Pascal Ackermann
Pascal Ackermann ist schon jetzt einer der gefragtesten Radrennfahrer Deutschlands. | Foto: Yuzuru Sunada/BELGA

Shootingstar aus der Südpfalz

Radrennfahrer Pascal Ackermann: Die Tour de France ist das Ziel

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Pascal Ackermann, der deutsche Radsport-Shootingstar, fährt zwar aktuell nicht bei der Tour de France mit, ist aber seit seinem Coup beim Giro d’Italia in aller Munde. Was sich bei dem Südpfälzer aus Kandel seit seinem beiden Etappen-Erfolgen geändert hat, erzählt er im BNN-Gespräch.

Um kurz vor halb eins – die Kollegen haben bereits ihre Arbeitsgeräte in den wartenden Sprintern verstaut und sind im Gastrozelt nebenan zum gemütlichen Teil übergegangen – ist der ebenso lange wie erfolgreiche Arbeitstag von Pascal Ackermann in Oberhausen noch immer nicht beendet. Vor dem verdienten Feierabend warten noch zwei Knirpse auf ein Foto mit dem frisch gebackenen Madison-Sieger der Sixdays-Night, der anschließend noch ein letztes Mal sein schwarzen Rollköfferchen öffnet, um zwei Autogrammkarten hervorzukramen.

Medieninteresse ist gewaltig

Wer Ackermann am Samstagabend in Oberhausen erlebt, der kann durchaus nachvollziehen, warum der 25-jährige Pfälzer auf die Frage, was sich denn seit dem Giro für ihn geändert habe, mit „eigentlich alles“ antwortet. Vor allem meint Ackermann das Medieninteresse, die Aufmerksamkeit des Publikums. „Ich komme nicht mehr dahin, wo ich will“, spielt er auf Foto- und Autogrammwünsche an, die ihn auch in Oberhausen zwischen den Rennen immer wieder von seinem eigentlich Job abhalten. „Megaschön“ sei das auf der einen Seite, versichert er. Es erhöhe aber eben auch den Druck.

Bester Sprinter beim Giro d’Italia

Dass die Erwartungshaltung der deutschen Radsport-Fans ziemlich groß geworden ist, daran ist Ackermann selbst schuld. Beim Giro d’Italia im Frühjahr sehen die weltbesten Sprinter auf der Zielgerade mehrfach nur dessen Hinterrad. Ackermann kehrt mit zwei Etappensiegen und dem violetten Trikot des Punktbesten, das vor ihm noch kein Deutscher gewonnen hatte, aus Italien zurück – und mit der Bestätigung, dass die Erfolge in der jüngeren Vergangenheit kein Zufall waren. Kurz zuvor war er beim Eintages-Klassiker Eschborn-Frankfurt der Konkurrenz enteilt, 2018 – in seinem erst zweiten Profijahr – hatte er mit neun Saisonsiegen, sechs davon auf der World Tour, mehr als nur eine erste Duftmarke gesetzt.

Tour de France als Ziel

Kein Wunder also, dass die deutschen Fans ihn in diesen Tagen bei der Tour de France schmerzlich vermissen. Die sei „auf jeden Fall ein Ziel“, bekennt Ackermann, der die Frankreich-Rundfahrt mit einem Kribbeln in den Beinen verfolgt. „Da sitzt du vor dem Fernseher und denkst, da ist jetzt meine Lücke, durch die ich durchgefahren wäre“, erzählt das Sprinter-Ass, das es inzwischen von Minfeld bei Kandel an den Bodensee verschlagen hat. „Hier bei uns ist es zwar traumhaft zu trainieren, aber es fehlen halt die Berge“, erklärt Ackermann, der mittlerweile nur noch selten Zeit findet für eine Stippvisite bei der Familie. Umso wichtiger sind für ihn die wenigen Rennen, die er nahe der Heimat bestreitet.

Pfälzer fährt gerne Rennen in der Heimat

„Die Leute kennen mich ja sonst nur aus dem Fernsehen“, sagt er. Wahrscheinlich wird Ackermann im TV künftig noch häufiger präsent sein – spätestens, wenn er erstmals bei der Tour aufschlägt, was bereits 2020 der Fall sein könnte.
Bereits jetzt ist es mit der Ruhe für den Senkrechtstarter vorbei. „Ich könnte mich jetzt nicht da oben hinsetzen und einfach eine Weinschorle trinken“, sagt der Pfälzer Sonnyboy grinsend und blickt vom Fahrerlager aus über das Bahn-Oval des RSV Edelweiß Oberhausen hinauf zu den Biertischen, wo die Schaulustigen dicht gedrängt sitzen. Mancher dürfte eigens wegen Ackermann gekommen sein, glaubt auch Organisator Erik Weispfennig, der sogar von einem „kleinen Pascal-Ackermann-Effekt“ spricht. Schwer vorstellbar, dass dieser schon bald wieder verpufft.