Paris Saint-Germain
PGS-Trainer Thomas Tuchel kam mit seinem Starensemble nicht über ein 2:2 gegen den SSC Neapel hinaus. | Foto: Thibault Camus/AP

Champions League

PSG-Trainer Tuchel von Favoritenrolle genervt

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Paris (dpa) – Thomas Tuchel war genervt. «Ich habe es dir schon mal gesagt», erinnerte der deutsche Trainer des französischen Fußball-Meisters Paris Saint-Germain nach dem Champions-League-Spiel gegen den SSC Neapel einen Journalisten, «wir sind nicht die Favoriten. Das musst du mir glauben.»

Spätestens mit dem glücklichen 2:2 (0:1) gegen die Italiener wurde das auch für jeden offensichtlich – doch die Erwartungen an das Starensemble um Neymar, Mbappé und Co. sind bekanntlich höher. «Was ist mit den Hunderten Millionen Euro?», blieb der Journalist beharrlich, «das ist doch bizarr, sich nicht als Favorit zu sehen!» Daraufhin wirkte Tuchel ein wenig ratlos. «Ich finde diese Diskussion auch ein bisschen komisch», entgegnete er. «Ich habe meine Meinung gesagt, und das müssen Sie akzeptieren.»

Ob die PSG-Bosse das auch akzeptieren? Das ewige Ziel der Franzosen, der Gewinn der europäischen Königsklasse, scheint vorerst mal wieder in die Ferne gerückt zu sein. Und der 45-jährige Tuchel gerät in Paris nach nur wenigen Monaten erstmals unter Druck. Nationale Medien sind dem ehemaligen Trainer von Borussia Dortmund, der fließend französisch spricht, bisher dennoch wohlgesonnen.

«Unverhofft» titelte die französische Sportzeitung «L’Équipe». Dass Angel Di Maria in der dritten Minute der Nachspielzeit der Ausgleich gelungen war, ließ in Gruppe C zwar alles offen. Das Ergebnis war dennoch enttäuschend. «Die ursprüngliche Idee ist das ehrlicherweise nicht gewesen», schrieb «L’Équipe». Am Ende hatte der französische Tabellenführer, der in der Ligue 1 zehn Siege aus zehn Spielen geholt und dabei 37 Tore geschossen hatte, sogar Glück gebraucht.

Es habe gut begonnen, resümierte der teils gereizt und unkonzentriert wirkende Tuchel. «Aber danach, ich weiß nicht warum, haben wir unsere Struktur verloren. Wir haben viele leichte Bälle verloren», sagte er. «Wir haben unser Vertrauen verloren.» In der zweiten Halbzeit sei es dann wieder besser gelaufen, meinte der frühere BVB-Coach.

Paris sei unter Tuchel «auf einem guten Weg», schrieb «Le Parisien», «aber machen sie auch die Fortschritte, die von ihnen erwartet werden?» Das werden die nächsten Wochen zeigen. Für das Achtelfinale müsse PSG sein Niveau steigern, forderte die Regionalzeitung. Und das räumte auch Tuchel ein: «Wir müssen uns verbessern, das ist klar.»

Auf der anderen Seite konnte Napoli-Coach Carlo Ancelotti trotz des ärgerlichen, späten Gegentors zufrieden sein. Vor knapp einem Jahr hatte der Italiener als Trainer des FC Bayern mit 0:3 in Paris verloren und war danach beurlaubt worden. Diesmal dominierte seine neue Mannschaft das Pariser Starensemble im Prinzenpark über weite Strecken. «Carletto erteilt Paris eine Lektion», lobte die «Gazzetta dello Sport» und erklärte Ancelotti zum «Guru».

Durch das Remis verlor Neapel allerdings den ersten Platz an den FC Liverpool. Jürgen Klopps Team setzte sich mit 4:0 (2:0) klar gegen Roter Stern Belgrad durch. Nach dem 1:0-Arbeitssieg in Huddersfield und zuvor vier Spielen ohne Sieg witterte die Zeitung «Liverpool Echo» die «Rückkehr des echten Liverpools» mit «Extrapower».

Mohamed Salah traf doppelt. Der Torschützenkönig der Vorsaison hat damit in nur 65 Spielen für die Reds schon die Marke von 50 Treffern erreicht – Vereinsrekord. «Eine herausragende Zahl», schwärmte Klopp, «hoffentlich kann er so weitermachen.» Die Diskussion um eine vermeintliche Formkrise Salahs müsse nun ein Ende haben.

Sechs Punkte hat Liverpool in seiner Champions-League-Gruppe jetzt, Neapel hat fünf und Paris vier. «Diese Gruppe bleibt offensichtlich spannend bis zum Schluss», sagte Klopp, «das war schon nach der Auslosung ziemlich klar.»