Aktiv gegen Atomkraft: Eine Gruppe von Demonstranten kritisiert Forschungsprojekte am JRC. Foto: Klaus Müller

Kritik am JRC

Atomkraftgegner demonstrieren am KIT Campus Nord gegen Forschungsprojekte

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Mit einer Mahnwache haben Anti-Atomkraft-Aktivisten heute gegen ihrer Meinung nach problematische Forschungsprojekte des Joint Research Centers demonstriert. Die Einrichtung, die auf dem Gelände KIT Campus Nord angesiedelt ist, forscht demnach an neuen Reaktorsystemen.

Von Klaus Müller

Dass die Mahnwache auf dem Demo-Platz vorm KIT Nord bei Leopoldshafen – der Demobereich ist tatsächlich eingeschränkt – am Samstag und nicht an einem vielleicht publikumsstärkeren Wochentag anberaumt wurde, war durchaus die Absicht des Veranstalters. Aufgerufen zu der Mahnwache hatte die „Anti-Atom Karlsruhe“, just an dem Tag, an dem das Joint Research Center (JRC) zu einem Tag der offenen Tür einlud. Zur Erinnerung: Das JRC befindet sich zwar auf dem Gelände des KIT Campus Nord, ist aber keine KIT-Einrichtung. Es handelt sich um eine europäische Institution, in der Region bekannter unter dem Namen Institut für Transurane.

Brennstoffe für Reaktorbetrieb

Die Mahnwache und die damit verbundene Ansprache an die „Besucher“ richteten sich gegen Forschungsbereiche im JRC. In der Einrichtung soll laut Harry Block von der Anti-Atom Karlsruhe an neuen Reaktorsystemen und hierbei vor allem an den dafür notwendigen Brennstoffen geforscht werden. Es handelt sich dabei um Flüssigsalzreaktoren.

Beteiligt an der Forschung, so jedenfalls die Auffassung der Gegner dieses Unterfangens, sei auch das KIT, das Karlsruher Institut für Technologie: „Wir stellen uns klar dagegen (gegen diese Forschung) und wollen nicht, dass in Karlsruhe und in der EU weiter an diesen neuen Reaktorsystemen geforscht wird. Nach dem Atomausstieg ist dies kaum vermittelbar, auch wenn sie ‚Sicherheitsforschung‘ genannt wird.“

Hochradioaktive Stoffe kommen zum Einsatz

Besonders der Umstand, dass in Deutschland und schwerpunktmäßig im Raum Karlsruhe an der Atom-Energie-Zukunft gearbeitet wird, sorgt für viel Ärger und Verdruss bei den Anti-Atom-Aktivisten. Warum überhaupt Deutschland? Eben das Land in der EU, das den Atomausstieg längst beschlossen habe? Ohne die Brennstoffforschung am JRC – nach außen kommuniziert als „sicherheitsrelevante Fragestellungen“ – wären die neuen Reaktortypen nicht möglich, so der Tenor bei der Mahnwache. Zudem: Die Forschung sei nur mit „hochradioaktiven Stoffen“ (zum Beispiel Plutonium) machbar; Material, das angeliefert und verarbeitet werden müsse. Die rund zweistündige Mahnwache, wohlgemerkt nicht verstanden als Demostration, lief ohne Zwischenfälle ab.