Verspäteter Saisonauftakt: Die Campingplätze haben wieder geöffnet, allerdings gelten auch dort bestimmte Einschränkungen und Hygieneregeln. So bleiben etwa die Sanitärbereiche geschlossen.
Verspäteter Saisonauftakt: Die Campingplätze haben wieder geöffnet, allerdings gelten auch dort bestimmte Einschränkungen und Hygieneregeln. So bleiben etwa die Sanitärbereiche geschlossen. | Foto: dpa

Land erwacht aus Stillstand

Corona-Lockerungen: Baden-Württemberg fährt Alltag Schritt für Schritt wieder hoch

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Die Gastronomie im Südwesten legt nach dem Corona-Lockdown einen Neustart hin. Doch Unsicherheiten bleiben. Auch in anderen Bereichen treten Lockerungen in Kraft.

Von Matthias Kuld, Nico Esch und Alexia Angelopoulou

Für die Menschen im Land ändert sich diese Woche wieder einiges. Die Landesregierung hat mit Blick auf die Corona-Krise weitere Lockerungen beschlossen. Allerdings wird der Studienbetrieb in den Hochschulen des Landes Baden-Württemberg bis 5. Juni ausgesetzt.

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Die 27 Seiten starke aktualisierte Verordnung des Landes bringt zudem eine ganze Reihe anderer Veränderungen mit, die in den vergangenen Tagen schon diskutiert wurden. So ist der Betrieb in Schulkindergärten, Grundschulförderklassen und Kindertageseinrichtungen etwas erweitert worden. Ein Überblick:

Gastronomie

Für die Gastronomie beginnt nach wochenlanger Zwangspause ab Montag wieder der Betrieb. Doch die Unsicherheit ist groß. „Wir begrüßen, dass zumindest Teile der Gastronomie wieder öffnen dürfen“, heißt es beim baden-württembergischen Ableger des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga.

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„Allerdings werden die Auflagen dazu führen, dass die Betriebe keine normalen Umsätze erwirtschaften können – das ergibt sich allein schon aus den Abstandsregelungen.“ Aber immerhin geht es nun los, es gebe nämlich auch viele Betriebe, die nach wie vor keine Öffnungsperspektiven hätten, heißt es beim Dehoga. „Bars, Schankwirtschaften, Diskotheken – von einem Ende der Krise und von wirtschaftlicher Normalität ist das Gastgewerbe trotz der ersten Lockerungen noch sehr weit entfernt“, sagte Dehoga-Landeschef Fritz Engelhardt.

Schlimmer noch: „Uns erreichen täglich neue Nachrichten von Betriebsaufgaben und Insolvenzen.“ Viele Unternehmen des Gastgewerbes seien nach Wochen der Schließung am Ende ihrer Liquidität. Liquiditätshilfen in Form direkter Zuschüsse müssten schnellstens umgesetzt werden. Neben Restaurants, Cafés und Biergärten wird im Südwesten ab Montag auch die Fahrgastschifffahrt wieder erlaubt. Wie in anderen Verkehrsträgern gilt die Maskenpflicht.

Kinderbetreuung

Kitas dürfen ab Montag für maximal 50 Prozent der Kinder wieder öffnen. Neben Kindern, die bisher schon die Notbetreuung besucht haben, haben Kinder mit besonderem Förderbedarf Vorrang. Bleibt darüber hinaus noch Platz, dürfen auch weitere Kinder betreut werden. Ist die Nachfrage größer, entscheidet die Gemeinde. Empfohlen wird etwa ein Rotationsprinzip, dass sich die Kinder also abwechseln.

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Schulen

Für die Viertklässler, die vor dem Übergang in eine weiterführende Schule stehen, beginnt wieder der Unterricht, allerdings nicht in vollem Umfang. Um Abstände einhalten zu können, werden zum Beispiel die Klassen halbiert.

Für rund 29.500 Schüler an allgemeinbildenden Gymnasien im Land beginnen am Montag die Abiturprüfungen. Als erste Fächer stehen Spanisch, Italienisch und Portugiesisch auf dem Programm. Für die rund 17.900 Schüler an beruflichen Gymnasien beginnen die Prüfungen am Mittwoch.

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An diesem Tag werden dann sämtliche angehenden Abiturienten im Südwesten zeitgleich im Fach Deutsch geprüft. Die schriftliche Prüfungsphase endet planmäßig am 29. Mai.

