Die Zentrale von Edeka Südwestfleisch in Rheinstetten. Mehr als 1.000 Angestellte sind hier in der Fleischverarbeitung tätig.
Die Zentrale von Edeka Südwestfleisch in Rheinstetten. Mehr als 1.000 Angestellte sind hier in der Fleischverarbeitung tätig. | Foto: Trauden

Werkverträge-Ausstieg geplant

Bisher 150 Corona-Tests bei Edeka Südwest Fleisch in Rheinstetten: Alle negativ

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Die Sorge, dass sich nach den inzwischen bekannten Corona-Hotspots innerhalb der Fleischindustrie auch bei der Edeka Südwest Fleisch in Rheinstetten das Virus schnell verbreiten könnte, treibt die Region um – mehr denn je.

Während eines Besuchs von Vertretern des Rheinstetter Gemeinderats und den Bürgermeistern Sebastian Schrempp (Rheinstetten) und Andreas Augustin (Durmersheim) am Montagabend haben die Geschäftsführer Jürgen Sinn und Andreas Pöschel gemeinsam mit dem Geschäftsführer des Mutterunternehmens Edeka Südwest, Jürgen Mäder, bekannt gegeben, dass 150 Mitarbeiter während der vergangenen eineinhalb Wochen auf das Coronavirus getestet wurden. Alle Tests waren negativ. Das teilt auch das zuständige Gesundheitsamt via Pressemeldung mit.

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Anlass für die ersten 20 Tests sei eine Vorsichtsmaßnahme gewesen, da zwei externe Monteure positiv auf Covid-19 getestet worden waren und Kontakt zu Mitarbeitern gehabt haben könnten, so Sinn. Vorsorglich seien 30 weitere Test erfolgt. Die nächsten 100 Tests seien dann in Absprache mit dem Gesundheitsamt erfolgt, allerdings ohne konkreten Anlass. Denn: Der Druck bezüglich flächendeckender Testungen in fleischverarbeitenden Betrieben steigt.

Das wären bei uns ja um die 1.000 Tests pro Woche.

Jürgen Sinn, Geschäftsführer EDEKA-Südwestfleisch

Sinn hält die Idee mit standardmäßigen Massentestungen, wie sie in anderen Bundesländern zunehmend forciert werden, für „eine harte Maßnahme. Das wären bei uns ja um die 1.000 Tests pro Woche, wenn jeder zweimal pro Woche getestet werden soll.“ Die 150 negativen Tests sehen die Geschäftsführer als Beleg dafür, dass bei Edeka Südwest Fleisch bezüglich Sicherheit und Hygiene hohe Standards angesetzt habe.

Allein die moderne Belüftungsanlage sei ein großes Plus. „Werke wie Tönnies sind über viele Jahre gewachsen. Wir haben hier erst vor zehn Jahren den Betrieb aufgenommen, wir sind deshalb technisch sehr gut ausgerüstet.“

Bis Jahresende will die Edeka Südwest Fleisch Werkverträge in ihrem Unternehmen komplett abschaffen. Damit wollen die Verantwortlichen dem Verbot von Werkverträgen in der Fleischbranche zuvorkommen, welches das Bundeskabinett bereits Ende Mai in Eckpunkten festgelegt hat.

Was dieser Schritt das Unternehmen kosten wird, darüber können die beiden Geschäftsführer Jürgen Sinn und Andreas Pöschel bisher nur spekulieren. „Da reden wir von Millionen. Allein schon durch die Einhaltung des Mindestabstands ist die Produktivität von täglich 6.000 halben Schweinen auf 4.000 gesunken. Aber für uns ist das keine Kostenfrage. Das muss jetzt sein.“

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Wohnraumfrage steht weiterhin im Raum

Mit zwei Subunternehmen arbeitet Edeka Südwest Fleisch innerhalb des Kerngeschäfts derzeit noch zusammen. Von den Werkvertragsarbeitern leben laut Edeka Südwest Fleisch 42 in privaten Unterkünften. Etwas mehr als 250 leben in Gemeinschaftsunterkünften hauptsächlich in den Stadt- und Landkreisen Karlsruhe und Rastatt, auch in Wörth, Kandel oder Bad Bergzabern. Während bisher die Subunternehmer noch die Wohnungen und Zimmer für die Arbeiter organisieren, muss Edeka Südwest Fleisch das künftig selbst in die Hand nehmen. „Die Leute müssen ja irgendwo wohnen. Wir stehen da in der Verantwortung, völlig klar“, räumt Sinn ein. Eventuell werde es auch eine eigene Abteilung geben, die sich mit der Thematik befassen soll.

Werkswohnungen – ein Thema, das die anwesenden Bürgermeister und Gemeinderäte aufhorchen lässt. Denn: „Irgendwo müssen die dann ja hin“, konstatiert Augustin. „Und wie solche Vorhaben innerhalb der entsprechenden Gremien diskutiert werden, das ahnt man ja schon.“  Er begrüßt die Pläne von Edeka Südwest Fleisch, von den Werkverträgen so schnell wie möglich Abstand zu nehmen. „Was ich nur nicht erstehe, warum es jetzt nur die Fleischindustrie. Das ist ein gesellschaftliches Problem und betrifft noch so einige andere Branchen.“

Hintergrund
Seit Müller Fleisch, Tönnies und Wiesenhof durch eine hohe Zahl an Corona-Infektionen unter den Mitarbeitern in die Schlagzeilen geraten sind, steht auch das Fleischwerk in Rheinstetten im Fokus der Öffentlichkeit. Mit rund 1.400 Mitarbeitern erwirtschaftet die Edeka Südwestfleisch GmbH, deren Firmengelände mit einer Bruttogrundfläche von 52.700 Quadratmetern neben der Messe angesiedelt ist, einen Jahresumsatz von rund 800 Millionen Euro. Der tägliche Wareneingang liegt bei 2.800 Paletten. Geschlachtet wird bei Edeka Südwest Fleisch nicht.
Mehr als 500 Beschäftigte sind derzeit noch auf Werkvertragsbasis oder als Leiharbeiter angestellt. Diese meist aus Osteuropa stammenden Arbeitskräfte, die über Subunternehmer nach Deutschland an verschiedene fleischverarbeitende Betriebe vermittelt werden, leben oft auf engstem Raum. Zuletzt war deshalb die Frage laut geworden, inwieweit Edeka Südwest Fleisch über die Wohnverhältnisse seiner Werkvertragsarbeiter Kenntnis hat und inwieweit das Unternehmen Einfluss auf die Art der Unterbringung haben könnte.