Baden-Württemberg soll fahrradfreundlicher werden: Verkehrsminister Winfried Hermann möchte bis 2030 rund 700 Kommunen an ein landesweit einheitliches, 7 000 Kilometer langes, gut ausgebautes Radwege-Netz anschließen. | Foto: Seeger

Hermann stellt Pläne vor

Baden-Württemberg investiert in Radwege

Stuttgart/Karlsruhe. Vor 200 Jahren hat der Karlsruher Karl Friedrich Freiherr von Drais in Mannheim die erste Fahrt auf einem Zweirad unternommen – ein Thema also, das Baden-Württemberg verbindet und auch die Landeshauptstadt erreicht hat. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat in Stuttgart seine Pläne für die Fahrrad-Infrastruktur in diesem Jahr vorgestellt.

Für die Umsetzung des Programms „Kommunale Rad- und Fußverkehrsinfrastruktur“ sind 2017 über 21 Millionen Euro eingeplant. Damit werden etwa der Bau von Fahrradstraßen, aber auch andere Maßnahmen gefördert. So ist angedacht, am Bahnhof Mühlacker im Enzkreis neue Fahrradgaragen zu errichten.

Investitionen in Höhe von 46 Millionen Euro

An den Landesstraßen planen die Regierungspräsidien Investitionen von rund 19 Millionen Euro. Unter anderem für einen Radweg zwischen den Karlsruher Stadtteilen Wolfartsweier und Grünwettersbach und einen ersten Bauabschnitt der Strecke zwischen Mönsheim und Wurmberg im Enzkreis.

An den Bundesstraßen planen die Landesbehörden, 13 Vorhaben mit einem Volumen von rund sechs Millionen Euro zu beginnen. Somit sollen in Baden-Württemberg in diesem Jahr rund 46 Millionen Euro neu in die Zweirad-Infrastruktur investiert werden.

„Das Fahrrad bietet schnelle, direkte, gesunde Mobilität ohne Stau, Lärm und Luftverschmutzung. Deshalb fördern wir den Radverkehr systematisch“, sagte Hermann.

Verkehrsminister Winfried Hermann ist selbst begeisterter Fahrradfahrer.
Verkehrsminister Winfried Hermann ist selbst begeisterter Fahrradfahrer. | Foto: Weissbrod

Karlsruhe als Vorbild

Sein Ziel ist es, bis 2030 rund 700 Kommunen an ein landesweit einheitliches, 7 000 Kilometer langes, gut ausgebautes Radwege-Netz anzuschließen. Davon existierten 6 000 Kilometer bereits, die aber zum Teil deutlich verbessert werden müssten, räumte Hermann ein.

Er hielt aber daran fest, den Radverkehrsanteil im Land bis 2020 auf 16 Prozent verdoppeln zu wollen; 2030 sollen 20 Prozent erreicht werden. Das sei nicht unrealistisch, erklärte Hermann und nannte Karlsruhe als Vorbild: Dort würden schon jetzt Radverkehrsanteile von rund einem Viertel erreicht. Auch die geplanten Radschnellwege waren erneut Thema.

Kritik vom ADFC

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hat indessen Zweifel an den Plänen geäußert. ADFC-Landeschefin Gudrun Zühlke sagte, allein zum Schließen der Radwege-Lücken an Bundesstraßen würden geschätzt 100 Millionen Euro benötigt. Wenn 2017 dort nur sechs Millionen investiert würden, komme man kaum weiter.

Veranstaltungen im „Drais-Jahr“

Das Verkehrsministerium informierte auch über zahlreiche Veranstaltungen im „Drais-Jahr“. So beginnt am 3. April in Mannheim der 5. Nationale Radverkehrskongress.

Im Mai startet dann eine besondere „Jubiläumstour“: Sechs E-Lastenräder touren drei Monate durch Baden-Württemberg. Auf der über 550 Kilometer langen Strecke kommen sie auch nach Pforzheim, Karlsruhe sowie Bruchsal und informieren über die Entwicklung des Fahrrads.

Interview zu Radschnellwegen

Raphael Domin ist Projektleiter beim Landesverband des VCD. | Foto: Bludau

In Stuttgart trifft sich am Montag, den 27. März, der „Arbeitskreis Radschnellverbindungen Baden-Württemberg“. Raphael Domin ist Projektleiter beim Landesverband des VCD.

Wen erwartet der Verkehrsclub Deutschland (VCD) für dieses Treffen?

Domin: Es kommen 20 bis 25 Teilnehmer: Vertreter von Kommunen, Kreisen und Regionalverbänden, die sich für Radschnellwege interessieren. Vom Verkehrsministerium wird der Referent dabei sein, der sich mit diesem Thema beschäftigt.

Was steht auf der Tagesordnung?

Domin: Wir befassen uns damit, was in den vergangenen Monaten Neues passiert ist in Sachen Radschnellwege. Da berichten wir vom VCD, aber auch das Ministerium und die Teilnehmer aus ihren Regionen.

Jede Sitzung steht zudem unter einem Hauptthema, und das ist dieses Mal: Wie sieht ein typisches Verfahren für ein Radschnellwege-Projekt aus – von der Idee bis zur Umsetzung? Weil es ein so neues Thema ist, gibt es da noch kein Schema F.

Der Termin wird also auch einen Workshop-Charakter haben. Außerdem berichtet das Land über die laufende Potenzialanalyse.

Welche Aufgabe hat der VCD genau in dem Arbeitskreis?

Domin: Wir moderieren die Arbeitskreissitzungen und bringen Informationen ein. Grundsätzlich fungieren wir als Geschäftsführung.

Wir werden vom Verkehrsministerium gefördert und erarbeiten Faktenblätter zu den Radschnellwegen, die wir künftig auf dem Infoportal des Landes unter www.fahrradland-bw.de einstellen.

Sie sollen als Online-Leitfaden für Kommunen und Kreise dienen, damit diese wissen, wie sie an die Thematik herangehen können. Gerade wenn Radschnellwege durch Innenstädte führen sollen, gibt es sehr viele Herausforderungen. Deswegen ist uns Transparenz sehr wichtig.

Wie erarbeiten Sie diese Faktenblätter?

Domin: Wir recherchieren, was es zu Radschnellwegen im nationalen und internationalen Kontext gibt. Im September machen wir unter anderem mit dem Arbeitskreis eine Exkursion: Im Ruhrgebiet schauen wir uns den Radschnellweg Ruhr an, und dann geht es noch in die Region um Arnhem und Nijmegen. Die Niederlande sind ein Vorbild in Sachen Radschnellwegen.

So berichtete BNN.de zuletzt über die Fahrrad-Infrastruktur: