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Coup in Italien

Turniersiegerin Sina Herrmann aus Karlsruhe: Als Letzte rein, als Letzte raus

Die 18 Jahre alte Tennisspielerin Sina Herrmann rutschte beim ITF-Turnier in Grado von der Warteliste noch ins Qualifikationsfeld - dann marschierte die Karlsruherin bis zum Turniersieg durch.

Kraftvoller Durchmarsch: Sina Herrmann spielte im italienischen Grado erstmals ein Turnier der 25.000-Dollar-Kategorie - und feierte völlig überraschend ihren ersten großen Sieg auf der ITF-Serie. Foto: pr/ITF-Turnier Grado

Als sich Sina Herrmann vor gut anderthalb Wochen zusammen mit ihren Eltern im Wohnmobil aufmachte in Richtung norditalienische Adria-Küste, da hatte die Karlsruherin ihre Tennisschläger natürlich mit im Gepäck. Aber keine allzu großen Hoffnungen. Herrmann hatte sich eher auf ein paar Strandtage eingerichtet.

„Ich war ja nicht mal in der Qualifikation drin“, sagt die 18-Jährige, die beim ITF-Turnier in Grado also auf Absagen hoffen musste und vor allem deswegen hingefahren war, weil die Familie die Fahrt mit ein paar Urlaubstagen verbinden wollte. Nach bangem Warten vor dem Anmeldezelt kam dann aber die frohe Kunde: Herrmann durfte aufschlagen. „Ich bin die Letzte, die reingekommen ist“, sagt die Spielerin des SSC Karlsruhe. Und Herrmann war die Letzte, die rausgegangen ist. Als Turniersiegerin.

Sieben Matches, sieben Siege

Als Herrmann am Sonntag schließlich auch ihr siebtes Match in sieben Tagen gewonnen hatte, 6:4, 7:5 gegen die klar favorisierte Lara Salden (Belgien), da hatte sie nur noch die Kraft, kurz die Arme hochzureißen und sich in die ihrer Eltern zu schmeißen. „Ich bin ein bisschen zusammengebrochen, mir kamen die Tränen“, sagt Herrmann im Rückblick auf ihren bislang größten Tennis-Moment, den sie auch nach ihrer Rückkehr „noch nicht so richtig realisiert“ und der sie „einfach glücklich“ gemacht hat.

Seit 2017 spielt Herrmann ITF-Turniere, die das erste Einstiegs-Tor in die große Tennis-Welt sind. Bislang schlug Herrmann bei Turnieren mit 15.000 Dollar Preisgeld auf, das in Grado war ihr erstes der 25.000-Dollar-Kategorie. „Das ist noch mal eine ganze Stufe höher“, stellt Herrmann fest. Aufzuhalten war die Regionalliga-Spielerin des SSC dennoch von niemandem. Keinen Satz gab sie ab und auch die an Nummer drei gesetzte Dalla Jakupovic aus Slowenien konnte Herrman im Viertelfinale nicht stoppen. Jakupovic, das nur zur Einordnung, schlug nun übrigens gerade bei der Qualifikation für die French Open auf, scheiterte dort aber am Mittwoch.

Arbeit im mentalen Bereich zahlt sich aus

Anders als bei ihrer misslungenen ITF-Final-Premiere im Vorjahr im niederländischen Haren präsentierte sich Herrmann nun in Grado gegen Salden, die Nummer 270 der Welt, auch mental stark. „Ich habe nicht so viel nachgedacht, um jeden Punkt gekämpft und in den entscheidenden Momenten die richtige Entscheidung getroffen“, berichtet sie über ihren Coup. Zusammen mit ihrem Trainer Christian Krismeyer, der wegen der Einschulung seines Sohnes den Triumphzug nur aus der Ferne verfolgen konnte, habe sie zuletzt verstärkt im mentalen Bereich gearbeitet, das zahlte sich nun aus.

„Ich habe gelernt, dass man Fehler akzeptieren, analysieren und gleich beim nächsten Schlag verbessern muss. Und dabei immer positiv denken muss, egal, wie es gerade läuft“, stellt sie fest. Mit ihrem Final-Auftritt sei sie nicht ganz zufrieden. „Ich habe meine Schläge schon besser gefühlt“, sagt Herrmann, die sich nach dem Abi dieses Jahr vorerst nur auf Tennis fokussiert.

Herrmann wird einen Satz nach vorne machen in der Weltrangliste

Das freilich spielte im Moment des Erfolgs keine Rolle. „Wir sind abends noch schön essen gegangen und haben gefeiert“, erzählt Herrmann. Und auf der Rückfahrt am Montag hatte die frischgebackene Turniersiegerin auch genügend Zeit, die vielen Nachrichten zu beantworten. Schon am Dienstagabend stand Herrmann wieder auf dem Trainingsplatz. Unklar war wegen der aktuellen Corona-Entwicklung noch, ob sie am Wochenende zum nächsten Turnier in die Nähe von Lyon fährt.

So oder so wird der Montag der nächste Freudentag: In der neuen Weltrangliste, in der Herrmann noch auf Platz 873 steht, wird sie einen gehörigen Satz nach vorne in den 500er-Bereich machen. „Das erleichtert es mir, in die größeren Turniere reinzukommen“, spricht Herrmann von „einem großen Plus“ durch den Sieg in Grado, wo Herrmann am Montag zumindest für einen Tag noch an den Strand konnte. „Es war ein schöner Urlaub“, sagt Sina Herrmann glücklich.

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