Gerade lauter Güterverkehr – wie hier in Lahr – ist für viele Anwohner eine Belastung. Besonders betroffen davon sind Ballungsräume wie Karlsruhe oder Haupteisenbahnstrecken wie die Rheintalbahn.
Gerade lauter Güterverkehr – wie hier in Lahr – ist für viele Anwohner eine Belastung. Besonders betroffen davon sind Ballungsräume wie Karlsruhe oder Haupteisenbahnstrecken wie die Rheintalbahn. | Foto: Breithaupt (Archiv)

Bund befragt Betroffene

Aktionsplan erfasst Bahnlärm in der Region

Bahnlärm: Dieses Thema belastet nicht nur Menschen in der Region Karlsruhe. Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) in Bonn ermöglicht es Bürgern, Kommunen und Initiativen in Deutschland, bis zum 25. August, im Internet ihre persönliche Betroffenheit zu melden.

Dies geschieht im Rahmen des sogenannten Lärmaktionsplans für die Haupteisenbahnstrecken des Bundes. Betroffene können auf einer Homepage des EBA einen Fragebogen ausfüllen: Wie sehr fühlen Sie sich durch Schienenverkehrslärm an dem genannten Ort gestört? Sind Ihnen im Bereich des von Ihnen angegebenen Ortes Lärmminderungsmaßnahmen bekannt? Ist Ihnen aufgefallen, dass Güterzüge im Fahrbetrieb durch technische Maßnahmen am Zug in den letzten Jahren leiser geworden sind? Zudem bietet der Fragebogen die Möglichkeit, sich zu anderen Lärmquellen – wie etwa dem Straßenbahnverkehr – zu äußern.

Auswirkungen von Bahnlärm sollen geregelt werden

Nach Angaben des EBA soll in „den Gebieten, die sich bei der Kartierung als besonders belastet herausgestellt haben, die Auswirkungen von Lärm geregelt werden“. Daher soll der Aktionsplan Ziele und Strategien enthalten, um den Krach zu mindern. Um daran teilnehmen zu können, müssen sich Interessierte allerdings mit einer E-Mail-Adresse registrieren lassen.

„Wir wollen die persönlichen Eindrücke der Anwohner haben und hoffen daher auf eine rege Beteiligung“, sagte EBA-Sprecher Moritz Huckebrink. Eine Person aus Stutensee-Büchig etwa gibt an, von 18 Uhr bis sechs Uhr morgens vom Bahnlärm gestört zu werden, dieser erschwere etwa das Ein- beziehungsweise Durchschlafen.

Interesse eher gering

Rund um Karlsruhe ist das Interesse an der Befragung generell allerdings eher gering. Das ist verwunderlich, da die Fächerstadt ein Ballungsraum ist, was den Bahnlärm angeht. Nach Angaben einer speziellen Lärmkarte des Eisenbahn-Bundesamts – die bereits jetzt im Internet eingesehen werden kann – gibt es Strecken, die von mehr als 120.000 Zügen pro Jahr befahren werden und wo der Lärm laut Berechnungen mitunter bei über 75 Dezibel liegt.

Karlsruhe ist in Sachen Bahnlärm ein Ballungsraum - auch wegen des Güterbahnhofs.
Karlsruhe ist in Sachen Bahnlärm ein Ballungsraum – auch wegen des Güterbahnhofs. | Foto: Artis

Die Lautstärke eines Presslufthammers entspricht rund 80 Dezibel. Dies gilt etwa für Bereiche der Karlsruher Stadtteile Hagsfeld, Grünwinkel und Bulach.

Aber auch in Gondelsheim, Heidelberg oder im Pforzheimer Ortsteil Eutingen ist der Radau ein Thema. „Bahnlärm macht krank: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlafstörungen und Stress können Folgen sein“, erklärte Gabriele Katzmarek, SPD-Bundestagsabgeordnete im Wahlkreis Rastatt/Baden-Baden.

Auch sie hofft, dass viele Menschen konstruktiv an dem Projekt teilnehmen: „Ich bitte alle Betroffenen, sich direkt zu beteiligen, damit die einzelnen Bedürfnisse erfasst werden können.“

Lärmkartierung
Die Lärmkartierung ist ein Geodatenprojekt zur Umsetzung der EU-Umgebungslärmrichtlinie. Für die Schienenwege der Bundes-Eisenbahnen ist das EBA zuständig. Der Lärm wird gemäß den gesetzlichen Vorgaben und basierend auf den Streckendaten der Deutschen Bahn berechnet, Messungen werden nicht vorgenommen. Federführend bei diesem Projekt war das Karlsruher Softwareunternehmen Disy Informationssysteme.
Es wurden Ballungsräume mit über 100.000 Einwohnern oder Hauptstrecken mit einem Verkehrsaufkommen von über 30.000 Zügen pro Jahr erfasst. Die Karten werden alle fünf Jahre überprüft und bei Bedarf überarbeitet. Auf der Internetseite des Eisenbahn-Bundesamts können die interaktiven Ergebnisse betrachtet werden.

Verschiedene Phasen der Öffentlichkeitsbeteiligung

Anfang 2018 soll ein erster Teil des Plans veröffentlicht werden, der die Ergebnisse der Befragung zusammenfasst und bereits durchgeführte sowie geplante Maßnahmen des Bundes zur Lärmminderung im Schienenverkehr darstellt.

Anschließend gibt es nach Angaben des EBA eine zweite Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung, in denen sich Betroffene zu den Resultaten äußern können.

Keine unmittelbaren Rechtsansprüche

Diese Aussagen sollen dann bis Mitte nächsten Jahres ausgewertet und das Projekt dann fertiggestellt werden. „Der Lärmaktionsplan soll auch ein Planungsinstrument für Entscheidungsträger sein. Aus ihm ergeben sich allerdings keine unmittelbaren Rechtsansprüche“, erklärte EBA-Sprecher Huckebrink. Im Jahr 2023 soll es eine neue Überprüfung geben.

Verschiedene Maßnahmen wurden unterdessen bereits ergriffen: So gibt es an bestimmten Abschnitten Schallschutzwände – etwa in Bietigheim, Achern und Ispringen.

Bund und Land wollen in den nächsten Jahren zudem mehrere Milliarden Euro in den Ausbau der Rheintalbahn investieren – auch dort sind Lärmschutzmaßnahmen sind geplant.