Wieder ist es passiert: Die Zahl der Fahrraddiebstähle ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. In Bühl wurden 167 Fälle gegenüber 70 im Vorjahr registriert. | Foto: Friso Gentsch/dpa

Bühler Kriminalstatistik 2016

Starke Zunahme bei Fahrraddiebstählen

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Die Zahl der im Revierbereich Bühl verübten Straftaten ist im vergangenen Jahr um 8,7 Prozent auf insgesamt 2 680 Fälle gesunken. Bei der Vorstellung der Kriminalstatistik zeigten sich Revierleiter Walter Kautz und sein Stellvertreter Rolf Fritz zufrieden mit dieser Entwicklung; sie verhehlten aber nicht, dass bei einzelnen Deliktbereichen zum Teil deutlich steigende Zahlen zu registrieren gewesen seien.
Dies gelte vor allem für die Stadt Bühl. Während die Statistik in den kleineren Gemeinden keine größeren Auffälligkeiten zeige, nahmen hier die Diebstähle zu (hierunter fallen auch Einbrüche). Revierweit wurden 1081 Fälle aktenkundig, was 40,3 Prozent aller Straftaten ausmacht. In Bühl stieg die Zahl um 7,6 Prozent auf 766. Während „einfache Diebstähle“ rückläufig waren, kletterte die Zahl „erschwerter Diebstähle“ von 303 auf 402.

Drastischer Anstieg bei Fahrraddiebstählen

Diesen Anstieg begründete Kautz „fast zu 100 Prozent“ mit der Zunahme an Fahrraddiebstählen: „Das hat uns im vergangenen Jahr sehr große Probleme bereitet.“ Auf die steigenden Zahlen habe das Polizeirevier mit einem speziellen Konzept reagiert. Die zur Verfügung stehenden Daten wurden soweit möglich ausgewertet. Dass die Angaben zu den Tatzeiträumen oft nur vage blieben, habe die Ermittlungsarbeit ebenso erschwert wie der Umstand, dass die Geschädigten in vielen Fällen weder eine Rechnung noch eine Rahmennummer vorlegen konnten (weshalb aufgefundene Räder oft nicht zuzuordnen seien). Auch Beamte in Zivil wurden eingesetzt, Bahnhof und Güterstraße, die sich als Schwerpunkte herauskristallisierten, besonders in den Blick genommen. Doch auch im Bereich von Bosch und LuK seien teils hochwertige Fahrräder entwendet worden, und selbst abgeschlossene Abstellanlagen hielten die Täter nicht von ihrem Treiben ab. So ist die Zahl der Fahrraddiebstähle in Bühl allen Maßnahmen zum Trotz von 70 auf 167 gestiegen (die Aufklärungsquote lag bei neun Prozent).
„Das Problem hatten wir vor vier, fünf Jahren schon einmal, ehe es dann wieder verschwand“, sagte Kautz. Ein Trost war dies nicht, ebenso wenig der Umstand, dass die Reviere Achern und Offenburg das gleiche Problem hatten. Ein bisschen Hoffnung könnte die jüngste Entwicklung machen: Im ersten Quartal lagen die Zahlen niedriger als im Vorjahreszeitraum.

Keine Entwarnung bei Einbrüchen

Ein Problem bleiben auch die Einbrüche. Deren Zahl habe in Bühl zwar „nur“ um drei auf 56 zugenommen, „aber jeder Einbruch ist einer zu viel“, so der Revierleiter. Einbrüche hätten vor allem in der dunklen Jahreszeit Konjunktur. Die Aufklärungsquote lag bei 25 Prozent. Wichtig sei hier vor allem die Mithilfe der Bevölkerung: „Wir sind darauf angewiesen, dass verdächtige Wahrnehmungen gemeldet werden“, sagte Kautz. Er appellierte aber auch an die Hausbewohner, mit kleinen Maßnahmen das Risiko zu reduzieren, indem etwa per Zeitschaltuhr ein Licht angeschaltet werde. Die Erfahrung lehre, dass die Einbrecher sich auf Objekte konzentrierten, die völlig unbeleuchtet seien.
Ebenfalls eine leichte Zunahme habe es bei Einbrüchen in Dienst- und Büroräume gegeben. Das stehe jetzt ebenso im Fokus der Beamten wie der Fahrraddiebstahl und die Wohnungseinbrüche. Gerade bei Letzterem gibt sich Walter Kautz keinen Illusionen hin: „Das wird ein Thema bleiben.“

Meist unter dem Mittelwert

Mit zwei speziellen Zahlen ordnet die Polizei das Kriminalitätsgeschehen vergleichend ein. Der Mittelwert der Jahre 2011 bis 2015 zeigt, dass die Zahlen des Jahres 2016 in den umliegenden Gemeinden meist etwas unter dem Schnitt liegen, in Rheinmünster sogar sehr deutlich: Dort liegt der Mittelwert bei 372 Fällen, 2016 waren es 308. In Bühl dagegen ist der Mittelwert von 1 688 Fällen mit jetzt 1 770 Delikten deutlich überschritten worden. Der zweite Vergleich bezieht sich auf die „Häufigkeitszahl“: Diese rechnet die Zahl der Straftaten auf 100 000 Einwohner hoch. Hier liegt Bühl bei 6 128 – im Vergleich mit anderen Städten im Bereich des Polizeipräsidiums Offenburg der zweitniedrigste Wert, nur Gaggenau liegt noch darunter.

Mehr Körperverletzungsdelikte

Beim Blick ins Detail erkennt Walter Kautz indes einige Dinge, die ihm nicht gefallen. Neben den Wohnungseinbrüchen und der steigenden Zahl der Fahrraddiebstähle ist dies vor allem die weitere Zunahme bei den Körperverletzungsdelikten. Deren Zahl ist im vergangenen Jahr um 27 auf 264 angestiegen. Denkbar sei dabei, dass sich das Anzeigeverhalten geändert habe, dass etwa Fälle häuslicher Gewalt eher angezeigt würden als in früheren Jahren. Ebenfalls gestiegen ist der Anteil der Gewaltkriminalität (84 Fälle/2015: 67). Bei beiden Deliktbereichen spiele oftmals auch Alkohol eine Rolle. Zu den häufigsten Delikten gehören neben dem Diebstahl Vermögens- und Fälschungsdelikte. 440 Fälle wurden registriert, elf weniger als im Vorjahr.

Weniger junge Tatverdächtige

Bei den Tatverdächtigen freute sich Kautz über den Rückgang bei Kinder und Jugendlichen. Deren Zahl lag im vergangenem Jahr bei 280 gegenüber 341 im Vorjahr. Insgesamt wurden 1 131 Tatverdächtige gezählt (ohne Rebland), im Vorjahr waren es 1 323. Leicht angestiegen ist der Anteil der Nichtdeutschen unter den Tatverdächtigen (von 534 auf 547). Besorgniserregend ist das aus Sicht des Revierleiters nicht: Manches gehe hier schlicht auf einen „Lagerkoller“ in den Sammelunterkünften zurück. Oft reiche eine Kleinigkeit aus, um eine körperliche Auseinandersetzung auszulösen.