt: „Wir verlieren einen Super-Charakter. Er ist als Typ überragend und ein Mensch, auf den man sich verlassen kann. Als Trainer hat er immer einen Plan und ein Konzept.“
Jacobsens persönlicher Plan sieht nun vor, am 28. Juni in die Heimat zurückzukehren und danach mit seiner Frau Lenette und den drei Kindern Freja, Sille und Linus erstmals nach fünf Jahren gemeinsam Urlaub zu machen. In den Schulferien bereiten sich die Löwen ja schon auf die nächste Saison vor.
Diesmal mit Kristjan Andresson. Der Isländer tritt in große Fußstapfen. „Die Löwen“, sagt Mads Mensah, der unter Jacobsen Weltmeister wurde, „verlieren einen super Trainer und eine sehr große Persönlichkeit.“