Das Dreifarbenhaus ist der bedeutendste Bordellbetrieb in der Landeshauptstadt. Seit 1957 gehen mehrere Dutzend Prostituierte hier in zentraler Innenstadtlage ihrem Gewerbe nach. Ein Stuttgarter CDU-Würdenträger ist an der Immobiliengesellschaft beteiligt, der das Häuser-Ensemble gehört.
Das Dreifarbenhaus ist der bedeutendste Bordellbetrieb in der Landeshauptstadt. Seit 1957 gehen mehrere Dutzend Prostituierte hier in zentraler Innenstadtlage ihrem Gewerbe nach. Ein Stuttgarter CDU-Würdenträger ist an der Immobiliengesellschaft beteiligt, der das Häuser-Ensemble gehört. | Foto: Voigt

Spott für Partei in Stuttgart

CDU-Politiker ist Miteigentümer von Puff-Immobilie

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Der Internet-Auftritt des Hauses verheißt „ständig neue Frauen“ und „immer neue Erlebnisse“, die Optik der Immobilie hat sich seit dem Eröffnungsjahr 1957 so gut wie nicht verändert: Das traditionsreichste und größte Bordell in der Landeshauptstadt ist rot-weiß-blau gestrichen; frankophile Puffgänger sprechen denn auch ehrfurchtsvoll von der „Maison tricolore“.

Der Gebäudekomplex in zentraler Innenstadtlage Stuttgarts im dortigen Bebenhäuser Hof bewegt die Schwaben schon lange nicht mehr; mehr oder minder geräuschlos waltet die mehrere Dutzend Mieterinnen starke Belegschaft hier ihres schummrigen Amtes.

CDU-Schatzmeister an Immobiliengesellschaft beteiligt

Dass das Dreifarbenhaus seit ein paar Tagen dennoch in vieler Munde ist, liegt an einer überraschenden Personalie, die vor allem in bürgerlichen Kreisen der Landeshauptstadt die Runde macht: Der seit rund zehn Monaten amtierende Schatzmeister des Stuttgarter CDU-Kreisverbandes, Eberhard Graf, ist seit Jahren finanziell an einer Immobiliengesellschaft beteiligt, die Eigentümerin des charakteristischen dreifarbigen Gebäude-Ensembles für die Gunstgewerblerinnen ist.

In den Politik-Zirkeln der Landeshauptstadt wird das je nach Temperament und Weltanschauung mit spöttischem Grinsen oder entrüstetem Tadel quittiert.

Parteipolitisch ist der Sachwalter über die Finanzen des CDU-Kreisverbandes keine große Nummer. Gesellschaftlich schon eher: Bevor Eberhard Graf in den Ruhestand trat, war er leitender Bankmanager – bei der Bayerischen Hypobank in München und Düsseldorf, bei der Bayerischen Vereinsbank sowie bei der Württembergischen Hypothekenbank.

Das Dreifarbenhaus in Stuttgart ist momentan in aller Munde. | Foto: Voigt

CDU: Politiker hat nichts mit laufendem Bordellbetrieb zu tun

Damit schien der Herr der großen Zahlen bestens geeignet für die frei gewordene Stelle des CDU-Schatzmeisters, wie sein Wahlergebnis von knapp 93 Prozent beim Kreisparteitag im Dezember beweist. Nun jedoch scheint sich eine gewisse Verlegenheit beim Kreisverband einzustellen, dem die soeben per Direktmandat für den Bundestag bestätigten Stefan Kaufmann und Karin Maag vorsitzen.

Laut einem CDU-Pressesprecher profitiert Graf lediglich durch seine Beteiligung an der Immobiliengesellschaft. Mit dem laufenden Bordellbetrieb oder der Vermietung der Zimmer habe der Christdemokrat nichts zu tun, heißt es. Über die Höhe der Beteiligung ist nichts zu erfahren.

Ähnlicher Vorfall vor ein paar Jahren

Ältere Fahrensleute der Stuttgarter Kommunalpolitik erinnert die Nähe des Schatzmeisters zum Rotlicht an eine ähnlich gelagerte Geschichte, die vor ein paar Jahren in der Schwabenmetropole die Runde machte. Damals gab es Gerede, nachdem ruchbar geworden war, dass CDU-Bezirksrat Paul Eckert Miteigentümer an Gebäuden in der Rotlichtzone des Leonhardsviertels ist.

Als besonders pikant erwies sich dabei Eckerts Mitgliedschaft bei der Synode der evangelischen Landeskirche Württemberg. Der Kritisierte gab sich verständig: Er werde alles tun, damit in den von ihm mitbesessenen Immobilien keine Prostitution stattfinde, versprach er.