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Sportschützen-Bundesliga

Waffenruhe statt Adrenalinkick: KKS Hambrücken kritisiert Saison-Absage

Die Sportschützen haben sich mehrheitlich gegen eine Bundesliga-Saison ausgesprochen. Der SSV Kronau findet die Absage richtig, der KKS Hambrücken hat dafür kein Verständnis.

Gut in Schuss: Larissa Weindorf vom SSV Kronau hat das Turnier für den Perspektivkader gewonnen. In der Bundesliga wird die 19-Jährige nicht zum Gewehr greifen können, weil die Saison abgesagt wurde. Foto: Jochen Blum

Die Zimmer im Hotel waren schon bestellt, ein Tisch für acht Personen war auch reserviert, für ein aufregendes Wochenende in München war alles angerichtet.

Am Samstag hätten die Luftgewehrschützen des SSV Kronau auf der Schießstätte Allach ihren ersten Bundesliga-Wettkampf gegen den SV Niederlauterbach bestreiten sollen, am Sonntag wäre es laut Terminplan in München noch zum Derby des SSV mit dem KKS Königsbach gekommen. Doch damit wird es nichts, weil sich der Ligaausschuss der Ersten und Zweiten Bundesliga in der vergangenen Woche mit 10:5-Stimmen wegen Corona für die Saison-Absage aussprach.

Auch die Luftpistolenschützen des KKS Hambrücken, die in die Zweite Liga abgestiegen waren, müssen ihre Waffen am übernächsten Wochenende und allen weiteren Terminen im Schrank lassen. Sehr zum Unverständnis des Sportlichen Leiters Karl-Heinz Heil: „Wir hätten gerne geschossen, denn wir sind eine kontaktlose Sportart, und von Zuschauern werden wir auch nicht überrannt. Das ist ein Signal in die falsche Richtung und gerade für die Nachwuchssportler ganz schlecht.“

Aufwendiges Hygienekonzept

Schweren Herzens hatte dagegen Kurt Hillenbrand für die Absage gestimmt. „Wir hätten geschossen, aber mit einem unguten Gefühl“, sagt der Kronauer Trainer und begründet sein Votum mit dem aufwendigen Hygienekonzept, das die Vereine hätten erfüllen müssen, und nicht zuletzt dem Verantwortungsbewusstsein für die Schützen und deren Familien: „In einer Halle ist die Ansteckungsgefahr relativ groß.“

Maren Prediger vom SV Petersaurach, Athletensprecherin der Bundesliga Luftgewehr Süd, erklärte im Interview auf dsb.de: „Es war die schwerste sportliche Entscheidung, die dieses Jahr gefallen ist. Ich merke selbst, dass ich zwiegespalten bin.“

Prediger habe großes Verständnis für beide Seiten. Viele Schützen wollen schießen, keiner wolle seinem Team und seinem Verein etwas Schlechtes tun. „Wir müssen aber unsere Sportler schützen und dürfen sie nicht zwingen, gegen ihren eigentlichen Willen und mit einem schlechten Gefühl an den Stand zu gehen. Wir lieben alle den Schießsport und sind kreative Menschen und müssen deshalb das Beste daraus machen“, sagte Prediger.

Ausländische Schützen hätten nicht starten können

Aus gesundheitlichen Erwägungen sei die Absage „erforderlich“ gewesen, betont auch Hillenbrand. Aus sportlicher Sicht hätten sich natürlich alle den Wettkampf gewünscht. „Die Schützen wollen den Adrenalinkick“, weiß der frühere Olympiateilnehmer, der die Situation der ausländischen Bundesligaschützen als weiteren Punkt anführt, der gegen die Durchführung sprach.

Zwei US-Amerikaner (Sarah Beard, Dempster Christenson) und ein Norweger (Simon Claussen) stehen im Kronauer Kader. In Norwegen gilt Deutschland aber als Risikogebiet. „Die Ausländer hätten nicht schießen können.“ Mit zwei Männern (Max Braun, Colin Fix) und drei Frauen (Larissa Weindorf, Lana Wurster, Cora-Heidi Vonthron) wäre der SSV deshalb in München angetreten. „Mit einem Altersschnitt von 19 Jahren hätten wir die jüngste Mannschaft in der Bundesliga überhaupt gestellt“, sagt Hillenbrand.

Welche Schwierigkeiten auf die Schützen womöglich zugekommen wären, hat Lana Wurster am eigenen Leib erfahren. Beim letzten Ranglistenturnier zur Sichtung des Perspektivkaders vom 25. bis 27. September auf der Olympia-Anlage in München konnte die 18-Jährige zum letzten Wettkampf nicht mehr antreten, weil sie sich am Vortag bei nur sieben Grad Außentemperatur erkältet und auch einen Husten eingefangen hatte. Aus Bedenken, sich womöglich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, blieb sie dem Finale fern, weshalb sie in der Endabrechnung auch nur auf Platz 22 landete.

Larissa Weindorf übertrifft den offiziellen Weltrekord

Hätte Lana Wurster den letzten Wettkampf schießen können, wäre sie in der Gesamtwertung Zweite geworden - und hätte den Kronauer Doppeltriumph perfekt gemacht. Denn Vereinskameradin Larissa Weindorf sicherte sich Platz eins - und schoss mit dem inoffiziellen Juniorinnen-Weltrekord von 1.181 Ringen im Olympischen Dreistellungskampf den Vogel ab. Bei Wind und eben großer Kühle lag die Junioren-Vizeeuropameisterin einen Ring über der Bestmarke, die sie am Schlusstag zudem noch einmal einstellte. Doch weil es sich bei der Veranstaltung um keinen offiziellen Wettkampf handelte, kann die Leistung nicht als Weltrekord gewertet werden.

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