NFL-Skandal
Myles Garrett (l) schlug mit dem Helm seines Gegenspielers zu. | Foto: Ron Schwane/AP/dpa

American Football

NFL-Skandal: Profi schlägt Gegner mit Helm – lange Sperre

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Cleveland (dpa) – Mit einer beispiellosen Helm-Attacke auf einen Gegenspieler hat Football-Profi Myles Garrett für einen Skandal in der NFL und Fassungslosigkeit in der US-Sportszene gesorgt.

Die Liga reagierte mit einer beispiellosen Sperre bis mindestens zum Saisonende, wie sie bekanntgab. «Das ist das Schlimmste, was ich je gesehen habe», sagte TV-Kommentator Joe Buck, Ex-Profi und Experte Troy Aikman meinte: «Mir fehlen die Worte.» Quarterback-Star Patrick Mahomes twitterte vor dem Fernseher: «Ich kann nicht glauben, was da passiert ist.»

Abwehrspieler Garrett von den Cleveland Browns hatte Mason Rudolph von den Pittsburgh Steelers am 14. November Sekunden vor Ende der Partie niedergerungen. Noch auf dem Boden griff er dem Quarterback der Gäste an das Gesichtsvisier und rüttelte heftig daran. Schnell war der Helm vom Kopf gerissen, beide Spieler standen jetzt wieder, und als Rudolph erzürnt auf Garrett zustürmte, holte dieser aus, schlug mit dem Helm zu und traf Rudolph am Kopf.

Die NFL verhängte gegen Garrett die längste Strafe für eine Aktion eines Spielers in ihrer Geschichte. Wann er wieder auflaufen darf, ist ungewiss. Bevor er wieder zum Einsatz kommt, steht auf jeden Fall ein Gespräch beim Ligachef an. «Unnötige Grobheit» und einen Verstoß gegen sportliches Verhalten warf ihm die Liga vor. Er habe den Helm «als Waffe benutzt».

Garrett bat über die Clubmedien um Entschuldigung und teilte mit: «In der vergangenen Nacht habe ich einen schrecklichen Fehler gemacht. Ich weiß, dass ich für all meine Taten verantwortlich bin und kann meinen wahren Charakter nur durch mein Handeln in der Zukunft beweisen.»

Steelers-Center Maurkice Pouncey wurde für drei Spiele gesperrt, weil er Garrett getreten und geschlagen hatte. Dessen Mitspieler Larry Ogunjobi muss zudem eine Partie pausieren, weil er Rudolph im Getümmel zu Boden gerissen hatte. Beide Vereine müssen zudem je 250.000 Dollar Strafe zahlen.

Der Pittsburgh-Spielmacher blieb bei der Attacke unversehrt; dabei wiegt ein Helm zwischen eineinhalb und zweieinhalb Kilogramm. «Er hätte ihn töten können. Was, wenn er ihn an der Schläfe trifft?», schimpfte Pouncey. «Das ist unverzeihlich», sagte sogar Garretts Quarterback-Teamkollege Baker Mayfield.

«Ich habe die Ruhe verloren und das bereue ich», meinte Garrett. Rudolph, dessen mäßige Leistung mit einem Touchdown-Pass und vier Interceptions ebenso in den Hintergrund rückte wie der 21:7-Sieg von Garretts Browns, sprach von einer «ziemlich feigen» und «ziemlich hinterwäldlerischen» Attacke.

«Das ist absolut verrückt und geht über alles hinaus, was ich je gesehen habe», sagte Mike Pereira, der langjährige NFL-Schiedsrichterchef und heutige Regel-Experte des Senders Fox. Selbst Garretts Teamkollege, der Wide-Receiver-Star Odell Beckham Jr., sagte über die Aktion: «Das ist hässlich. Das ist etwas, was wir in der NFL nicht haben wollen.»

Der Verteidiger, 2017 noch Nummer 1 bei der Talentevergabe (Draft), erhielt eine Rekordstrafe. 2006 war Albert Haynesworth (Tennessee Titans) für fünf Spiele gesperrt worden, weil er einem auf dem Boden liegenden Gegenspieler auf den Kopf stieg, nachdem dieser den Helm verloren hatte. Das war zuvor die längste Sperre der NFL-Historie für ein einzelnes Vergehen auf dem Feld. Oaklands Vontaze Burfict wurde Ende September wegen eines Fouls für den Rest der Saison und damit zwölf Spiele gesperrt; für das Strafmaß wurden allerdings vorherige Vergehen mit eingerechnet.