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Fußballer-Streit in Oberderdingen

FC Fatihspor erzielt vor Gericht Punktsieg gegen die Gemeinde

Seit Monaten schwelt der Streit zwischen dem FC Fatihspor Oberderdingen und der Gemeindeverwaltung. Nun gibt es immerhin einen Gerichtsbeschluss, der Klärung verspricht. Das letzte Wort dürfte damit aber noch längst nicht gesprochen sein.

Grund zur Freude: Einen Etappensieg errangen der FC Fatihspor Oberderdingen und dessen Vorsitzender Fatih Yurdakul (rechts) vor Gericht. Nach aktuellem Stand darf der Verein ein Sportgelände der Gemeinde für seine Heimspiele nutzen. Foto: Jan Prihoda

Der Oberderdinger Bürgermeister Thomas Nowitzki war einst ein begnadeter und von seinen Gegnern gefürchteter Fußballer. So berichten es ehemalige Weggefährten und auch Kontrahenten über den heute 64-Jährigen.

Will man den Streit mit dem neu gegründeten Fußballclub FC Fatihspor Oberderdingen, der nun seit Monaten in der 11.000-Einwohner-Gemeinde schwelt, in Fußballsprache zusammenfassen, dann könnte man es vielleicht so ausdrücken: Zuerst spielte der Bürgermeister auf Zeit, dann beging er mehrere grobe Foulspiele, um sich anschließend ins Abseits zu begeben. Es ist kein guter Auftritt in diesem Spiel, das eigentlich zu ernst ist, um es als solches zu bezeichnen.

Gemeinde wird verpflichtet, einen Platz zur Verfügung zu stellen

Und dann kassierten Nowitzki und seine Verwaltung, um sprachlich im Bilde zu bleiben, nun auch noch den späten Gegentreffer. Das Verwaltungsgericht Karlsruhe entschied nämlich, dass die Gemeinde „im Wege einer einstweiligen Anordnung verpflichtet [wird], dem FC Fatihspor Oberderdingen für die Spielzeit 2020/21 an mindestens einem Tag am Wochenende für Ligaspiele Zugang zu den beiden Rasenplätzen nebst Umkleide- und Sanitäranlagen entweder in Oberderdingen oder in Flehingen zu gewähren“, wie es im Beschluss des Gerichts heißt.

Der Streitwert des Verfahrens liegt bei 5.000 Euro, entsprechend fielen bereits nicht unerhebliche Gebühren für Gericht und Anwälte an, wobei der Gemeinde, die sich durch eine Stuttgarter Kanzlei vertreten lässt, durch eine bestehende Versicherung keine Kosten entstehen, wie Bürgermeister Nowitzki mitteilt.

Wir wären die ganze Zeit gesprächsbereit gewesen.
Fatih Yurdakul, Vorsitzender FC Fatihspor Oberderdingen

Zum Hintergrund: Der 2019 gegründete Verein hatte offiziell bereits im November des vergangenen Jahres beantragt, die Sportanlage im Ort für Training und Spiele benutzen zu dürfen. Dies hatte die Gemeindeverwaltung dem Club verwehrt und sich genau wie der SV Oberderdingen, der die Plätze nutzt, weiterer Gespräche verweigert.

Da der FC Fatihspor für die Saison in der Kreisklasse C gemeldet ist und die Runde bereits am kommenden Wochenende beginnt, sah sich die Vereinsführung dazu gezwungen, den Klageweg zu bestreiten. „Wir haben nie gewollt, dass es soweit kommt. Wir wären die ganze Zeit gesprächsbereit gewesen“, sagt der Vorsitzende Fatih Yurdakul.

Beschluss gilt vorerst nur für die Heimspiele, nicht für das Training

Der Beschluss des Verwaltungsgerichts war nun zumindest ein Teilerfolg für seinen Verein, immerhin dürfte damit schon ab Sonntag eine Spielstätte für die Heimspiele in der C-Klasse zur Verfügung stehen. Für die Trainingseinheiten sahen die Richter keine Eilbedürftigkeit, immerhin gebe es hier Möglichkeiten auf auswärtigen Bolzplätzen.

Für Yurdakul ist diese Situation jedoch nicht zufriedenstellend, er klagt über zahlreiche verletzte Spieler wegen des schlechten Platzzustandes in Großvillars, wo sich das Team momentan notdürftig fit hält. Außerdem fällt auch diese Trainingsmöglichkeit im Herbst durch das fehlende Flutlicht weg.

Bürgermeister Nowitzki sah allerdings trotz des Gerichts-Beschlusses weiter keine Notwendigkeit, das Gespräch zu suchen. Statt dem FC Fatihspor, wie von den Richtern angeordnet, schriftlich zu bestätigen, auf welchem der beiden Anlagen der Verein seine Heimspiele austragen darf, legte die Gemeinde Beschwerde gegen die Entscheidung vor dem Verwaltungsgerichtshof in Mannheim ein. Das will im Lauf dieser Woche darüber befinden, ob der Beschluss des Karlsruher Verwaltungsgerichts gültig bleibt.

Gegenüber der Presse will sich Nowitzki erst in der kommenden Woche ausführlich äußern – wenn die Saison bereits begonnen hat. Auf eine vorherige schriftliche Anfrage antwortete er am Dienstagnachmittag. „Die Gemeinde Oberderdingen hat den beteiligten Vereinen frühzeitig empfohlen eine gemeinsame Lösung zu finden“, heißt es darin knapp.

Nowitzki ist außerdem der Meinung, das Verwaltungsgericht Karlsruhe gehe von der falschen Annahme aus, die Gemeinde habe die Schlüsselgewalt für die im Besitz der Vereine (SV Oberderdingen und FC Flehingen) stehenden Gebäude.

Mögliches Hauptsacheverfahren könnte sich ziehen

Die Gemeinde will nun die Entscheidung des VGH abwarten, ehe sie über das weitere Vorgehen entscheidet. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass das Duell in die Verlängerung geht. Denn selbst wenn der Verwaltungsgerichtshof den Beschluss bestätigt und der FC Fatihspor am Sonntag (16 Uhr) den FC Neibsheim II im ersten Saisonspiel auf „eigenem Platz“ empfangen darf, steht der Gemeinde noch das Hauptsacheverfahren offen, das sich, dann wieder vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe, in die Länge ziehen dürfte. „Ich finde es traurig, dass die Gemeinde weiter so stur bleibt“, sagt Yurdakul.

Wie frühere Mannschaftskollegen berichten, war der frühere Fußballer Thomas Nowitzki immer ein sehr zäher und unbequemer Gegenspieler. In seinen Bürgermeister-Job scheint er diese Eigenschaften mitgenommen zu haben. Den Schiedsrichter, wenn man das Gericht als solchen sehen will, hat er in diesem Spiel jedenfalls gegen sich. Die Zuschauer dürfen selbst entscheiden, auf wessen Seite sie stehen.

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