Können Badens Amateurfußballer die Kickschuhe für diese Runde an den Nagel hängen? Noch ist nichts entschieden, doch ein Abbruch ist wahrscheinlich.
Können Badens Amateurfußballer die Kickschuhe für diese Runde an den Nagel hängen? Noch ist nichts entschieden, doch ein Abbruch ist wahrscheinlich. | Foto: GES

Trotz mancher Härtefälle

Amateurfußball in Baden: Mehrheit der Clubs ist für Abbruch-Szenario

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Badens Fußballamateure warten noch immer auf eine Entscheidung, wie es mit der unterbrochenen Saison weitergeht. Die Verbände empfehlen den Abbruch, doch auch eine Verlängerung über den 30. Juni hinaus ist möglich. Die meisten Clubs wollen nicht mehr weiterspielen, doch es gibt auch Gegenstimmen.

Noch lange fünfeinhalb Wochen müssen die Vereine warten, ehe feststeht, ob ihre Spieler in dieser Runde noch einmal die Kickschuhe schnüren müssen oder nicht. Auf einem außerordentlichen Verbandstag des Badischen Fußballverbandes (bfv) sollen die Delegierten am 20. Juni darüber abstimmen, welchen der beiden Vorschläge der drei Landesverbände sie favorisieren: Soll die Saison abgebrochen und mithilfe der Quotienten-Regel gewertet werden?

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Es gäbe dann allerdings nur direkte Aufsteiger, keine Absteiger und auch keine Relegationsspiele. Oder soll die Saison fortgeführt werden, was frühestens ab dem 1. September möglich wäre und was hinsichtlich der Transferperiode (1. Juli bis 31. August) und der dann veränderten Mannschaftskadern organisatorische und rechtliche Probleme mit sich bringen würde?

Laut Zimmermann 60 Prozent der Clubs für einen Abbruch

Die Tendenz bei den Vereinen scheint relativ klar zu sein. bfv-Präsident Ronny Zimmermann sprach am Dienstag auf der Online-Pressekonferenz, die der bfv mit den Verbänden aus Südbaden und Württemberg abhielt, davon, dass 60 Prozent der Clubs für einen Abbruch seien und 30 Prozent für eine Fortsetzung der Saison. Der Rest sei unentschlossen. Bei einer Umfrage unter den Clubs, die die Badischen Neuesten Nachrichten Ende März durchgeführt hatten, war ein ähnliches Bild entstanden. Inzwischen scheint sich daran wenig geändert zu haben.

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Meinung der Vereine auch vom Tabellenbild abhängig

Die Mehrheit hält einen Abbruch für die sinnvollste Lösung, wobei das eigene Votum auch immer vom aktuellen Tabellenstand abhängig ist. Der TSV Auerbach etwa, momentan Schlusslicht der Kreisliga Karlsruhe, würde von einem vorzeitigen Saisonende profitieren. „Wir sind mit dem Vorschlag der Verbände sehr zufrieden“, sagt der TSV-Vorsitzende Fredy Pfeiffer und ergänzt: „auch in unserem eigenen Interesse.“

Profiteur eines Abbruchs wäre im Kreis Bruchsal der FC Forst, der in der Kreisklasse A ganz oben steht. Auch der zweitplatzierte TSV Rheinhausen würde planmäßig mit aufsteigen. „Wir hätten aber auch jeden andere Entscheidung des Verbands akzeptiert“, sagt Forsts Vorsitzender, Tobias Baumgärtner.

FV Linkenheim und TSV Stettfeld würde der mögliche Aufstieg verbaut

Schade findet man beim TSV Stettfeld, dem Tabellen-Zweiten der Kreisliga Bruchsal, dass es keine sportliche Entscheidung um den Aufstieg geben könnte. „Die Jungs waren heiß und wir waren in einer guten Ausgangsposition“, sagt Sportvorstand Sebastian Meier. Den Vorschlag des Verbandes unterstützt der Club aus dem Ortsteil von Ubstadt-Weiher dennoch, auch wenn nun der punktgleiche Tabellenführer SV Kickers Büchig in die Landesliga aufsteigen dürfte.

