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Hallensport in Pandemie-Zeiten

Online-Tickets und Einbahnstraßen: Wie die Vereine in Baden Corona-Vorgaben umsetzen

Online-Tickets, abgeklebte Laufwege, viel Platz auf den Tribünen: Im Hallensport müssen die Vereine viele Vorgaben beachten. Viele Clubs werden das auch in ihrer Kasse spüren.

Laufen nach Pfeilen: Der Verkehr im Eingangsbereich der Sporthalle des TSV Rintheim ist klar geregelt. Foto: Foto: Helge Prang/GES

Auf die richtigen Laufwege kommt es dieser Saison nicht nur auf den Spielfeldern an. Sondern in besonderen Maße auch abseits davon. Nicht nur beim Handball-Verbandsligisten HSG Ettlingen/Bruchhausen weisen in der Franz-Kühn-Halle Pfeile und andere Markierungen den Zuschauern den richtigen Weg. Oder besser: den coronakonformen Weg.

Getrennte Ein- und Ausgänge, Einbahnstraßen-Systeme am Getränke-Stand und viel Platz zum Sitznachbar: Der nötige Abstand von mindestens 1,50 Metern ist auch in den Sporthallen das Gebot der Stunde. Für die Clubs bedeutet der Spielbetrieb in Pandemie-Zeiten einen „immensen Aufwand“, wie HSG-Vorstand Joachim Rutschmann stellvertretend festhält. Und die Hygieneverordnungen bedeuten für die Vereine, die Hallensportarten anbieten, teils spürbare Einnahmeverluste.

Das tut richtig, richtig weh
Martin Wernrer / Manager ASV Grünwettersbach

Weniger Besucher, vielerorts ein eingeschränktes Angebot an Speisen und Getränken – das bekommen die Clubs in den Kassen zu spüren. Statt 450 Zuschauern kann Tischtennis-Bundesligist ASV Grünwettersbach am Sonntag (15 Uhr) beim Duell mit Rekordmeister Borussia Düsseldorf gerade mal 160 Zuschauer begrüßen. „Das tut richtig, richtig weh“, sagt ASV-Manager Martin Werner mit Blick auf die karge Kulisse beim Top-Spiel und die Mindereinnahmen in diesem und den nächsten Spielen.

Bei der HSG Ettlingen/Bruchhausen, deren Verbandsliga-Männer am Sonntag (18 Uhr) gegen die SG Odenheim/Unteröwisheim ihr erstes Heimspiel bestreiten, gibt es außer Getränken nur Brezeln sowie Brötchen. Kein selbstgemachter Kuchen – üblicherweise ein Renner. Und zudem weiteres Geld, was fehlt: Allein die Kosten für Schiedsrichter liegen für die zwei Verbandsliga-Teams der HSG pro Spieltag bei 360 Euro. Bei den Drittliga-Volleyballerinnen des SV KA-Beiertheim gibt es nur Getränke aus Flaschen, Männer-Zweitligist Baden-Volleys verzichtet aufgrund der Auflagen ebenfalls auf den gewohnten Verkauf. Stattdessen stehen zwei Kühlschränke mit Getränken bereit – die gibt es auf Spendenbasis.

SG Stutensee/Weingarten wartet noch auf grünes Licht

Wie die Volleys mussten alle Vereine seitenlange Hygienekonzepte erstellen, die von den örtlichen Behörden genehmigt werden müssen. Besonders viel zu tun hatte die Handball-Spielgemeinschaft Stutensee-Weingarten, die mit ihren rund 30 Teams mehrere Hallen bespielt. Die ersten Heimspieltage hat die SG verschoben. „Wir warten noch auf grünes Licht der Kommunen“, sagt der sportliche Leiter Steffen Bechtler.

