Fußball-Oberligasaison 1987-88: Die Mannschaft des neunfachen DDR-Meisters BFC Dynamo. Hintere Reihe, dritter von links: Burkhard Reich.
Fußball-Oberligasaison 1987-88: Die Mannschaft des neunfachen DDR-Meisters BFC Dynamo. Hintere Reihe, dritter von links: Burkhard Reich. | Foto: Oberst, Klaus/Wikimedia

30 Jahre Mauerfall

So hat KSC-Teammanager Burkhard Reich die Wende erlebt

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Der 9. November 1989 geht als ein ganz besonderer Tag in die deutsche Geschichte ein. Mit dem Fall der Mauer wird der Wiedervereinigung von West- und Ostdeutschland der Weg bereitet. Fast jeder weiß, was er an diesem Tag vor 30 Jahren gemacht hat. Auch Burkhard Reich. Der KSC-Teammanager erlebte die Wende als Fußballer in der DDR.

„Dass sich was ändern würde, das war klar. Wir hofften auf weniger Abkapselung und auf eine freiheitlichere Gesellschaft. Aber dass tatsächlich die Grenzen aufgehen und dass dann auch die Mauer fallen würde, das hat trotz der Montagsdemos niemand in meinem Umfeld geglaubt. Ich selbst auch nicht.

Am 9. November 1989 bereitete ich mich mit der Nationalmannschaft der DDR in Leipzig auf unser entscheidendes Qualifikationsspiel zur WM 1990 gegen Österreich vor. Wir waren mit einigen Spielern in der Stadt unterwegs.

Manfred Burgsmüller (Werder Bremen) trifft am 11. Oktober 1988 zum 4:0 gegen den Stasi-Club BFC Dynamo Berlin von Burkhard Reich (rechts).
Manfred Burgsmüller (Werder Bremen) trifft am 11. Oktober 1988 zum 4:0 gegen den Stasi-Club BFC Dynamo Berlin von Burkhard Reich (rechts). | Foto: imago/Schumann

Als wir zur Sportschule zurückkamen, sprang uns schon der Ulf Kirsten entgegen. Er hatte die Glotze laufen, so alles verfolgt und erzählte aufgeregt, dass die Grenzen auf seien. Keiner von uns wollte das glauben. Danach hat sich so gut wie nichts mehr ums Spiel gedreht.

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Gehen nun alle in die Bundesliga?

Es gab andere Fragen: Was passiert mit uns? Gehen nun alle in die Bundesliga? Wahnsinn war das. Ich spielte ja beim Stasi-Club BFC Dynamo und war skeptisch, ob ich auf dem Niveau der Bundesliga dauerhaft mithalten könnte.

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Ein Andreas Thom, ein Thomas Doll – klar. Das waren die alle Vorteile genießenden Stars bei uns drüben. Thom ist gleich im Januar weg. Die Top-Leute wie Ernst, Doll, Rhode, Sammer, Kirsten folgten 1990. Die zweite Reihe wie Bonan, Herzog und ich erst ein Jahr später.

Das Interesse war ja da. Ich wechselte schließlich in einer Art Nacht- und Nebelaktion zum Karlsruher SC und habe erst dort einen richtigen Teamgeist im Fußball erlebt. Der Unterschied von Ost-Berlin zu Karlsruhe war auch im zwischenmenschlichen Bereich immens.“

Zur Person:
Burkhard Reich ist Teammanager des Karlsruher SC, das Fußballspielen lernte er einst bei der SG Dynamo Fürstenwalde, besuchte dann die Nachwuchsschule des BFC Dynamo. Er bestritt sechs Länderspiele für die DDR. 1991 wechselte er zum KSC und absolvierte 200 Bundesligapartien für die Blau-Weißen.

BNN