FSV Mainz 05 - Hannover 96
Der Mainzer Jean-Jean-Paul Boëtius (l) und Hannovers Pirmin Schwegler kämpfen um den Ball. | Foto: Thomas Frey

14. Spieltag

«Das ist ja ein Witz»: Hannover nur mit Remis in Mainz

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Mainz (dpa) – Hannovers Cheftrainer André Breitenreiter war fassungslos und zornig wie selten. «Wir sind wütend und frustriert. Das ist eine gefühlte Niederlage», wetterte der 45-Jährige nach dem 1:1 (1:0) im Fußball-Bundesligaspiel beim FSV Mainz 05.

Auf die Palme brachte nicht nur ihn der ausgebliebene Videobeweis bei der Foulelfmeter-Fehlentscheidung (86. Minute) von Schiedsrichter Robert Hartmann, die zum Ausgleich durch Daniel Brosinski führte. Den Führungstreffer hatte Hendrik Weydandt (12.) erzielt.

«Durch diese Fehlentscheidung kommt die Topleistung der Mannschaft zu kurz», schimpfte Breitenreiter weiter. Der fragwürdige Elfmeter vermasselte den erhofften Befreiungsschlag für die Niedersachsen im Abstiegskampf und das Ende der Auswärts-«Horrorserie» (Breitenreiter) von nun 20 Spielen auf fremdem Platz ohne Sieg.

«Selbst der Spieler hat es zugegeben und auch das Schiedsrichterteam hat es bestätigt, dass es eine Fehlentscheidung war», berichtete Matthias Ostrzolek. Er hatte den Mainzer Jean-Philippe Mateta im Strafraum stoppen wollen, ihn aber bei nachträglicher Ansicht der TV-Bilder nicht berührt.

«Das ist ja ein Witz, das war der Wahnsinn an Schwalbe», schimpfte 96-Sportchef Horst Heldt, der an seinem 49. Geburtstag keine rechte Freude hatte und im TV-Sender Sky rätselte, warum sich der Videoassistent nicht eingeschaltet hat. «Wieso mischt er sich nicht ein und sagt, das ist eine klare Schwalbe? Es ist nicht mehr akzeptabel, der ganze Scheiß.»

Mainz‘ Coach Sandro Schwarz hatte Verständnis für «die Aufregung aufseiten von Hannover», verteidigte aber Schwalben-Mann Mateta, dass er sich nicht zu Wort meldete: «Es ist nicht die Verantwortung eines Spielers, auf dem Platz für Gerechtigkeit zu sorgen.»

Die Partie war auch ansonsten äußerst turbulent. In der vierten Minute der Nachspielzeit köpfte Anthony Ujah den Ball ins Netz – doch der Mainzer Stürmer stand dabei im Abseits. Hannovers Oliver Sorg sah in der Schlussphase die Gelb-Rote Karte (90.+7). Weil die Partie kurz nach dem Wiederanpfiff wegen des Zündens von Pyrotechnik und großer Rauchentwicklung für mehrere Minuten unterbrochen werden musste, ließ Hartmann acht Minuten nachspielen.

Schon vor dem Anpfiff hatte 96-Trainer Breitenreiter im Spiel eins nach der blamablen 0:2-Heimpleite gegen Hertha BSC mit einer umfassenden Rotation und einer auf sieben Positionen veränderten Startformation für eine Überraschung gesorgt. Er bot die bislang enttäuschenden Neuzugänge Kevin Wimmer, Genki Haraguchi und Takuma Asano auf und gab Weydandt den Vorzug vor Bobby Wood.

Das Wagnis, den 23-jährigen Weydandt aufzubieten, zahlte sich aus. Der noch bis 2014 für den Kreisliga-Club TSV Groß Munzel spielende Angreifer erzielte nach einer vom Mainzer Aaron Martin abgefälschten Flanke von Genki Haruchi volley aus kurzer Distanz die Führung. «Er hat ein tolles Spiel gemacht», lobte Breitenreiter.

Die Mainzer hatten durch einen Kopfball von Mateta (8.), den 96-Keeper Michael Esser aus dem Torwinkel fischte, und Pierre Malong Kunde (14.) ihre besten Möglichkeiten. Der Kameruner schoss fast vom Elfmeterpunkt unbedrängt den Ball in den Himmel statt ins Gehäuse.

Nach dem Rückstand waren es vor allem die Gastgeber, die das Spiel und Druck machten, aber immer wieder an der gut organisierten Abwehr hängen blieben. Auch der Videobeweis half den Mainzern nicht. Sie hatten in der 23. Minute ein Handspiel von Kevin Wimmer reklamiert, doch Schiedsrichter Hartmann ließ ohne Elfmeterpfiff weiterspielen.

Nach einer Unterbrechung kurz nach der Pause setzten die Platzherren das Power Play fort – und hatten in der 61. Minute Pech, als Danny Latza mit einem Schuss aus 22 Metern nur den linken Pfosten traf. Erst der umstrittene Elfmeter bescherte den Mainzern den Ausgleich. «Wir haben 19 Punkte – gut ist», meinte 05-Manager Rouven Schröder.