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Unterste Liga

Die C-Klasse im Fußball hat nicht nur mit Personalproblemen zu kämpfen

Personalnot, Terminschwierigkeiten, Missmut über Staffeleinteilung: Die Probleme in der C-Klasse, der untersten Liga, sind auch im Fußballkreis Karlsruhe vielschichtig.

Mit harten Bandagen: Auch in den vier Staffeln der C-Klasse Karlsruhe wird ab dem Wochenende wieder um Punkte gekämpft. Foto: Marvin Ibo Güngör GES/Marvin Ibo Güngör

Wenn es um existenzielle Fragen geht, lassen die Verantwortlichen des Fußballkreises Karlsruhe im Sinne der Sache fünf schon mal gerade sein. Eigentlich war ja am 30. Juni 2020 Meldeschluss gewesen für die nun an diesem Wochenende beginnende Saison im Bereich des Badischen Fußball-Verbands (bfv).

Zu diesem Zeitpunkt aber stand der FV Sulzbach noch ohne Mannschaft da, war aber in Kontakt mit den Kreisgremien und konnte kurz nach der eigentlich abgelaufenen Frist doch noch die erfolgreiche Rekrutierung eines Trainers und genügend Spieler vermelden.

Vier Staffeln mit insgesamt 49 Mannschaften

„Wir wollten den Spielbetrieb unbedingt aufrechterhalten, denn sonst hätte es bei uns auf Dauer keinen Fußball mehr gegeben”, erklärt Thomas Wydolski, der dritte Vorstand. Auch der Fußballkreis war erfreut darüber, dass der FVS doch noch ausreichenden Ersatz gefunden hatte für die abgewanderten 16 Spieler und sortierte die erste Mannschaft wieder in die Staffel 1 der C-Klasse ein.

„Es ging uns darum, den Fußball zu fördern”, begründet der Kreisvorsitzende Thomas Rößler die Nachsicht mit dem SV Sulzbach. Eine zweite Mannschaft, die der Verein in der vergangenen Spielzeit noch gemeldet hatte, wird es aber nicht mehr geben. Insgesamt treten 49 Mannschaften in den vier Staffeln der C-Klasse an.

Bei Flex-Modell Spiele mit neun Akteuren je Mannschaft möglich

Sulzbach ist kein Einzelfall. Das Personalproblem ist im Amateurfußball nicht nur in Corona-Zeiten virulent. Der demographische Wandel und das veränderte Freizeitverhalten schlagen zu Buche. Es gibt immer weniger Spieler, die auch nach der Jugendzeit am Ball bleiben.

Manche Vereine begegnen der Misere mit Spielgemeinschaften benachbarter Schicksalsgenossen, zudem sieht die Spielordnung des bfv seit einigen Jahren auf unterster Ebene auch die Möglichkeit des so genannten Norweger-Modells vor, besser bekannt unter dem Namen Flex.

Es erlaubt Vereinen der C-Klasse, Partien mit nur neun statt elf Spielern anzumelden, auch noch während der laufenden Runde. Allerdings verwirken diese Teams das Aufstiegsrecht. „Das Modell ist unsere Reaktion auf die Realität. Sie wird auch wahrgenommen. Ein halbes Dutzend meldet im Schnitt pro Saison Flex an”, sagt Rößler.

Das Allheilmittel ist auch diese Option nicht, zumal sie auf die C-Klasse beschränkt ist. In der Vergangenheit haben schon einige Vereine ihre zweiten Mannschaften gegen Saisonende abmelden müssen, weil für die Reserve nicht mehr genügend Spieler zur Verfügung standen.

C1 stärker besetzt als die drei anderen Staffeln

Wie vor jeder Saison sorgt auch in diesem Jahr die Staffeleinteilung wieder für Diskussionen. Nicht nur für Spielausschuss Peter Lindenfelser vom SV Hohenwettersbach ist es unverständlich, dass die meisten Vertreter in der C1 erste Mannschaften sind - diesmal sind nur fünf der 13 Teams die zweite Garnitur.