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Die Runde fortführen will dagegen Thomas Edelmann. Dem Abteilungsleiter des FV Linkenheim geht es nach eigener Aussage nicht in erster Linie darum, die eigenen Aufstiegsambitionen – der FV belegt in der Karlsruher Kreisklasse A1 aktuell Rang zwei – zu erhalten, sondern um die neue Spielzeit. „Ich sehe das Problem, dass wir am 1. September noch nicht wieder spielen können und dann auch die neue Saison kaputt ist“, betont Edelmann, der deshalb dafür plädiert, die laufende Runde bis ins Jahr 2021 auszudehnen. Ein solches Szenario haben die drei Landesverbände aber bereits ausgeschlossen.

Wiedemann hält Fortsetzung der Pokalwettbewerbe für möglich

Edelmann fürchtet zudem, dass das Kreispokal-Finale, das die Linkenheimer gegen den KIT SC bestreiten würde, ins Wasser fällt. Felix Wiedemann, Leiter des Spielbetriebs beim bfv, sieht allerdings Chancen, dass die wenigen noch ausstehenden Pokalpartien – sowohl in den Kreisen als auch im gesamten bfv-Verbandsgebiet – noch ausgespielt werden können.

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„Vielleicht tut sich da ja noch ein Zeitfenster auf, das wäre ja auch im Interesse der Vereine“, erklärte Wiedemann. Die Verbände hatten bei der Abbruch-Frage die Pokalwettbewerbe explizit ausgeklammert, zumal im Verbandspokal ja auch noch die jeweiligen Teilnehmer am DFB-Pokal ermittelt werden müssen.

Finalist FC Nöttingen blickt gespannt auf Umgang mit Verbandspokal

Im bfv-Gebiet wartet der Oberligist FC Nöttingen auf seinen Endspielgegner, der SV Waldhof Mannheim oder ASC Neuenheim heißen könnte. Auch in der Oberliga ist noch offen, ob weitergespielt wird. Nöttingens am Saisonende scheidender Trainer Michael Wittwer hatte sich schon früh für einen Abbruch der Saison ausgesprochen. „Wir haben jetzt zwei Monate Pause, ein Weiterspielen in der Liga macht keinen Sinn mehr. Für uns eher wichtig ist, wie und ob es im Verbandspokal weitergeht“, sagt Wittwer, früherer Profi des Karlsruher SC.

Aufstieg des FC Dietlingen würde nur am Torverhältnis scheitern

Bei einem Abbruch würden die Aufsteiger über die sogenannte Quotienten-Regel ermittelt, das heißt die Punkte würden durch die Anzahl der absolvierten Spiele dividiert. Schmerzhaft wäre diese Vorgehensweise für den FC Dietlingen. Das Team liegt im Kreis Pforzheim in der A2-Klasse punktgleich mit dem Ersten SV Kickers Pforzheim auf Rang zwei, gewann aber das Hinspiel gegen den Spitzenreiter und wäre noch einmal auf die Kickers getroffen, die aufgrund der besseren Tordifferenz oben stehen. „Das tut weh“, sagt Dietlingens Stellvertretender Vorsitzender Andreas Ziegler, “ aber ich weiß auch nicht, ob es Sinn macht, weiterzuspielen. Ich bin sehr gespalten.“

202 Delegierte aus den Kreisen dürfen beim Verbandstag abstimmen

Die Entscheidung fällt auf einem außerordentlichen Verbandstag am 20. Juni. Wie der bfv auf Anfrage mitteilte, sind 202 Delegierte aus den Kreisen, davon 157 aus Vereinen und 45 aus den Kreisvorstandschaften, abstimmungsberechtigt. Hinzu kommen Verbandsdelegierte. Bei dem Votum genügt eine einfache Mehrheit.