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Exakt 28 Jahre hat sie auf dem Buckel, die Schnellfahrstrecke der Bahn zwischen Mannheim und Stuttgart. Für viele Pendler ist sie Lebensader und Nadelöhr zugleich. | Foto: Daniel Bockwoldt

Länger als ein halbes Jahr

Bahnstrecke zwischen Mannheim und Stuttgart wird dichtgemacht

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Exakt 28 Jahre hat sie auf dem Buckel, die Schnellfahrstrecke der Bahn zwischen Mannheim und Stuttgart. Für viele Pendler ist sie Lebensader und Nadelöhr zugleich. Jetzt kommen auf solche Stammkunden der Bahn harte Zeiten zu: Im nächsten Jahr muss die 99 Kilometer lange Trasse saniert werden.

Vom 10. April bis 31. Oktober 2020 wird sie deshalb total gesperrt. Laut Thorsten Krenz, dem Generalbevollmächtigten der Deutschen Bahn für das Land Baden-Württemberg, sind die Erneuerung von rund 190 Kilometern Gleis und 54 Weichen sowie die Verlegung von 315.000 Schwellen, der Einbau von 440.000 Tonnen Schotter und die Sanierung von reichlich Leit- und Sicherungstechnik unumgänglich. 183 Millionen Euro werden demnach zwischen Mannheim und Stuttgart investiert.

Teils dramatisch längere Fahrzeiten

Doch nicht nur die Bahn zahlt einen hohen Preis, auch den Fahrgästen verlangt das Vorhaben erhebliche Anstrengungen ab. Denn infolge der nötigen Umleitungen verlängern sich die Fahrzeiten teils dramatisch. „Wir müssen während der Dauer der Sperrung zwischen Karlsruhe und Stuttgart mit einer sehr deutlichen Reduzierung des Fernverkehrsangebots zurechtkommen“, sagt Rüdiger Weiß, Leiter Vertrieb und Fahrplan bei der DB Netz AG.

Die Rede ist von einer um 40 Prozent verminderten Kapazität. Wer von Karlsruhe nach Stuttgart pendelt, muss während der Bauzeit mit 15 bis 20 Minuten längeren Fahrten rechnen. Wo unter Normalbedingungen alle zwei Stunden zwei bis drei Intercity-Fahrten stattfinden, werden es dann nur noch eine bis zwei Fahrten sein. Die Intercity-Linie 60 von Karlsruhe nach München verkehrt dann über Pforzheim anstatt über Bruchsal; einen systematischen Fernverkehrs-Halt in Mühlacker und Vaihingen/Enz wird es dann vorübergehend nicht mehr geben. 45 Minuten langsamer ist nach Angaben der Bahn während der Sanierung die Tour von Stuttgart nach Mannheim, so dass man dort rund 80 Minuten unterwegs ist, um 30 Minuten verlängert sich die Fahrt von der Landeshauptstadt nach Heidelberg.

Auswirkungen auch auf den Nahverkehr

Auch der Nahverkehr ist betroffen. Wer etwa die Interregio-Express-Linie (IRE) zwischen Karlsruhe und Aalen mit Stopps in Wilferdingen-Singen, Pforzheim, Mühlacker, Vaihingen/Enz und Stuttgart nach Aalen frequentiert, muss mit 15 Minuten längeren Fahrten rechnen. Gesperrt ist für diese Verbindung die Trasse zwischen Vaihingen/Enz und dem Hauptbahnhof Stuttgart, so dass die IRE-Züge einen Umweg über Bietigheim-Bissingen nehmen müssen.

Mit zehn Minuten mehr je Fahrt ist auch auf der Regionalbahn-Linie (RB) von Stuttgart über Mühlacker entweder nach Pforzheim und Wildbad oder über Bretten und Bruchsal Richtung Heidelberg zu rechnen. Zwischen Bietigheim-Bissingen und dem Hauptbahnhof Pforzheim ist dann ein Schienenersatzverkehr mit Autobussen geplant. Laut Fahrplan-Manager Rüdiger Weiß ist die Totalsperrung die günstigere Variante als eine Sanierung unter laufendem Zug-Betrieb. 185 Fernzüge mit durchschnittlich 66 000 Reisenden sind täglich auf der Schnellfahrstrecke Mannheim-Stuttgart unterwegs, hinzu kommen 24 Güterzüge mit 32 880 Bruttotonnen, die meist nachts verkehren.