Der Auerhahn ist in Deutschland vom Aussterben bedroht. | Foto: dpa

Balztoller Hahn

Toter Auerhahn im Schwarzwald: Experte erklärt den Vorfall

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Die Nachricht des getöteten Auerhahns in Titisee-Neustadt im Schwarzwald schlägt Wellen: Inzwischen berichtete auch die US-amerikanische Zeitung New York Times über den Vorfall. In Deutschland ist das Auerhuhn vom Aussterben bedroht. Experte Marc Förschler vom Nationalpark Schwarzwald erklärt, wie es zu dem Vorfall gekommen ist – und wie sich die beiden Männer richtig verhalten hätten.

Die Nachricht sorgt auch nach zwei Tagen noch für Aufregung: Im Schwarzwald bei Titisee-Neustadt haben zwei betrunkene Männer im Wald einen Auerhahn mit einer Flasche erschlagen. In Deutschland sind die seltenen Vögel streng geschützt. Die Polizei ermittelt, den Männer drohen bis zu drei Jahre Haft. Nach dem tödlichen Angriff sollen wütende Passanten die beiden Männer angegriffen und mit Bier überschüttet haben. Die Polizei sucht inzwischen nach Videobeweisen, die Licht ins Dunkel bringen sollen.

Die Nachricht des Vorfalls schwappte sogar über den großen Teich: Die renommierte New York Times berichtete über das Tier – und erklärte den Amerikanern nebenbei, was ein Auerhuhn eigentlich ist.

Das Auerhuhn ist der größte Hühnervogel Europas – die Hähne werden etwa einen Meter groß und bis zu fünf Kilo schwer. Heute kommen die Vögel vor allem in Nordosteuropa und Skandinavien vor.

Jeder Vogel ist für die Population wichtig, deshalb ist dieser Vorfall besonders traurig

Marc Förschler, Zoologe im Nationalpark Schwarzwald

In Deutschland sind sie inzwischen sehr selten. „Im Schwarzwald leben etwa 250 bis 300 Tiere“, erzählt Marc Förschler. Der Freudenstädter Zoologe ist Leiter des Fachbereichs für Monitoring, Forschung und Artenschutz im Nationalpark Schwarzwald. Er weiß auch: Die Zahl der Tiere schrumpft. „Jeder Vogel ist für die Population wichtig, deshalb ist dieser Vorfall besonders traurig“, sagt er. „Es kommt sehr selten vor, einem Auerhuhn im Wald überhaupt zu begegnen. Man sieht sie höchstens mal in der Ferne auffliegen.“

Liebestolle Hähne

Die beiden mutmaßlichen Auerhuhn-Mörder im Südschwarzwald gaben gegenüber der Polizei an, von dem Tier attackiert worden zu sein. Förschler hat dafür eine Erklärung: „Ganz selten gibt es balztolle Männchen. Die balzen dann wegen Hormonstörungen auch mal artfremde Lebewesen an.“ Dies geschehe in erster Linie in der Balzzeit der Vögel im April und Mai. Im Spätsommer und Herbst gebe es dann eine zweite, kleine Herbstbalz – hier seien Zusammenstöße zwischen Mensch und Tier aber noch seltener.

Auerhahn
Imposanter Vogel: Bis in die 1970er-Jahre war der Auerhahn eine begehrte Jagdtrophäe. Heute darf er nicht mehr geschossen werden. | Foto: Michael Reichel/Archivbild

„Man muss keine Angst vor den Tieren haben“, sagt Förschler. Sein Rat: Wenn einem ein liebestoller Auerhahn auf die Pelle rückt, sollte man einfach weggehen – dann sei die Sache nämlich schnell erledigt. „Die Tiere haben eine virtuelle Grenze im Kopf. Und solange man die nicht überschreitet, passiert auch nichts.“ Nur wenn man den Helden spiele und auf die Tiere zugehe, könnten sie auch mal aggressiv werden. Förschler verweist auf den harten Schnabel der Vögel. „Da kann es dann schon eine schmerzende Wunde geben.“

Zusammenstöße mit Auerhähnen seien aber eine absolute Seltenheit: Förschler spricht von einem bis zwei Vorfällen im Schwarzwald pro Jahr. „Die Tiere leben zurückgezogen“, sagt er. „Es ist ein großer Glücksfall, wenn man überhaupt mal einen erblickt. Dann sollte man sich einfach freuen.“

 

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