Rund 150 Kunstrasenplätze gibt es in Nordbaden, die allermeisten davon sind mit Gummigranulat verfüllt. | Foto: GES

BNN-Serie „Notelf“ – Teil elf

Die Infrastruktur der Vereine bröckelt

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An der Basis herrscht Alarm. Der Volkssport Fußball ächzt. Das Ehrenamts-Dilemma belastet auch ihn. Die Aggression auf und neben den Plätzen erschwert die Schiedsrichter-Akquise. Mit der Serie „Notelf – die Sorgen der Amateure“ unternahm diese Zeitung eine Bestandsaufnahme in elf Teilen. Die Nummer elf und damit den Abschluss der Serie widmet sich der Infrastruktur. Vielerorts bröckelt die Substanz – es fehlt das Geld für die Anforderungen der Zukunft.

Es gibt schöne Sportanlagen in Karlsruhe – ganz zweifellos. Die von Fortuna Kirchfeld gehört sicher dazu, oder das Gelände beim VfB Knielingen. Es gibt aber auch das exakte Gegenteil. Insbesondere der Karlsruher FV macht hier momentan leidvolle Erfahrungen. Der Traditionsverein war nach Insolvenz und Odyssee über die Sportplätze der Fächerstadt als Untermieter beim DJK Rüppurr untergekommen. Nach dessen Fusion und Umzug blieb dem KFV die heruntergekommene Anlage – mit unsicherem rechtlichen Status und unbefriedigenden Aussichten auf eine sportlich gute Zukunft.

Großer Investitionsstau bei den Sportanlagen

„Das Gebäude ist schon übel verrottet“, sagt der zweite Vorsitzende des Clubs, Steffen Herberger. „Die Duschen gingen lange nicht und das Dach hängt durch.“ Außerdem sei das Gebäude schadstoffbelastet. Nun ist aber der DJK nicht mehr Mieter des Geländes, die Stadt will dem KFV die Anlage aber vorerst auch nicht überlassen – „aus Haftungsgründen, weil sie eben so marode ist“, wie Herberger sagt. Somit ist die Situation für den Deutschen Meister von 1910 äußerst unbefriedigend. Vor allem weil die Infrastruktur der guten sportlichen Entwicklung bei weitem nicht standhält. „Das ist mittlerweile schon ein existenzielles Thema für uns“, legt sich Herberger fest. Der mittelfristige Spielbetrieb hänge an der Standortfrage. „Eine zweite erzwungene Pause nach der Insolvenz überlebt der Verein nicht“, so der zweite Vorsitzende.
Der Karlsruher FV ist sicher ein Extremfall, doch die Rahmenbedingungen sind auch andernorts grenzwertig. Gesperrte Plätze aufgrund von Überbelastung, Schimmel in den Duschen und baufällige Clubhausdächer werden von vielen Vereinen beklagt. „Der Sanierungsstau ist ein riesiges Problem“, sagt Wolfgang Elfner, der beim Badischen Sportbund (BSB) für die Sportstättenbauförderung zuständig ist. „Viele Anlagen sind in die Jahre gekommen.“

Viele Sportplätze befinden sich an der Belastungsgrenze.

Ohne Zuschüsse und Förderung läuft wenig

Um etwas dagegen zu unternehmen, fehlt bei den Clubs häufig das Geld. Zuschüsse und Fördergelder sind meist die einzige Möglichkeit, Neubauten und Sanierungen anzugehen. Hier sind die Bedingungen aber sehr unterschiedlich. Großes Glück hat etwa der VfB Grötzingen aufgrund seiner Zugehörigkeit zur Stadt Karlsruhe. 35 Prozent Zuschuss gibt es für Neubauten pauschal aus dem städtischen Haushalt, bei Sanierung – etwa von Umkleidekabinen – gibt es sogar 50 Prozent Förderung. Hinzu kommt noch der Zuschuss des Badischen Sportbundes, der bei 30 Prozent liegt, wobei hierbei schon relativ früh Deckelungen greifen. Im Moment wird in Grötzingen ein neuer Kunstrasenplatz gebaut, mit einer Crowdfunding-Aktion bei der Volksbank wurden weitere 1 500 Euro an Spendengeldern eingesammelt. Beim TSV Dürrenbüchig aus dem Fußballkreis Bruchsal, der seinen bislang abschüssigen Platz begradigt und neu anlegt, kamen auf diesem Weg sogar mehr als 15 000 Euro zusammen. Die Beispiele zeigen, dass die Clubs neue Wege bestreiten müssen, um an Geld für Projekte zu kommen.

Manche Vereine sind privilegierter als andere

Das gilt vor allem für diejenigen, die nicht wie der VfB Grötzingen das Privileg haben, Teil der Stadt Karlsruhe zu sein. Was einzelne Kommunen beisteuern, ist jeweils in den Förderrichtlinien zum Sportstättenbau geregelt. Karlsruhe ist dabei der Spitzenreiter im Landkreis, bei manchen Gemeinden, die weniger auf Rosen gebettet sind, gibt es auch mal überhaupt nichts. „Wenn befreundete Vereine außerhalb der Stadt hören, wie hoch die Förderung bei uns ist, schlackern sie schon mit den Ohren“, muss auch Holger Volz, Sportvorstand des VfB Grötzingen, zugeben.

Dem Karlsruher FV helfen all die Förderquoten – zumindest im Moment – noch nicht. Der 1891 gegründete Traditionsverein bräuchte zuallererst ein eigenes Gelände, auf dem sich etwas Neues aufbauen ließe. „Wir brauchen eine realistische Option, darüber verhandeln wir momentan mit der Stadt“, sagt Herberger. Und so lange geht es eben auf dem beanspruchten, alten Platz und im schadstoffbelasteten Clubhaus mit den durchhängenden Decken weiter.

Kunstrasen-Debatte verunsichert viele Clubs

Ein weiteres Problem sind auch Vorschriften und Verordnungen, die scheinbar willkürlich über die Vereine hereinbrechen. Ein gutes Beispiel dafür ist die aktuelle Debatte um die Zukunft von Kunstrasen. Seit vergangener Woche hat sich die Debatte um das auf Kunstrasenspielfeldern eingestreute Mikroplastik nochmals deutlich verschärft und die regentropfengroßen Gummikörnchen bestimmen die Schlagzeilen. Dabei geriet aber einiges aus den Fugen, was nun wieder eingefangen werden muss. So sehen es zumindest Experten wie Wolfgang Elfner, der beim Badischen Sportbund für die Förderung des Vereinssportstättenbaus zuständig ist.

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