Der Passauer Kommunikationsberater Frederik Weinert hat ein Buch über die politischen debatten in Deutschland geschrieben. Foto: pr

Politisches Buch

Süchtig nach Tabubrüchen

Das Thema Migration und ihre Folgen ist seit Monaten der Dauerbrenner in der Gesellschaft. Es befördert oder beendet Politikerkarrieren, entscheidet den Ausgang von Wahlen und weckt selbst bei politikfernen Bürgern Interesse für Debatten im Bundestag, in den Medien und den sozialen Netzwerken. Diese Debatten, stellt der Kommunikationsberater Frederik Weinert fest, werden immer schriller, schärfer im Ton. Oder wie es Weinert in seinem neuen Buch zugespitzt formuliert: „Wer die ,Asylantenkeule’ auspackt, ist Deutschlands neuer Superstar“.

Dieses Buch heißt „Die Sprache der Rechten. Wie wir täglich manipuliert werden“. In seiner provokativen und zugleich politisch neutral gehaltenen Analyse zeigt Weinert vor allem, welche Macht das gesprochene oder geschriebene Wort im gesellschaftlichen Diskurs haben kann. „Rechtspopulisten brechen ganz bewusst sprachliche Tabus und punkten damit nicht nur bei Flüchtlingsgegnern“, schreibt der Autor – und sieht vor allem das Internet als beliebteste Bühne von verbalen Schlachten. Diese seien keineswegs harmlos: Der Wortgewalt folge nicht selten physische Gewalt.

Als „schlaue Verführer“ würden die Rechtspopulisten oft diese Kämpfe für sich entscheiden, so Weinert, der vor allem die Emotionalisierung dafür verantwortlich macht. Alles, was effektvoll inszeniert sei, klicke sich in die Herzen der User: Prominente würden wie Gladiatoren durch die mediale Arena gejagt, die AfD greife zu Nazivergleichen, um die Nichtwähler für sich zu gewinnen. Je mehr unreflektierte Aufregung, desto eher würden die Rechten ihre Ziele erreichen, warnt der Experte.

Dabei analysiert er kritisch die „übertriebene“ politische Korrektheit der Politiker, mit der viele Bürger fremdeln. Auch der schwarze Humor sei ein zweischneidiges Schwert: „Über was wir Deutschen lachen dürfen, wissen die meisten schon gar nicht mehr. Man will ja keinen Ärger bekommen“. Der Autor empfiehlt hier mehr Toleranz und Gelassenheit.

Was also tun gegen den rechten Ruck? Weinert fordert dazu auf, mehr (zivilisiert) zu debattieren und intensiver zu streiten. So schütze man „diese Grundordnung, die uns seit vielen Jahrzehnten Frieden beschert“.

Frederik Weinert. „Die Sprache der Rechten. Wie wir täglich manipuliert werden“ Tektum Verlag. 336 Seiten, 19,95 Euro