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Engelhardt und Fuchs

Früher KSC-Profis, heute Scouts für die Bundesliga

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Abgesehen, dass sie miteinander befreundet sind, haben Marco Engelhardt (38) und Danny Fuchs (43) einiges gemein. Beide entstammen der Ostschule, gemeinsam spielten sie nach der Jahrtausendwende für den KSC. Und obwohl sie beide in Karlsruhe leben, sichten sie nun den Spielermarkt für Bundesligisten. Engelhardt für Werder Bremen, Fuchs für Borussia Mönchengladbach.

Herr Fuchs, worauf achten Sie, wenn Sie einen Spieler sehen?

Fuchs: Es geht viel um Schnelligkeit und physische Präsenz, um individuelle positionsspezifische Qualitäten und Stärken. Außerdem schaue ich darauf, ob sich einer, wenn er 0:1 zurückliegt, wehrt. Ob er Emotionalität zeigt oder ob ihm alles am Hintern vorbeigeht. Ich will Spieler mit Charakter und Zielen finden. Das landet in meinen Berichten.

Die gehen an den Chefscout?

Fuchs: Genau, wir sind da quasi wie Gutachter.

Herr Engelhardt, worin unterschieden sich die Talente heute zu jenen aus Ihren Profitagen?

Engelhardt: Das erste nach dem Training: Sie haben das Handy in der Hand. Auffallend: Ein junger Spieler, der in der Regionalliga spielt, will heute trotzdem den Lifestyle eines Profis leben, wie er ihn aus dem Fernsehen kennt. Das ist meist monetär schon nicht möglich.

Fuchs: Irgendwie liebe ich das auch am Fußball: Du kannst 400 Tatoos und dicke Uhren haben, kannst die verrückteste Frisur tragen – du kannst aufs Feld gehen wie ein Gockel und dann wirst Du weggebürstet, verlierst 0:5. Dann bist du eigentlich, auf Deutsch, eine Wurst. Am Fussball gefällt mir, dass du dir mit jedem Spiel wieder alles neu erarbeiten musst, dass am Ende die Leistung zählt – früher wie heute.

Wo bleibt die Individualität in der Ausbildung zum Profifußballer?

Engelhardt: Die Jungs sind heutzutage alle ziemlich stromlinienförmig. Wenn man verfolgt, wie der Tagesablauf eines Spielers in den Nachwuchsleistungszentren aussieht: Das ist fast nicht mehr zu stemmen. Für die Entwicklung der Persönlichkeit bleibt kaum Zeit. Teilweise spielt auch ein gesellschaftliches Problem hinein. Häufig ist zu erkennen, dass die Jungs, die aus sozial schwächeren Schichten kommen, deutlich mehr Elan, Biss und Mentalität mitbringen, sich zu behaupten, als die, denen es vielleicht bessergeht. Druck ist von allen Seiten bereits im jungen Alter da, möglicherweise von der Familie oder den Beratern, die einem sagen: „Du wirst Bundesligaspieler.“

Was macht Ihre Tätigkeit dennoch so attraktiv?

Fuchs: Mir macht es nach wie vor großen Spass, Fussball zu schauen und Ideen für meinen Verein zu entwickeln. Dazu muss man wissen: Ich scoute Spieler ab der U17, Marco, glaube ich, nur Profis …

Engelhardt: … stimmt.

Fuchs: Ich möchte nicht weiter runtergehen, weil ich das kritisch sehe. Ich bin auch fest davon überzeugt, dass man Topspieler nicht systemisch produzieren kann, indem man in den NLZ’s alles macht oder vorgibt. Natürlich bildet man die Spieler gut aus, aber ich habe den Standpunkt, dass sich ein Spieler, der sich im Profibereich durchsetzen will, das aus sich selbst herausmachen schaffen muss. Du musst es leben und unbedingt wollen. Für mich fehlen da heute oft auch die Regulative.

Viele fallen dann durchs Sieb und Träume platzen …

Engelhardt: Der Sprung vom Nachwuchsbereich in den Männerbereich ist enorm. Das wird sehr häufig unterschätzt. Selbst wenn du in U19-Bundesliga richtig gut bist, heißt das nicht, dass du in einer der vierthöchsten Ligen spielen wirst. Ich habe mir kürzlich die Torschützenkönige der letzten beiden Jahre angeschaut. Die vorne standen, haben alles zerbombt in der U19-Bundesliga, aber es hat keiner so richtig geschafft, ganz oben anzukommen.

Fuchs: Die Jungs, die aus den Junioren kommen, haben es heute schwer, sich bei einem Bundesligaverein durchzusetzen. Die Clubs scouten Spieler mittlerweile weltweit, als U19- Spieler konkurrierst du heute global. Wenn du aus der U19 kommst, musst du schon herausragend sein wie Kai Havertz oder Julian Brandt in Leverkusen, um durchzukommen.

Haben Sie eigentlich noch Kontakt zu Ihrem Heimatverein?

Fuchs (lacht): Klar. Ich habe bei BSG Traktor Quellendorf vor zwei, drei Jahren ein Kindertraining gemacht. Aber das ist eine komplett andere Welt, das ist wie Sonne und Mond. Ich glaube nicht, dass einer im Dorfverein bis zu seinem 18. Jahr spielt und dann noch Profi wird.

Engelhardt: Kontakt zum SV Preußen Bad Langensalza habe ich sehr regelmäßig. Sie spielen um den Einzug in den DFB-Pokal im Thüringer Landespokalfinale gegen Wacker Nordhausen. Phänomenal, dass die das gepackt haben.