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Hoffenheimer Profi-Coach auf Heimatbesuch

Marcel Rapp stattet Ersingen eine Stippvisite ab

Sprosse für Sprosse hat Marcel Rapp die Karriereleiter erklommen, sowohl als Spieler als auch als Trainer bei 1899 Hoffenheim. Nun hat er seiner Heimatgemeinde Ersingen einen Besuch abgestattet.

Interimstrainer Marcel Rapp (Hoffenheim). Foto: Markus Gilliar/GES

Zu einer Stippvisite und auf Einladung des FC Ersingen war der Hoffenheimer U-19-Trainer Marcel Rapp (41) in seine Heimatgemeinde gereist, um den Machern des Ersinger Podcasts Rede und Antwort zu stehen. Und Fragen hatte Moderator Dirk Steiner, zusammen mit seinen Tontechnikern Max und Tom Beihofer, in Hülle und Fülle – schließlich ging es um den wohl berühmtesten Ersinger in 110 Jahren FCE-Fußballgeschichte.

Die Entwicklung des einstigen Innenverteidigers und Mittelfeldstrategen mit dem starken linken Fuß verlief rasant. Der VfR Pforzheim, damals eine der besten Adressen in Sachen Jugendfußball, war Rapps erste Station, ehe es ihn 1994 zum Karlsruher SC zog.

Rot-Weiß Oberhausen und FC Carl-Zeiss Jena waren 2001/02 kurze Zwischenstationen. 160 Einsätze sammelte Rapp zwischen 2002 und 2007 für den SC Pfullendorf, vier Jahre war er dann in Degerloch aktiv, kam bei den Stuttgarter Kickers auf 91 Einsätze.

Dann zog es ihn wieder in die Heimat zurück zum FC Nöttingen als Spieler und Co-Trainer, ehe ihn 2013 der Ruf der TSG Hoffenheim ereilte. Bei verschiedenen Juniorenteams stellte er sein Fachwissen unter Beweis, seine eloquente und unaufgeregte Art mit Jugendlichen umzugehen, zeichnete ihn aus.

2018 holte er die Meisterschaft mit den A-Junioren in der Bundesliga Süd/Südwest, scheiterte später im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft am FC Schalke. Höhepunkt seiner bisherigen Trainerlaufbahn war im Jahre 2019 der Erwerb der Fußballlehrer-Lizenz.

Rapp schnuppert Bundesliga-Luft

Kurz stieg Rapp sogar in den Fußball-Olymp auf, als er am 9. Juni 2020 zusammen mit Co-Trainer Matthias Kaltenbach und U16-Coach Kai Herdling als Interimscoach Nachfolger des entlassenen Alfred Schreuder bei den Profis der TSG wurde. Dessen Nachfolge hat zwischenzeitlich Sebastian Hoeneß übernommen, Rapp ist wieder für die U19 zuständig.

Und dort fühlt er sich wohl, auch wenn die Arbeit mit den Talenten anspruchsvoller geworden ist als zu seiner Jugendzeit. Er weiß, wovon er spricht, schließlich hatte er als Spieler bei 13 Einsätzen mit der DFB-U21 bei Welt- und Europameisterschaften sogar einen Treffer erzielt. Den EM-Titel gegen Irland verpasste er nur hauchdünn.

Ein besonderer Höhepunkt war die WM 1999 in Nigeria. Zwar war man als Gruppenletzter gescheitert, aber immerhin konnte man sich mit späteren Fußballstars wie Ronaldinho (Brasilien), Roque Santa Cruz (Paraguay) oder Robbie Keane (Irland) messen. Im deutschen Tor stand seinerzeit der Stuttgarter Timo Hildebrand, der als einziger den Sprung in die A-Nationalmannschaft schaffte.

Interessant waren besonders die Begegnungen rund um die WM. „Wir wurden ständig von Deutschen eingeladen, die in Nigeria lebten. Aber deshalb haben wir nicht so schwach abgeschnitten“, sagte Rapp und schmunzelte.

Wir waren damals blutige Amateure, das war eine ganz andere Welt.
Marcel Rapp, U19-Coach der TSG Hoffenheim

Wenn er einen Vergleich zu seiner Junioren-Laufbahn zieht, dann stellt Rapp heute fest: „Wir waren damals blutige Amateure, das war eine ganz andere Welt. Heute ist alles profihafter, die Jungs wollen etwas aus sich machen und geben auch alles dafür, um ihre Ziele zu erreichen“, sagt Rapp, der seine Schützlinge auf ihrem Weg begleiten will.

Als Cheftrainer hat er das letzte Wort und will auch alles daran setzen, ein Vorbild zu sein. Und das ist nicht immer einfach, denn die Talente kommen aus aller Herren Länder: aus Belgien, den Niederlanden und sogar aus Australien.

Coach gewährt zum Abschluss Einblicke

Am Ende der Runde gab Rapp noch interessante Einblicke. Auf die Frage von Dirk Steiner, wer der beste deutsche Fußballspieler gewesen sei, nannte er Sebastian Deisler. Auch die Antwort zum Trainer überrascht, zeugt aber gleichzeitig von Rapps Bodenständigkeit. Denn neben Bundestrainer Joachim Löw, der beim KSC sein Talent erkannt hatte, hob er den badischen Auswahltrainer Helmut Kafka hervor, der dieser Tage 80 Jahre alt geworden ist.

Ganz ohne Kirchberg wollte er Ersingen nicht verlassen. Im Vereinsheim, mit Blick auf den altehrwürdigen Hartplatz, wurden mit den Kumpels Rosario und Michelle Guarneri, Michael Reiling und Jörg „Spitzer“ Breunig Erinnerungen ausgetauscht.

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