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Serie über Größen aus dem Sportkreis Bruchsal

Der Karlsdorfer Fußballer Schlindwein wurde nach seiner Waldhof-Zeit in Hamburg heimisch

Wegen seiner harten Gangart auf dem Platz wurde der Karlsdorfer Dieter Schlindwein als „Eisen-Dieter” besungen. Geschadet hat dem heute 59-Jährigen seine Spielweise nicht. Für Waldhof Mannheim, Werder Bremen, Eintracht Frankfurt und den FC St. Pauli spielte der Verteidiger in der Bundesliga.

Den Weltmeister links liegen gelassen: Der junge Dieter Schlindwein, hier noch im Trikot von Waldhof Mannheim, setzt sich im August 1984 gegen Andreas Brehme vom 1. FC Kaiserslautern durch. Foto: Eissner/imago images

Dieter Schlindwein ist gerade auf dem Weg von der Ostsee nach Hause. Am Weissenhäuser Strand hat er wieder mal seinen früheren Profi-Kollegen und guten Freund Manfred „Manni” Kaltz in dessen Fußballschule unterstützt, nun fährt Schlindwein zurück nach Hamburg. Ja, die Hansestadt ist aktuell die Heimat des 59-Jährigen, nicht Karlsdorf, wo der einst beinharte Fußballer geboren wurde und das Kicken lernte.

Dennoch kommt Schlindwein auch immer wieder gerne ins Badische zurück. „Ich bin immer noch sehr heimatverbunden und habe ja auch noch Familie in Karlsdorf”, sagt er. „Eine Rückkehr schließe ich nicht aus.” Aber im Moment lebt es sich ganz gut in Hamburg, wo er seit seinem Karriereende 1996 beim FC St. Pauli geblieben ist.

„Wir machen Trainingscamps an schönen Orten, alles sehr entspannt”, sagt der ausgebildete Fußballlehrer. Neben Kaltz’ Fußballschule gehört er auch zum Team von Michael Rummenigges Ausbildungsschmiede, bei der regelmäßig auf Sylt trainiert wird sowie bei der Hannover96-Fußballschule.

Viele richtige Entscheidungen prägten Schlindweins Karriere

Dabei hätte sich Schlindwein auch gut eine Trainerkarriere im Profifußball vorstellen können, der Einstieg war jedenfalls vielversprechend. Nachdem ihn St. Paulis Trainer Uli Maslo nach seinem letzten Bundesligaspiel (das tragischerweise mit einer Roten Karte nach 25 Minuten endete) aussortiert hatte, wurde er Co-Trainer von dessen Nachfolger Klaus-Peter Nemet.

Als der aber wiederum von Eckhard Krautzun abgelöst wurde, hatte sich das mit der Stelle auch schon wieder erledigt. Schlindwein wurde Scout und konzentrierte sich fortan auf die Arbeit mit dem Nachwuchs, unter anderem auch als Stützpunkttrainer des DFB in Hamburg. Er hat es nicht bereut.

So waren viele Entscheidungen, die Schlindwein in seinem Leben traf, im Nachhinein betrachtet, die Richtigen. Die erste, den Fußball betreffende, stand schon im Jugendlichen-Alter an, als sowohl der Karlsruher SC als auch Waldhof Mannheim um den jungen Karlsdorfer warben. „Innerhalb von drei Tagen war damals das ganze Präsidium der beiden Vereine bei uns”, erinnert sich der 59-Jährige.

„Die Entscheidung fiel schließlich für Waldhof. Da habe ich einfach bessere Chancen gesehen, weil Mannheim viel mehr auf die eigene Jugend gesetzt hat”, sagt Schlindwein. Er sollte Recht behalten.

Pokalsieg 1988 mit Eintracht Frankfurt als Highlight

Während der Verteidiger nebenbei seine Lehre zum Industriekaufmann machen konnte, gehörte er unter Trainer Klaus Schlappner zu den legendären Waldhof-Buben der 80er-Jahre, unter anderem neben dem Kronauer Uwe Zimmermann und Roland Dickgießer aus Langenbrücken. 1983 gelang schließlich der Aufstieg in die Bundesliga, Schlindwein machte insgesamt 221 Spiele für den Waldhof, ehe es ihn 1986 zu Werder Bremen zog, nachdem ihn dessen Coach Otto Rehhagel schon länger umworben hatte.

Doch im Norden wurde Schlindwein schon früh von einer Verletzung am Oberschenkel ausgebremst, weshalb die Station in dieser Hansestadt mit nur drei Einsätzen zum kurzen Intermezzo wurde. Also ging Schlindwein weiter nach Frankfurt, was sich als weitere gute Entscheidung herausstellen sollte. 1988 gewann der Abwehrspieler mit der Eintracht den DFB-Pokal.

„Wenn man als Fußballer einen Titel holt, ist das immer ein absolutes Highlight”, sagt Schlindwein rückblickend. Daneben seien ihm aber auch sein erstes Profispiel bei 1860 München, sein erster Bundesligaeinsatz 1983 gegen Werder Bremen, die Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles und ein 3:1-Sieg bei den Bayern mit eigenem Treffer besonders in Erinnerung geblieben. Auch ein 3:1-Erfolg gegen Kickers Offenbach, als Schlindwein mit gerade 18 Jahren alle drei Tore schoss, gehört zu den Highlights der Laufbahn.

„Es gibt nur einen Eisen-Dieter”, sangen die Fans des FC St. Pauli

Zu einem einzigen großen Erlebnis wurde seine vierte und letzte Station im Profifußball beim FC St. Pauli, zu dem ihn dessen Manager Georg „Schorsch” Volkert gelotst hatte. Seine harte Gangart in Zweikämpfen kam bei den Zuschauern am Millerntor gut an. „Es gibt nur einen Eisen-Dieter”, sang der Anhang nach erfolgreichen Tacklings. Damit hatte Schlindwein seinen Spitznamen.

„Ich habe es als Auszeichnung verstanden”, sagt der Wahl-Hamburger heute. Auf dem Platz habe er immer alles gegeben, „da habe ich mich natürlich gefreut, dass es die Zuschauer auch so gesehen haben.” Sein Spiel-Stil passte einfach in die damalige Zeit. Ob er damit heute noch Erfolg hätte, weiß Schlindwein nicht, das Spiel habe sich einfach grundsätzlich verändert. „Gegen Sergio Ramos war ich damals aber ein Schuljunge”, sagt er lachend.

Gerne denkt Schlindwein noch heute an die Duelle seiner Karriere zurück, in der er insgesamt 186-mal in der Bundesliga und 214-mal in der zweiten Liga auflief. „Gegen Rudi Völler, Jürgen Klinsmann, Dieter Hoeneß, Fredi Bobic und wie sie alle hießen. Das waren immer schöne Aufgaben und heiße Kämpfe”, sagt der Karlsdorfer. „Auf dem Platz war das immer hart, aber anschließend war immer alles fair.” So hält es Schlindwein noch heute, wenn er die Jugendlichen auf ihre Karriere im Fußball vorbereitet.

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