Kenenisa Bekele
Titelverteidiger beim Berlin-Marathon: Der Äthiopier Kenenisa Bekele. | Foto: Maurizio Gambarini

Kipchoge plant Blitzstart

Marathontrio in Berlin auf Weltrekordjagd

Berlin (dpa) – Der Weltrekord liegt in der Luft, das Geld auf der Straße: Am Tag der Bundestagswahl wollen sich die drei besten Marathonmänner der Welt in Berlin ein historisches Rennen liefern.

Wenn am Sonntag um 9.15 Uhr an der Straße des 17. Juni der Startschuss fällt, geht es für Eliud Kipchoge, Wilson Kipsang und Kenenisa Bekele nur um eins: schneller als 2:02:57 Stunden zu laufen. Auf dem superschnellen Kurs in der Hauptstadt hatte der Kenianer Dennis Kimetto vor drei Jahren den noch gültigen Weltrekord aufgestellt – den sechsten in Serie auf den Straßen Berlins.

Für die Nummer 7 will Kipchoge sorgen, der Rio-Olympiasieger peilt dafür einen Blitzstart und eine Wahnsinns-Zwischenzeit an. In 60:45 Minuten will der 32-Jährige die Halbmarathon-Marke passieren, kündigte der Favorit zwei Tage vor dem Lauf in der Hauptstadt an.

Dieses irre Tempo liefe auf eine Endzeit von unter 2:02 Stunden hinaus, der drei Jahre alte Weltrekord von Kipchoges Landsmann Dennis Kimetto steht bei 2:02:57 Stunden. Er hatte 2014 die erste Hälfte der 42,195 Kilometer in 61:45 Minuten absolviert.

Kipchoge war erst Anfang Mai den schnellsten Marathon überhaupt gelaufen – allerdings unter Laborbedingungen auf dem Formel-1-Kurs in Monza. Beim «Breaking2»-Projekt seines Ausrüsters Nike spulte er die Distanz in 2:00:25 Stunden ab. Wissenschaftler hatten danach berechnet, dass diese nicht als Weltrekord anerkannte Superzeit in etwa 2:02 Stunden auf einem regulären City-Kurs entspricht.

«Monza war ein großer Erfolg für mich. Diese Zeit hat mich für meine weitere Karriere enorm motiviert», betonte Kipchoge und sagte voraus: «In Zukunft kann man sicher unter zwei Stunden laufen. Das wird kommen – da bin ich ganz sicher!»

Erlebt Berlin den elften Marathon-Weltrekord seit 1977, wird aus dem Sonntag für den Sieger ein Zahltag: Insgesamt 120 000 Euro kassiert der Triumphator dann – 50 000 Euro für den Weltrekord, 40 000 für den Sieg und 30 000 Euro als Zeitbonus. Stundenlohn: knapp 60 000 Euro.

Auch Kipsang hatte forsch angekündigt, bei optimalen Wetterverhältnissen zwischen 2:02:20 und 2:02:10 Stunden zu laufen. Kipchoge sagte dazu: «Abgerechnet wird am 24. September.» Aus seinem Ziel machte er schon im Vorfeld kein Geheimnis: «Ich will den Weltrekord!» Sieben von acht Marathonläufen seiner Karriere hat der Superstar gewonnen, nur einmal war er Zweiter – 2013 in Berlin.

Wenn das Wetter mitspielt und die Tempomacher länger durchalten als im Vorjahr, dann rechnet sich auch Kipsang einiges aus. «Ich möchte als einer der Läufer in die Geschichte eingehen, die zweimal den Weltrekord im Marathon verbessert haben», meinte der 35-Jährige. Als einzigem Läufer glückte das bisher Äthiopiens Wunderläufer Haile Gebrselassie 2007/2008 – natürlich auch in Berlin.

Angst vor seinem Landsmann Kipchoge hat Kipsang nicht. «Respekt ja, Angst nein. Was Eliud in den letzten Jahren zustande gebracht hat, ist phänomenal», lobte der Marathon-Mann, der sich selbst trainiert.

Philipp Pflieger freut sich auf sein zweites Berlin-Abenteuer. «Die Form ist super, die Vorfreude riesig. Ich nehme Kurs auf 2:12, eine 2:11 wäre sensationell für mich» , sagte der 30-Jährige. Vor zwei Jahren lief der Regensburger bei seinem Berlin-Debüt in 2:12:50 Stunden persönliche Bestzeit und buchte das Olympia-Ticket. «Ich will Leistungsgrenzen verschieben und meine Bestzeit unterbieten», kündigte Pflieger an. Die Norm für die Leichtathletik-EM 2018 in Berlin (2:14:00 Stunden) will er en passant abhaken.