Am Rhein bei Germersheim und in Höhe von Philippsburg-Rheinsheim hatten die Vorbereitungen für die Bergung der Lok bereits begonnen. | Foto: Projektbüro "Jäger der versunkenen Lok"

Jäger der versunkenen Lok

Bergung des Stahlrosses aus dem Rhein nimmt richtig Fahrt auf

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Jetzt wird es spannend: Die Bergung der im Jahr 1852 im Rhein versunkenen Dampflok aus Karlsruhe nimmt Fahrt auf. Spektakulär soll es Anfang Oktober werden: Dann soll der Metallkörper auf dem Rheingrund auch als die gesuchte Dampflok identifiziert werden. Das Stahlross wäre dann das älteste in Deutschland und eines der ältesten weltweit.

Die Bergung der vor 166 Jahren im Rhein bei Germersheim versunkenen Dampflok nimmt Fahrt auf. Das Bergungsteam steht dabei vor einer technischen Herkulesaufgabe, um ein wertvolles Gut der Industriekultur aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Sollte das Vorhaben wie geplant gelingen, wäre die in der Maschinenfabrik Kessler in Karlsruhe gebaute Lok die älteste noch erhaltene deutsche Dampflokomotive – und einer der ältesten weltweit.

Eisenbahnbegeisterte forschen seit Jahrzehnten nach der Lok mit dem Namen „Der Rhein“, die bei der Überführung nach Köln bei einem Unwetter bei Germersheim im Februar 1852 von einem Segelfrachter in den Fluss krachte. Damalige Bergungsversuche scheiterten. Bereits Ende August wurde am vermuteten Fundort, unter der Buhne 527 am Rhein bei Germersheim, rund 50 Meter vom rheinland-pfälzischen Ufer entfernt, der zwei Meter hohen Steinwall abgetragen.

Auf einem fahrbaren Untersatz wurde die in Karlsruhe gebaute Lok von der Fabrik zum Rhein bei Leopoldshafen gerollt und dort auf einen Segelfrachter verladen. Hier ein Modell der Lok.
Auf einem fahrbaren Untersatz wurde die in Karlsruhe gebaute Lok von der Fabrik zum Rhein bei Leopoldshafen gerollt und dort auf einen Segelfrachter verladen. Hier ein Modell der Lok. | Foto: SWR/Verena Kutscher/dpa

Mittels Magnetmessungen hatten die „Jäger der versunkenen Lok“ einen sechs Meter langen Eisenkörper im Fluss ausgemacht. Der entspricht den Maßen des gesuchten Stahlrosses. Inzwischen hat die Bergungsfirma OHF aus Au am Fundort im Rhein ein Ponton verankert. Auf der Plattform steht der Spezialbagger, der für die Aushubarbeiten benötigt wird und mit dem auch die Spundwände in den Flussboden geschlagen wurden.

Spezialbagger steht am Rhein bereit

Um die 30 Meter langen Spundwände im Fluss zu errichten, wurden 21 Meter lange Eisenbalken in den Rheinboden gerammt. Nach OHF-Angaben kommen hierbei rund 200 Tonnen Stahl zum Einsatz. Mit diesen Wänden wird der Fundort an drei Seiten von der Rheinströmung abgeschirmt, eine Voraussetzung für den geplanten Tauchereinsatz und eine Maßnahme, um zu verhindern, dass die Kiesmassen nach dem Aushub zurückgespült werden.

OHF-Chef Wolfhard Neu (von links), Mario Schmiedicke vom SWR sowie die "Lok-Jäger", Horst Müller und Uwe Breitmeier mit einem Modell der versunkenen Lok.
OHF-Chef
Wolfhard Neu (von links), Mario Schmiedicke vom SWR sowie die „Lok-Jäger“, Horst Müller und Uwe Breitmeier mit einem Modell der versunkenen Lok.
| Foto: Bernd Kamleitner

Die versunkene Lok liegt unter etwa 3 000 Tonnen Kies, Sand und Geröll. „Wir wissen noch nicht, was wir bei den Baggerarbeiten genau finden. Es besteht die Gefahr, dass große Steine, Bäume oder Ähnliches das Vordringen zur Lok erschweren“, sagt OHF-Chef Wolfhard Neu.

Wir wissen noch nicht, was wir bei den Baggerarbeiten genau finden

Ende September soll es dann an die Feinarbeit gehen: Industrietaucher legen die Lok mit Kiessaugern behutsam frei, um sie nicht zu beschädigen. Weitere 2 000 Tonnen Material werden sie mit ihren Saugern entfernen.

Der spannendste Moment wird Anfang Oktober erwartet

Der spannendste und wohl auch spektakulärste Moment steht Anfang Oktober bevor: Der erste Sichtkontakt mit der Lok soll dann endlich die hoffentlich eindeutige Identifikation ermöglichen. „Aktuell basiert die Annahme, dass es sich tatsächlich um die Lok ‚Rhein’ handelt, allein auf den Magnetresonanzbildern. Eine Überraschung beim Freilegen ist also noch möglich“, sagt Tobias Bartenbach, Leiter des Projektbüros „Jäger der versunkenen Lok“.

Volker Jenderny vom Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein. Dort soll die geborgene Lok einmal ausgestellt werden.
Volker Jenderny vom Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein. Dort soll die geborgene Lok einmal ausgestellt werden. | Foto: Bernd Kamleitner

Volker Jenderny, Mitinitiator der Bergung vom Eisenbahnmuseum Bahnwelt Darmstadt-Kranichstein, ergänzt: „So ein Projekt macht man einmal in seinem Leben, ich bin gespannt wie Bolle, was wir da nun wirklich aus dem Wasser holen werden.“

So könnte das Unglück am 14. Februar 1852 passiert sein: Ein Besucher des Eisenbahnmuseums Darmstadt-Kranichstein hat den Lokunfall als Diarama nachgebaut.
So könnte das Unglück am 14. Februar 1852 passiert sein: Ein Besucher des Eisenbahnmuseums Darmstadt-Kranichstein hat den Lokunfall als Diarama nachgebaut. | Foto: Bernd Kamleitner

Nach der Identifikation muss das Bergungsunternehmen aus Au am Rhein entscheiden, wie der massige Metallkörper unbeschädigt aus dem Wasser gehoben werden kann. „Wir werden die Lok mit Gurten heben oder eine Palette darunter schieben. Dabei müssen wir beachten, dass die Lok nicht abrutschen und zurück in den Rhein fallen kann“, sagt Wolfhard Neu.

SWR-Fernsehen überträgt die Bergung am 21. Oktober live

Am 21. Oktober 2018 soll die Lok endgültig gehoben werden. Das SWR-Fernsehen wird das Spektakel an diesem Tag ab 14 Uhr live übertragen. Die BNN sind zudem Medienpartner der Bergung der in Karlsruhe gebauten Lok.