Präsentation von Raub-Kulturgütern
Ein Neues Testament und eine Peitsche aus dem Besitz von Hendrik Witbooi liegen in einer Vitrine. | Foto: Marijan Murat/Archiv

Windhuk/Stuttgart

Gericht: Bibel darf an Namibia zurückgegeben werden

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Windhuk/Stuttgart (dpa/lsw) – Baden-Württemberg darf eine zu Kolonialzeiten geraubte Bibel und eine Peitsche an Namibia zurückgeben und sie an die dortige Regierung übergeben. Das entschied das Verfassungsgericht Baden-Württemberg am Donnerstag in Stuttgart (Az.: 1 VB 14/19). Es wies damit einen Antrag der Vereinigung der Nama-Stammesältesten (NTLA) zurück, die die Rückgabe am 28. Februar verhindern wollte.

Es geht um eine Bibel und eine Peitsche des namibischen Nationalhelden Hendrik Witbooi, die im Linden-Museum in Stuttgart lagern. Eine baden-württembergische Delegation unter Führung von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) reist in der kommenden Woche nach Namibia, um die Gegenstände zurückzugeben.

Die NTLA ist laut Gericht der Ansicht, dass die Gegenstände an sie und nicht an die namibische Regierung zurückzugeben seien. Die Vereinigung sah sich zudem in die Verhandlungen zwischen Deutschland und der namibischen Regierung nicht ausreichend eingebunden. Ihr Antrag auf den Erlass einer einstweiligen Anordnung hatte aber keinen Erfolg. Nach Ansicht des Gerichts ist der Antrag unzulässig. Es spreche viel dafür, dass das Verfahren einen Streit betreffe, der keine Berührung mit der Landesverfassung aufweise, sondern innerhalb Namibias zu klären sei, teilte das Verfassungsgericht mit.

Bibel und Peitsche sollen nach derzeitigen Planungen zunächst vom namibischen Staat verwaltet werden, bis Witboois Nachkommen in seinem Heimatort Gibeon ein Museum dafür errichten könnten.

Von 1884 bis 1915 hielt das deutsche Kaiserreich weite Gebiete des heutigen Namibias besetzt. Die Kolonialherren schlugen Aufstände der Volksgruppen der Herero und Nama zwischen 1904 und 1908 im damaligen Deutsch-Südwestafrika brutal nieder. Deutsche Truppen töteten Historikern zufolge bei dem Völkermord etwa 65 000 der 80 000 Herero und mindestens 10 000 der 20 000 Nama. Historiker sehen darin den ersten Genozid des 20. Jahrhunderts.