Abstiegskampf
Die Schalker Alessandro Schöpf, Weston McKennie und Amine Harit (l-r) sind nach dem 0:3 konsterniert. | Foto: Uwe Anspach

Nach neuen Pleiten

Schalke und Leverkusen plötzlich im Abstiegskampf

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Düsseldorf (dpa) – Von den internationalen Startplätzen sind sie Lichtjahre entfernt, den Abstiegsplätzen bedrohlich nahe: Die beiden ambitionierten Westclubs Bayer Leverkusen und Schalke 04 laufen nach ihren 0:3-Niederlagen am Sonntag ihren großen Zielen weit hinterher.

Lediglich in den Pokalwettbewerben liegen beide im Soll. «Wir sind uns der Lage bewusst, aber nicht seit heute, sondern schon seit geraumer Zeit», sagte Schalkes Trainer Domenico Tedesco nach dem 0:3 bei Eintracht Frankfurt. «Das Problem ist, dass wir zum Auftakt fünf Niederlagen hatten. Das wird uns tabellarisch noch lange weh tut.»

Der Champions-League-Teilnehmer aus Gelsenkirchen hat nach sieben Niederlagen in elf Ligaspielen nur einen Punkt Vorsprung auf den Relegationsplatz. Nur einen Zähler besser steht Bayer Leverkusen auf Rang 13 da. Die 0:3-Pleite in Leipzig war die zweite heftige Niederlage nach dem 1:4 gegen Hoffenheim, zuvor gab es beim 5:0 im DFB-Pokal gegen Mönchengladbach und dem 6:2-Sieg in Bremen Galaauftritte. «Diese Achterbahnfahrt haben wir jetzt die ganze Zeit. Bisher haben wir die Kurve immer zur rechten Zeit bekommen», meinte Bayer-Coach Heiko Herrlich.

Die Gelegenheit dazu bietet sich dem Werksclub mit seinem Trainer weiterhin. «Wir haben die Qualität und einen Trainer, der bis Weihnachten noch richtig punkten kann», sagte Sport-Geschäftsführer Rudi Völler am Montag.

Die Probleme beider Teams, die normalerweise zu den internationalen Dauerstartern zählen, lassen sich schon mit Zahlen einfach erklären. Die Schalker erzielten in bislang elf Bundesligaspielen nur acht Treffer, das ist gemeinsam mit Schlusslicht VfB Stuttgart der schlechteste Ligawert. Bei Leverkusen ist es die Defensive: Bayers 24 Gegentreffer werden nur vom Tabellen-17. Fortuna Düsseldorf übertroffen.

Beide jungen Trainer genießen bislang noch Rückendeckung in ihren Clubs. Tedesco überstand fünf Niederlagen zum Saisonstart, Herrlich, über den schon heftiger diskutiert wurde, schaffte es immer wieder mit kleinen Erfolgserlebnissen zwischendurch. Der Schalker Coach wird vorerst in Ruhe weiter arbeiten können. Er sehe auch nicht, dass die Stimmung kippt, meinte Tedesco. «Aber es ist legitim, es ist völlig in Ordnung, wenn die Fans nach einem 0:3 auch mal kritisch sind. Wir dürfen nicht nur das Ergebnis im Kopf haben.»

In Leverkusen ist die Situation etwas angespannter, weil die Problematik bei der Werkself auch an der Einstellung liegt. Doch auch unter dem Bayer-Kreuz wird der Coach weiter arbeiten. Niemand beschrieb die Situation besser als Kevin Volland: «Es war heute kein Spieler von uns auf dem Platz, der das Gefühl hatte, dass er vom Nebenmann Hilfe bekommt», sagte der Nationalspieler nach der Niederlage am Sonntag. Die Aussagen gefielen Völler überhaupt nicht: «Es ist nicht so, dass die, die am lautesten schreien, aus der Nummer raus sind.»

Beide Teams hoffen auf die Pokalwettbewerbe. Schalke kann im DFB-Pokal mit einem Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf ins Viertelfinale einziehen, Leverkusen mit einem Sieg in Heidenheim. In der Champions League benötigt der Revierclub noch einen Sieg zum Einzug in die nächste Runde, die Leverkusen in der Europa League bereits erreicht hat.

Vor der internationalen Kür steht für beide Teams nach der Länderspielpause aber die Pflicht, im Abstiegskampf zu punkten. Da trifft Bayer dann auf den Letzten VfB Stuttgart und Schalke auf den Tabellen-15., den 1. FC Nürnberg. Vier derzeitige Abstiegskandidaten sind dann unter sich.