Jonas Metz, Gründer des Karlsruher E-Sport-Clans Baden eSports. | Foto: Privat

Sport mit Maus und Tastatur?

E-Sportler aus Muggensturm: „Ich sehe viele Parallelen zum normalen Sport“

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E-Sport – was ist das? Einer, der es wissen muss, ist Jonas Metz. Der 23-Jährige kommt aus Muggensturm, studiert am KIT und ist Gründer des E-Sport-Teams Baden eSport. Im Interview mit Redakteur David Falkner gibt der Counter-Strike-Spieler Einblicke in sein nicht ganz unkontroverses Hobby – und verrät, wie viel Computerspielen mit Sport zu tun hat.

Herr Metz, Sie sind Gründer und Teamkapitän von Baden eSports. Ganz zu Beginn, ganz allgemein: Was machen Sie da eigentlich?

Jonas Metz: Wir spielen das Computerspiel „Counter-Strike Global Offensive“ in der dritten Liga der 99damage-Liga. Das ist die größte Liga im deutschsprachigen Raum. Während der Saison spielen wir ein Match pro Woche, meistens am Wochenende. Dazu kommt noch Training mit Theorie- und Praxisteil, ein oder zweimal in der Woche.

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Taktiken und Strategie – was bedeutet das? Wie funktioniert so eine Partie „Counter-Strike“ eigentlich?

Metz: In „Counter-Strike“ spielen zwei fünfköpfige Teams gegeneinander. Im Team gibt es verschiedene Positionen – der „AWP“ hat relativ viel Freiheit und spielt mit der mächtigsten Waffe, dem Scharfschützengewehr. „First Entry“ und „Second Entry“ sind die Spieler, die vorangehen, wenn es darum geht, bestimmte Positionen auf dem Spielfeld zu erobern. Dann gibt es noch den „Lurker“, der hinter den feindlichen Linien unterwegs ist und versucht, das gegnerische Team abzulenken und bestimmte Teammanöver anzutäuschen. Der „Support“ unterstützt sein Team mit Blend- und Rauchgranaten. Das ist meine Rolle im Team.

Früher war „Counter-Strike“ für mich einfach nur ein Computerspiel, aber mittlerweile sehe ich viele Parallelen zum normalen Sport.

Das Spiel „Counter-Strike“ hat ja durchaus auch schon für heiße Diskussionen in der Gesellschaft ausgelöst. Stichwort „Killerspiele“…

Metz: Ja, das war für mich oder mein Umfeld aber nie ein Thema. Mich hat zumindest noch nie jemand angesprochen, den gestört hätte, dass ich „Counter-Strike“ spiele. Das Spiel ist ab 16 Jahren freigegeben. Uns ist es wichtig, dass unsere Spieler sich daran auch halten und mindestens 16, besser noch mindestens 18 Jahre alt sind.

Counter-Strike
Counter-Strike gehört schon seit bald 20 Jahren fest ins Programm jedes E-Sport-Turniers. In Fünferteams kämpfen die Mannschaften gegeneinander. Die relativ authentische Darstellung von Waffen und Gewalt in Counter-Strike hat in der Vergangenheit immer wieder für Diskussionen gesorgt.

Wie reagieren Freunde, Bekannte oder Verwandte, wenn Sie von Ihrem Hobby erzählen?

Metz Meine Familie ist sehr interessiert, auch meine Großeltern. Klar, viele kennen das nicht und können sich erstmal nichts darunter vorstellen.

Ein Ligaspiel pro Woche, dazu das Training und die ganze Organisation – ist da neben dem E-Sport noch Platz für andere Hobbys?

Metz: Ich beschäftige mich generell viel mit Sport, der Sportsgeist ist mir wichtig. Ich spiele Fußball im Verein in Muggensturm. Derzeit lege ich da aber wegen einer Verletzung eine Pause ein. Ich bin auch schon mal einen Halbmarathon in Karlsruhe mitgelaufen. KSC-Fan bin ich natürlich auch.

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Sehen Sie Parallelen zwischen dem traditionellen Sport und „Counter-Strike“?

Metz: Früher war „Counter-Strike“ für mich einfach nur ein Computerspiel, aber mittlerweile sehe ich viele Parallelen zum normalen Sport. Der Zusammenhalt des Teams ist wichtig und die Strategie und Planung. Und auch körperlich ist „Counter-Strike“ anspruchsvoll, man muss schnell und präzise reagieren.

Wie ist Baden eSports entstanden?

Metz: Ich habe den Clan nach dem Abitur zusammen mit Freunden gegründet. Anfangs ging es einfach darum, gemeinsam zu spielen. Nach und nach wurde mir der kompetitive Aspekt aber immer wichtiger. Unser Team besteht aus fünf Stamm- und zwei Auswechselspielern, alle zwischen 18 und 25 Jahre alt. Vor kurzem haben wir uns mit zwei Spielern aus Nordrhein-Westfalen und aus Flensburg verstärkt. Es ist uns allen aber wichtig, dass wir uns auch außerhalb des Spiels gut miteinander verstehen.

Verdienen Sie mit Ihrem Hobby auch Geld?

Metz: Generell kann man das so sagen: In der ersten Liga verdient man gutes Geld, in der zweiten Liga reicht es für einen vernünftigen Nebenverdienst. In der dritten Liga, wo wir derzeit spielen, bekommt man manchmal Sachen gesponsert wie ein Trikot oder ein Mauspad – viel mehr aber normalerweise nicht.

Wie läuft denn die Saison für Baden eSports?

Metz: Am 29. März hatten wir das letzte Spiel der Saison. Wir haben den Klassenerhalt geschafft, damit sind wir zufrieden. Wir hatten eine schwierige Gruppe.

Thema Coronavirus – bekommen Sie das derzeit zu spüren? E-Sportler haben da ja im Vergleich zu den traditionellen Sportlern einen gewissen Vorteil.

Metz: Die E-Sportler sind wohl die einzigen, die ihren Trainingsbetrieb derzeit normal fortsetzen können. Wir spielen ja von zuhause vor dem Computer über Internet miteinander. Klar, im normalen Leben spielt Corona eine Rolle wie für alle derzeit – aber für „Counter-Strike“ macht das keinen Unterschied.