DIE IMMOBILIEN RÜCKEN NÄHER: Noch nicht für ein Baugebiet platt gemacht wurde der einzige Weinberg der Stadt Frankfurt mit seinen 1,3 Hektar, auf dem Riesling wächst. | Foto: dpa

Neue Professur in Landau

Streit um Weinberg und Windrad

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Was hat der blutige Konflikt zweier Viehhaltergruppen im Norden Kenias mit pfälzischen Winzern zu tun? Mehr als man vermuten würde. Zumindest dann, wenn die Weinbauern gerade mit einem Baulöwen im Clinch liegen, dessen Projektentwickler in der idyllischen Landschaft lieber ein profitables Feriendorf statt Weinbergen sähe. In beiden Fällen gibt es Streit. Er entzündet sich daran, dass die Ressource Land knapp, die Begehrlichkeiten der Akteure groß und ihre Interessen verschieden sind – auch wenn die hierzulande gewachsene Streitkultur die körperliche Gewalt natürlich ausschließt. Janpeter Schilling beschäftigt sich seit längerem mit den gewalttätigen Auseinandersetzungen der Turkana und Pokot in Kenia. Deren alter Streit um die Landnutzung wurde erst durch den Klimawandel verschärft. Dann entwickelte er nochmals eine ganz neue Dimension, als 2011 auf dem Land der Turkana und Pokot Erdöl gefunden wurde.

Konflikte um Landnutzung

Schilling hat untersucht, wie sich solche Ressourcen-Konflikte entwickeln, was die beteiligten Parteien antreibt und welche Lösungsmöglichkeiten denkbar sind. Sein afrikanisches „Vorleben“, auch seine Arbeit für die Nicht-Regierungs-Organisation „International Alert“ in London, die sich mit friedenssichernden Strategien beschäftigt, haben den 34-Jährigen wohl prädestiniert für seinen jetzigen Job: Seit Dezember 2016 ist der gelernte Geograf Inhaber der Klaus-Töpfer-Stiftungsjuniorprofessur für Landnutzungskonflikte an der Universität Koblenz-Landau.

Neue Stiftungs-Professur in Landau

Die neue Stiftungs-Professur soll eng mit der 2014 gegründeten Friedensakademie Rheinland-Pfalz zusammenarbeiten. Mit der neuen Stelle will die Universität ihren in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebauten Schwerpunkt in den Umweltwissenschaften mit der Konfliktforschung verbinden. „Ich sehe mich damit in einer Art Brückenfunktion“ sagt Schilling. Bezüge zum kenianischen Konfliktfeld gebe es genug. So könne er zum Beispiel dasselbe „Handwerkszeug“ nutzen: eine „akteursbasierte Konfliktanalyse“, in die auch der „sozioökonomische und politische Kontext“ einfließe, also Klimaveränderungen, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die Rechtslage und vieles mehr.
Auf zunächst drei Schwerpunkte will sich Schilling in seiner künftigen Forschung zu Ressourcenkonflikten durch die Landnutzung in Deutschland konzentrieren: Es sind dies erstens die Konflikte zwischen Windkraft und Naturschutz durch die Energiewende, zweitens die Auseinandersetzungen, die entstanden sind, seit Flüchtlinge in den Kommunen untergebracht werden, sowie drittens eben jene vielfältigen Reibungspunkte, die es gibt, seit die Rebflächen von Winzern immer stärker in den Blick von Bauprojektierern geraten.

Ergebnisse sollen in die Lehrerausbildung einfließen

„Wir wollen zunächst die Konflikte analysieren und verstehen, würden dann aber auch gerne mit allen Beteiligten nach Lösungsmöglichkeiten suchen“, so Schilling. Dabei sollen die lokalen Streitfragen auch in globale Zusammenhänge eingebettet werden, was ja gerade beim Flüchtlingsthema sinnfällig werde. Die Ergebnisse sollen dann auch in die Lehrerausbildung einfließen, die weiterhin ein Schwerpunkt der Uni Landau ist. „Frieden durch Ressourcengerechtigkeit“ soll hier der Ansatz lauten in einer Welt, die immer stärker durch den Kampf um knapper werdende Ressourcen geprägt ist.