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BNN-Interview

Präsidentin des Landessportverbands freut sich über Lockerungen, sieht auf Vereine aber auch Probleme zukommen

Wie gut kommen die Sportvereine in Baden-Württemberg durch die Krise? Diese Frage treibt die LSV-Chefin Elvira Menzer-Haasis seit Wochen um. Im Interview gibt Menzer-Haasis Einblicke in ihre Sicht auf die Dinge.

Viel zu tun in der Krise: Elvira Menzer-Haasis, Präsidentin des Landessportverbandes Baden-Württemberg, kämpft auf politischer Ebene für die Sportvereine. Foto: LSV BW

Elvira Menzer-Haasis, die Präsidentin des Landessportverbandes Baden-Württemberg, hat sich für finanzielle Unterstützung der Clubs eingesetzt, die nun per Soforthilfe-Programm vom Land fließt. Entspannung verspricht auch die neue Verordnung, die eine Rückkehr in den regelmäßigen Trainings- und Wettkampfbetrieb erlaubt. Dennoch sieht Menzer-Haasis die Vereine vor großen Herausforderungen, wie sie unserem Redaktionsmitglied Marius Bücher verriet.

Seit Mittwoch gilt die neue Corona-Verordnung. Wie glücklich sind Sie mit den Lockerungen?
Elvira Menzer-Haasis

Insgesamt können wir sehr zufrieden sein. Die neue Verordnung kommt vor allem den Vereinen zugute. In anderen Bundesländern schaut man schon ein wenig neidisch auf uns. Ich hätte mir allerdings eine andere Personenzahl als die 20gewünscht, denn Fußball oder auch andere Sportarten spielt man nun mal Elf gegen Elf. Fabelhaft finde ich hingegen, dass auch die Kontaktsportarten wieder stattfinden können. Es war manchen schwer zu erklären, warum sie etwa nicht mit dem gleichen Partner ringen dürfen.

Viele Vereine sind durch die Corona-Krise in Schwierigkeiten geraten. Sie fürchten etwa sinkende Mitgliederzahlen. Kommt die große Austrittswelle noch?

Es gibt im Moment keinen Mitgliederschwund, die Leute bleiben den Vereinen treu.Aber die typische Eintrittswelle bei den Großen ist in den Sommermonaten. Die Menschen werden im nächsten Jahr fehlen, das heißt, das Problem wird nachlaufen. Deshalb schauen wir, was wir mit der Politik aushandeln können.Wenn nächstes Jahr Probleme auftauchen, ist die Bereitschaft, glaube ich, schon da, hier nachzusteuern. Wichtig ist für uns aber: außerhalb des Solidarpakts.Unser Hilfsprogramm läuft ja bis Ende November, da kann man dann schon verlässliche Aussagen treffen. In anderen Bundesländern ging die Hilfeteilweise nur bis Ende Mai.

Stichwort Soforthilfe: Wie streng werden die Anträge geprüft?

Es wird erst einmal bei den Sportbünden auf Plausibilität geschaut. Zudem wird es Einzelfallprüfungen geben, das ist mit dem Ministerium so besprochen. Und man muss schon sehen, dass am Ende des Antrags eine eidesstattliche Erklärung steht. Da wird man sich schon überlegen, ob die Angaben tatsächlich so belastbar sind. Ich glaube aber nicht, dass die Vereine sagen: Jetzt holen wir uns das Geld ab, ob wir es verdient haben oder nicht. Ich denke, unsere eher maßgeschneiderte Lösung ist besser als ein Gießkannen-Prinzip, bei dem jeder Verein den Betrag x abhängig von der Mitgliederzahl bekommt. Es gibt Vereine,die brauchen es nicht, und es gibt Vereine, die brauchen deutlich mehr.

Welche Vereine sind denn besonders schwer von der Krise betroffen?

Das kann man noch nicht genau sagen, das Programm läuft ja erst an. Aber ich vermute, dass es eher die größeren Mehrsparten-Vereine sind, die höhere Ausgaben durch hauptamtliches Personal haben und die Kurse anbieten. Nach der Öffnung werden die Kurse kleiner sein und es ist mehr Personal nötig, um die selbe Anzahl an Menschen zu betreuen. Das wird auch ein nachlaufendes Thema sein. Ein Verein mit 100 Mitgliedern gerät vielleicht nicht so schnell in Not.

Wie kann man den Vereinen noch helfen?

Ich habe die Präsidenten der kommunalen Landesverbände gebeten, die Hallen während der Sommerferien für Sportangebote offen zu lassen. Viele Menschen werden ja ohnehin zu Hause bleiben. Vom Städtetag gibt es da ein positives Signal. Das wäre auch für die Vereine wichtig und wünschenswert.

Die Soforthilfe-Anträge werden von den drei Sportbünden bearbeitet. Die haben in der Krise nicht immer an einem Strang gezogen

Es war schon eine anstrengende Zeit. Die Nordbadener und ich waren uns einig, dass nicht derjenige erfolgreich sein wird, der am lautesten schreit, sondern derjenige,der am konsequentesten nachweisen kann, wie die Situation wirklich ist.Südbaden und Württemberg waren da nicht immer unserer Meinung. Es ging sogar soweit, dass mein Mandat und meine Rolle in Frage gestellt wurden.Schlussendlich habe ich als Mandatsträgerin aber auch das ausverhandelt, was der Auftrag war: Der Solidarpakt läuft weiter und wir brauchen Mittel on top. Diese Zusage haben wir von der Ministerin bekommen. Wir haben uns dann aber in einer Präsidiumssitzung geeinigt, weil wir alle wissen, es geht um das Herz des Sports, die Vereine.

Wie wird sich der Sport in Baden-Württemberg durch die Krise wandeln?

Konkret kann ich das noch nicht sagen. Aber ich glaube, es wird schon eine Veränderung im System geben, aber genau das ist ja die Stärke unserer Sportvereine. Sie haben sich über die Jahrhunderte – ob Monarchie, ob Krieg – immer wieder angepasst, immer wieder neu erfunden. Und wir merken jetzt gerade, dass die Vereine so einen starken Selbsterhaltungstrieb haben, so viel Kreativität und Ideen einbringen. Ich bin beeindruckt.

Die Krise fällt auch in eine Zeit, in der die Leistungssportreform umgesetzt wird. Hat sie hierauf Auswirkungen?

Am Anfang war es vor allem für die Spitzenathleten ein bisschen schwierig, weil aufgrund des Föderalismus die Trainingsmöglichkeiten sehr unterschiedlich geregelt waren. Und wir hatten hier in Deutschland einen Standortnachteil. In anderen Ländern durften die Sportler teilweise durchtrainieren, bei uns werden Beschlüsse eben sehr konsequent umgesetzt.Wichtig war, dass wir vom Bundesinnenministerium relativ schnell das Signal bekommen haben, dass die Mittel weiterfließen und das ist ein ganz wichtiges Signal. Mit der Verschiebung von Olympia ist auch einiger Druck weggenommen worden.

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