Der Gottesdienst mit dem Bühler Pfarrer Wolf-Dieter Geißler urde live per Stream übertragen
Der Gottesdienst mit dem Bühler Pfarrer Wolf-Dieter Geißler wurde live per Stream übertragen | Foto: Margull

Appell an Gemeinschaftssinn

Beten statt Aktionismus: Bühler Pfarrer Geißler predigt per Live-Stream

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Was der britische Popstar James Blunt kann, der sein Konzert am Freitagabend in der leeren Hamburger Elbphilharmonie spielte und im Internet übertrug,  kann der Bühler Pfarrer Wolf-Dieter Geißler schon lange: Weil an diesem Sonntag wegen der Gefährdung durch das Coronavirus alle Gottesdienste abgesagt werden mussten, feierte er die Heilige Messe ohne Besucher, diese konnten aber dank des auf einem Stativ montierten iPhones des Pfarrers via Live-Stream daheim am Computer dabei sein.

Statt in der St. Peter & Paul-Kirche fand der ungewöhnliche Gottesdienst in der benachbarten Ulrika-Nisch-Kapelle statt. Da die Kirchengemeinde die Musikrechte nicht abklären konnte, gab es anders als bei Blunt keine Musik zu hören. Auch die Kamera beschränkte sich auf das Wesentliche, den Altar und den predigenden Pfarrer, ohne wechselnde Einstellungen.

Über 470 Zuschauern bei kurzfristig oranisierter Übertragung im Internet

„Es ist ungewohnt für mich, eine Gemeinde nicht zu sehen, aber ich spüre, dass wir versammelt sind im Geiste Christi“, begrüßte der technik-affine Bühler Stadtpfarrer die virtuellen Gottesdienstbesucher. Bis zu 470 Gläubige verfolgten die kurzfristig organisierte Übertragung. „Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen“, begründete der Priester die Entscheidung. Die Unsicherheit, ob die Technik mitspielen würde („Wir hoffen, dass die Leitungen stabil bleiben“), erwies sich als unnötig, die Übertragung brach nicht ab.

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„Es ist kein Trauergottesdienst“, appellierte Wolf-Dieter Geißler an die versammelte Internetgemeinde angesichts der aktuellen Situation. Für die Predigt hatte er dazu passend ein Kapitel aus dem Markus-Evangelium ausgewählt: Bei einer Überfahrt über den See Genezareth geriet das Boot mit Jesus und den Jüngern in einen schweren Sturm. Die erfahrenen Fischer und Seemänner gerieten in Panik, während Jesus ruhig schlief. Als sie ihn weckten, gebot er dem Sturm Ruhe. Anschließend wandte er sich an die Jünger: „Warum hattet ihr solche Angst, habt ihr denn gar kein Vertrauen zu mir?“

Pfarrer kritisiert „Hektik, Panik und Hysterie“

Die Situation heute sei vergleichbar, so der Theologe: „Wir erleben eine ähnliche Hektik, Panik, Hysterie“. Dabei sei es weniger die Angst vor der Infektion mit der Krankheit, als vielmehr vor den Auswirkungen auf die Gesellschaft, ein Angriff auf den Wohlstand und die Bequemlichkeit. Hinzu komme eine große Ungewissheit, da niemand die weitere Entwicklung vorhersagen könne. „Ich bin doch mit euch im Boot“, dieser Satz, den Jesus auf dem See zu den Jüngern sagte, gelte auch heute.

Hamsterkäufe und Diebstähle in Krankenhäusern

Genauso wichtig: „Ihr seid doch auch gemeinsam unterwegs“. Wolf-Dieter Geißler appellierte an den Gemeinschaftssinn und die Verantwortung füreinander. Hamsterkäufe seien in einer funktionierenden Gemeinschaft nicht notwendig. Als „schlimme Folge“ der Angst bezeichnete Geißler die Diebstähle von Desinfektionsmitteln aus Krankenhäusern und Arztpraxen. Er selbst ging in Sachen Hygiene übrigens mit vorbildlichem Beispiel voraus: Vor der Eucharistifeier desinfizierte sich Pfarrer Geißler die Hände.

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Trotz schwierigen Zeiten und stürmischer See: „Ja, wir werden auch diese Krise überwinden“, zeigte sich Wolf-Dieter Geißler überzeugt. Als „gutes Zeichen“ bezeichnete er, dass es in der derzeitigen Krisensituation „kein Parteiengezänk“ gäbe. Bei allen eigenen Problemen dürfen auch die Probleme auf dieser Welt nicht aus den Augen verloren werden, verwies er auf das Flüchtlingsnot vor Griechenland. Am Perutag erinnerte der Geistliche speziell auch an die Gläubigen in der Partnergemeinde in Südamerika.

Und auch eine humorige Anmerkung hatte der wortgewaltige Geistliche am Ende parat: „Jetzt haben Sie Glück, weil die Kollekte ausfällt“. In der Kürze der Zeit sei es nicht möglich gewesen, Ministranten zu organisieren, die an der Haustüre um eine Spende bitten….

Auch die Pfarrgemeinderatswahlen werden per Briefwahl und online durchgeführt, kündigte Pfarrer Wolf-Dieter Geißler an. Alle Informationen dazu unter www.kath-kirche-buehl.de