Dagegen werden C2, C3 und C4 ausschließlich von zweiten und teilweise gar dritten Mannschaften gebildet. „Wegen der starken Besetzung ist es extrem schwierig, aus der C1 aufzusteigen. Deshalb wäre es richtig, wenn auch der Zweite direkt aufsteigen würde und nicht in die Relegation müsste”, meint Lindenfelser, dessen Erste in der abgebrochenen Saison auf Platz zwei hinter Corona-Meister SC Schielberg auf der Strecke blieb.

„Wir müssen es halt hinnehmen. Aber dieses Jahr wollen wir absolut hoch. Die ersten fünf Mannschaften der C1 können locker in der B-Klasse mithalten”, betont der SVH-Funktionär. Dank der sehr erfolgreichen Nachwuchsarbeit hat Hohenwettersbach sogar eine zweite Mannschaft gemeldet, die in der C3 antritt. Sie hat aber kein Aufstiegsrecht.

Rußheims Reserve über lange Anreisewege verstimmt

Zu den Gegnern von Sulzbach und Hohenwettersbach I gehört auch die Reserve des FV Rußheim. Der Verein, dessen Erste in der A-Klasse kickt, hat sich schriftlich beim Fußballkreis über die Einteilung beschwert. Nicht vergleichsweise starke Gegner sind Grund der Klage, sondern die geographische Einteilung.

Von Rußheim nach Hohenwettersbach sind es 33 Kilometer, nach Etzenrot fast 40, nach Sulzbach oder Wöschbach ist es kaum näher. Als Zumutung, zumal unter den Hygienevorschriften, die voll besetzte Autos verbieten, empfindet Rußheims Abteilungsleiter Daniel Müller die Fahrten.

Da sei schon zu Saisonbeginn und nicht erst im Winter die Motivation der Spieler im Keller. Sein Vorschlag: Die ersten und zweiten Mannschaften sollten so eingeteilt werden, dass sie am gleichen Spieltag auf den gleichen Verein treffen. Wenn die zweite Mannschaft vor der ersten spielen würde, könnten Männer aus der Reserve zumindest danach noch als Ersatz aushelfen.

„Quadratur des Kreises”

Die Idee ist nicht neu, es wäre ein Zurück zu den Wurzeln. Denn vor Jahrzehnten traten die Zweiten zweier Teams im Vorspiel gegeneinander an, in dieser Reserve-Runde gab es keinen Auf- und Abstieg.

Die Rückkehr zum Modell Freizeitbetrieb habe der Fußballkreis vor sechs Jahren mal zur Diskussion gestellt, aber mehrheitlich entschieden sich die Vereine für den Punktekampf in der C-Klasse, sagt Rößler. Bei der Staffeleinteilung und dem Spielplan versuche der Kreis, es möglichst vielen Vereinen recht zu machen. „Aber in einzelnen Fällen gleicht das der Quadratur des Kreises.”

Mehrere Mannschaften haben spielfrei

Weil die vier C-Klassen nur aus zwölf beziehungsweise 13 Mannschaften bestehen, die höheren Ligen aber 16 und mehr Teams aufweisen, haben an jedem Wochenende einige Clubs spielfrei. Denn die Saison soll in allen Ligen zum gleichen Zeitpunkt enden. In der C1 haben am 6. September offiziell spielfrei Germania Karlsruhe, DJK Durlach und GSK II.

Auch Rußheims Reserve hat noch Ruh’, das Spiel gegen Etzenrot wurde auf den 7. Oktober verlegt. Der Grund: Das traditionelle Ochsenbrustessen des TSV. Statt wie in Jahren ohne Corona auf dem Waldbronner Kurparkfest schlägt der Turn- und Sportverein seine Feldküche in der Festhalle auf. Die C-Klasse ist eben flexibel.

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