Streit im Freibad
Polizeiwagen am Samstag vor dem Rheinbad in Düsseldorf. | Foto: Gerhard Berger

Polizeieinsätze in der Region

Brennpunkt Schwimmbad: Aggressivität in Freibädern nimmt zu

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Eigentlich verspricht ein Freibadbesuch Abkühlung, doch in jüngster Zeit scheint sich die Stimmung dort schnell aufzuheizen. In Stuttgart und im Düsseldorfer Rheinbad kam es am Samstag zu einem Massenstreit. Die Polizei rückte jeweils mit Dutzenden Beamten an. Zuvor gab es ähnliche Vorfälle in Kehl und Mannheim.

Im Düsseldorfer Bad bot sich der Polizei folgendes Bild: Ein Vater steht schützend vor seiner Familie, umgeben von Hunderten junger Männer, die ihn anschreien. Wie verlautet, haben sich zuvor einige junge Männer daneben benommen und sind über Decken und Badegäste gesprungen. Als sich ihnen daraufhin der Familienvater entgegenstellt, schlagen sich viele andere junge Männer auf die Seite der Unruhestifter.

Die Polizei fordert Verstärkung an, versucht, die Kontrahenten zu beruhigen. Getränkekartons fliegen in Richtung der Einsatzkräfte, die Polizisten setzen Pfefferspray ein. Die Familie wird aus dem Bad begleitet. Der Betreiber hält es für ratsam, das ganze Bad vorzeitig zu schließen. Ein renitenter Badegast wird kurzzeitig in Gewahrsam genommen.

Auch in Stuttgart kam es zu einer Auseinandersetzung, als sich drei Jugendliche im Alter von 15, 16 und 17 Jahren weigerten, das Bad zu verlassen. Daraufhin riefen die Bademeister die Polizei. Als die Beamten die Personalien des Trios aufnehmen wollten, wurden sie von anderen Badegästen gestört. Wegen Handgreiflichkeiten zwischen einem 36-Jährigen und zwei Bademeistern setzte die Polizei Pfefferspray ein.

Kehl musste auch am Sonntag schließen

Die Ereignisse in Stuttgart und Düsseldorf sind nur zwei aktuelle von mehreren Freibad-Vorfällen der vergangenen Tage. Jüngst hatte es auch in zwei Freibädern in Kehl Randale gegeben und die Bäder hatten geschlossen werden müssen. In einem Fall waren 200 Jugendliche beteiligt. Auch am Sonntag musste das Bad von der Polizei geschlossen werden, allerdings wegen Überfüllung, wie es in einer Mitteilung hieß. In einem Bad in Essen attackierte eine Gruppe junger Männer am vergangenen Montag zwei Bademeister und ein junges Mädchen. Die Stadt verdoppelte daraufhin die Zahl der Sicherheitsleute in dem Bad. Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) zeigte sich empört.

In Hessen kam es am Mittwoch vor einem überfüllten Badesee zu Ausschreitungen. Wegen starken Andrangs war der Einlass vorläufig geschlossen worden. Daraufhin versuchten nach Polizei-Angaben etwa 200 Leute gewaltsam, auf das Gelände vorzudringen. Wartende warfen Steine und beschimpften die Sicherheitskräfte.

Pfefferspray in Mannheim versprüht

In einem Freibad in Mannheim versprühte ein Mann am Samstag bei einem Familienstreit Pfefferspray. Fünf Menschen, darunter zwei Kinder, erlitten leichte Verletzungen.

Der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister beklagt schon seit längerem eine zunehmende Aggressivität in Freibädern. Gleichzeitig gibt es immer weniger Menschen, die als Bademeister arbeiten wollen. „Ich bin jetzt 45 Jahre im Job“, sagt Verbandspräsident Peter Harzheim. „Man hat sicherlich einiges erlebt, aber was sich in den letzten 40 Jahren getan hat, ist doch erschreckend. Das Wort „Respekt“ hatte früher eine ganz andere Bedeutung als heute.“ In den vergangenen 10 bis 20 Jahren habe sich das gründlich geändert.

Jetzt bekomme man eher Sprüche zu hören wie:

Alter, was willste?

Eltern lebten ihren Kindern häufig vor, dass sie sich nichts gefallen lassen müssten. Dazu kämen kulturelle Unterschiede, etwa im Umgang mit Frauen.

Härteres Durchgreifen gefordert

Christian Ochsenbauer von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen bestätigt die Darstellung: Das Thema Aggressivität schlage derzeit hohe Wellen, sagt der Verbandsgeschäftsführer. „Ich kann den Verband Deutscher Schwimmmeister nur darin unterstützen, dass härter durchgegriffen werden muss.“

Zwar seien Bäder immerhin noch geschützte Räume mit Aufsicht, doch fühle sich das Badepersonal ein Stück weit im Stich gelassen. Im Falle eines Hausverbots gingen die Störer einfach ins nächste Schwimmbad. Ochsenbauer: „Die Gesellschaft ist hier auf breiter Front gefordert – wir sind nur ein Teilbereich des Ganzen.“

Schwimmmeister-Präsident Harzheim findet die ganze Entwicklung traurig: „Ein Bad ist doch ein Ort der Erholung, der Wellness, des Kennenlernens, der Kommunikation.“ Da sollte man sich eigentlich locker machen können.

dpa/BNN