Zufrieden
Trotz Kantersieg weiter Trainerdiskussion bei den Leverkusenern: Trainer Heiko Herrlich (r) freut sich nach dem Spiel mit Co-Trainer Xaver Zembrod. | Foto: Carmen Jaspersen

Trotz 6:2-Sieg in Bremen

Bei Leverkusen weiter Unruhe um Herrlich – Völler: «Sauerei»

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Bremen (dpa) – Heiko Herrlich sah nicht so aus, als sei ihm gerade einer der wichtigsten Siege in seiner Zeit als Trainer von Bayer Leverkusen gelungen.

6:2 bei Werder Bremen, dem Team der Stunde, das daheim seit einem Jahr nicht mehr verloren hatte – Herrlich hätte lachend und feixend durch das Weserstadion laufen können. Hatte er es doch allen Kritikern gezeigt und seinen Job bei den bislang so sehr hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Rheinländern gesichert. Oder doch nicht?

Unmittelbar nach Spielende machten am Sonntagabend Spekulationen die Runde, Herrlich stünde bei Bayer trotz des Kantersieges weiter auf der Kippe. Der Pay-TV-Sender Sky streute dieses Gerücht, bohrte auch im Interview mit Herrlich immer wieder nach, ob dieser glaube, jetzt fester im Sattel zu sitzen.

Eine Vorgehensweise, die Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler so sauer machte, dass er zu einer seiner berühmten Wutreden ansetzte. Eigentlich hatte Völler den befreienden Sieg an seiner alten Wirkungsstätte, wo er von 1982 bis 1987 gespielt hatte, einfach genießen wollen. Doch als er von den Spekulationen um Herrlich hörte, platzte ihm der Kragen. «Bei allem Respekt, dass man kritische Frage stellen muss. Aber ich finde es unsäglich, wie ein Mann, der gerade 6:2 gewonnen hat, mit einer überragenden taktischen Leistung und mit tollem Fußball, in der Sendung so vorgeführt wird. Das ist unglaublich für mich», schimpfte Völler über die Berichterstattung.

Und einmal in Fahrt, legte der 58-Jährige nach. «Ich kann es nicht mehr hören. Dass nach acht Spieltagen, die nicht gut gelaufen sind, Gegenwind kommt, ist normal. Damit müssen und können wir umgehen. Aber dass dann Dinge erfunden werden, ist eine große Sauerei», ereiferte sich Völler. Herrlich werde «definitiv nicht» entlassen, sagte Völler noch und stampfte dann wütend davon.

Es passt zur aufgeladenen Situation in Leverkusen in diesen Tagen, dass selbst ein begeisternder Auswärtssieg beim Tabellendritten nicht für Ruhe sorgt. Und in der Tat warf die Konter-Show in Bremen auch die Frage auf, warum diese so exquisit besetzte Mannschaft ihr Potenzial nicht viel öfter auf den Platz bringt. Karim Bellarabi, Kevin Volland, Julian Brandt, Kai Havertz – sie alle spielten die Bremer Defensive an diesem Abend schwindelig.

«Mir geht es auch auf den Sack, dass wir immer erst in letzter Not die Kurve kriegen», räumte Brandt ein, dass er nicht erklären könne, warum Leverkusen so schlecht gestartet ist. «Ich hoffe, dass jetzt ein bisschen der Schalter umgelegt wird und wir mit etwas Verspätung anfangen, den Fußball zu spielen, den wir auch in der vergangenen Saison gespielt haben.»

Schon am Mittwoch im Westschlager bei Borussia Mönchengladbach steht der neue Bayer-Schwung auf dem Prüfstand. «Wir wollen unbedingt weiterkommen», sagte Volland vor dem Zweitrunden-Spiel im DFB-Pokal. «Die Leistung von heute ist jetzt die Messlatte.»

Und was sagte Herrlich? Der analysierte die Begegnung im Anschluss so sachlich, als sei gar nichts Besonderes passiert. Dass er am Mittwoch auf der Leverkusener Bank sitzen wird, darüber gab es nach Völlers Ansprache keine zwei Meinungen mehr. Ob er seine Position aber wirklich gefestigt hatte, daran blieben Zweifel.