Entscheidend ist bei der Zuschauer- die Abstandsfrage. Sitzreihen müssen gesperrt, Flächen abgetrennt werden – immer mit dem Ergebnis, dass das Fassungsvermögen deutlich sinkt. Anders als die Amateurfußballer, für die im Freien Veranstaltungen mit insgesamt 500 Teilnehmern genehmigt sind, spielen Handballer, Volleyballer und ab Oktober auch die Basketballer teils vor Mini-Kulissen. Die Baden Volleys etwa haben fast keinen Karten-Spielraum mehr für ihre Zweitliga-Partien in der kleinen OHG-Sporthalle.

70 Leute dürfen rein, die meisten Tickets gehen an Partner, Sponsoren, Spieler, „die zehn, 15 Restkarten werden verlost“, sagt Teammanager Alexander Burchartz. Als Ersatz gibt es für die, die draußen bleiben müssen, in Zusammenarbeit mit Sporttotal.TV kostenlose Livestreams, die offensichtlich stark angenommen werden. Beim jüngsten Heimspiel gab es insgesamt rund 900 Aufrufe. Entsprechend bauen die Volleys das Angebot aus: Künftig sollen die Spiele auch kommentiert werden, zudem sollen noch Grafiken eingebaut werden.

Ticket-Mindereinnahmen fallen nicht nur bei Baden Volleys ins Gewicht

Rund 320 Besucher begrüßten die Volleys im Schnitt in der vergangenen Saison, für die SSC-Volleyballer fällt damit ein dicker Batzen Einnahmen weg. Über die Corona-Hilfe Spitzensport vom Bund hoffen die Volleys, ein Teil der Ticket-Mindereinnahmen ersetzt zu bekommen. Weiteres Manko: In der OHG-Halle sind die Ränge nicht nummeriert, mit ausgelegten Sitzkissen werden die Plätze aktuell markiert. „Bei fester Nummerierung könnten vielleicht 100 Leute rein“, sagt Burchartz. Möglicherweise könne dies zeitnah umgesetzt werden.

Unterschiedlich verfahren die Clubs in Sachen Tickets. Der TV Knielingen hat für seine Spiele der der Badenliga-Handballer und seiner Landesliga-Frauen einen Online-Ticket-Shop eingerichtet, beim SV KA-Beiertheim kann und soll man sich vorab per Mail registrieren. Beim Volleyball-Drittligisten TSG Blankenloch, der an diesem Samstag (16 Uhr) den TV Feldkirchen empfängt, wird ebenfalls eine Online-Registrierung erbeten.

Beim ASV Grünwettersbach bleiben die Tageskassen geschlossen

Beim ASV Grünwettersbach bleiben die Tageskassen geschlossen, der Vorverkauf läuft über das Ticketportal reservix. Und bei der HSG Ettlingen/Bruchhausen, die in der Franz-Kühn-Halle statt maximal 900 nun unter 200 Besucher empfangen kann, ist eine Vorab-Registrierung per App möglich. Egal wie: Jeder Zuschauer muss mit Kontaktdaten erfasst werden, auch das ist eine zusätzliche Arbeit für die Vereine. Hinzu kommen noch die Auflagen für den Spielbetrieb, wie im Tischtennis zum Beispiel das Desinfizieren der Bälle nach jedem Satz.

Viele Clubs erhöhen auch die Zahl ihrer ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer an Spieltagen, die Daten erfassen und die darauf achten, dass es an Eingängen oder Versorgungsständen keine Staus gibt und dass die Regeln eingehalten werden. „Wir haben fünf, sechs zusätzliche Corona-Ordner“, sagt HSG-Vorstand Rutschmann.

Und, klar: Auch ohne Mund-Nase-Schutz läuft nichts. Der ist überall obligatorisch, Unterschiede gibt es allein bei der Am-Platz-Regelung. So müssen die wenigen Zuschauer bei den Baden Volleys zum Beispiel die Maske während der ganzen Zeit tragen, meistens gilt aber: Sitzen darf man „oben ohne“ – laufen nur mit.

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