Ausbildung

Von Montag an dürfen berufliche Bildungseinrichtungen wie Berufsschulen den Betrieb aufnehmen. Allerdings gelten ähnlich wie in allgemeinbildenden Schulen strenge Regeln zu Abstand und Hygiene, hinzu kommen besondere Vorgaben zum Beispiel für Ausbildungswerkstätten oder Wohnheime.

Hochschulen

Der Studienbetrieb bleibt bis 5. Juni ausgesetzt. Hochschulen sind darauf vorbereitet und haben bereits für einen entsprechenden Online-Betrieb gesorgt. Auf der Homepage des KIT werden die Studenten gebeten, alle Lehrveranstaltungen online wahrzunehmen.

Bei der Universität Freiburg heißt es: „Der Vorlesungsbetrieb des Sommersemesters bis zum 31. Juli 2020 wird in Form von Fernlehre stattfinden.“ Mensen und Cafeterien können ab diesem Montag öffnen, aber nur für am Studienbetrieb Beteiligte und mit einem entsprechenden Hygienekonzept. Im Casino des KIT am Campus Nord kann der Speisesaal unter Auflagen ab diesem Montag wieder genutzt werden.

Krankenhäuser und Pflegeheime

Patienten und Bewohner dürfen von Montag an wieder Besuch bekommen, müssen sich aber an einige Regeln halten. Pro Patient und Tag ist im Krankenhaus nur ein Besucher erlaubt. Wer jemanden besuchen möchte, muss eine Schutzmaske tragen und seine Kontaktdaten hinterlassen, damit er oder sie bei Bedarf erreicht werden kann. Wer in einer Pflegeeinrichtung lebt, darf pro Tag einmal Besuch von maximal zwei Personen bekommen. In besonderen Fällen sind Ausnahmen möglich.

Freizeit

Touristen und Dauercamper dürfen ab Montag wieder auf Campingplätzen übernachten – im Caravan, im Reisemobil oder in festen Mietunterkünften. Es muss allerdings eine eigenständige Versorgung sichergestellt sein. Die Sanitärbereiche bleiben zunächst geschlossen. Das gilt auch für Wohnmobilstellplätze.

Auch Ferienwohnungen dürfen wieder genutzt werden. Hotels hingegen dürfen erst ab 29. Mai Touristen empfangen. Der Betrieb vieler Einrichtungen wie Bäder oder Fitnessstudios bleibt über den 24. Mai bis 5. Juni ausgesetzt – allerdings gibt es zahlreiche Ausnahmen und Sonderregelungen. Private Sportanlagen können unter gewissen Voraussetzungen ab 2. Juni öffnen.

Kultur

Die Corona-Krise hat die Kulturszene jenseits digitaler Welten lahmgelegt. Nur langsam öffnen sich etwa erste Museen. Die Kulturminister wollen nun mehr als einen Schritt weiter gehen. In einem sechsseitigen Konzept für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Regierungschefs der Länder spricht sich die Ministerrunde für „eine planvolle Öffnung weiterer kultureller Einrichtungen und Aktivitäten“ aus.

Viele Künstler und Einrichtungen seien durch die Beschränkungen existenziell gefährdet. Mit der Öffnung erster Bibliotheken, Museen oder Ausstellungshäuser seien bereits wichtige Schritte gemacht worden. Für ihre weitergehenden Vorschläge berufen sich die Kulturminister auf Konzepte einschlägiger Branchen- und Berufsverbände, die „eine bundesweit möglichst einheitliche und transparente sowie sichere Handhabung“ gewährleisteten.

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Voraussetzung für Lockerungen seien jeweils die lokalen Entwicklung der Infektionszahlen. Auf der Basis sollten Vor-Ort-Konzepte entwickelt werden, „die individuell an die jeweilige Spielstätte, Einrichtung oder Veranstaltung angepasst sind“. Zur Begrenzung von Besucherzahlen sollen etwa in Theatern Sitzplätze und ganze Sitzreihen ausgelassen werden. Zudem sollen Kontaktdaten von Besuchern zur Nachverfolgung bei Erkrankungen gespeichert werden.

Zum Schutz künstlerischer Akteure sind unterschiedliche Regelungen für Darsteller auf der Bühne, Orchestermusiker, Chorsänger, Tänzer oder Schauspieler notwendig.