Das Universitätsklinikum Straßburg müsse seit Sonntag pro Stunde einen beatmungspflichtigen Patienten infolge einer Corona-Infektion aufnehmen. Auf der normalen Intensivstation seien alle Einzelzimmer belegt.
Das Universitätsklinikum Straßburg müsse seit Sonntag pro Stunde einen beatmungspflichtigen Patienten infolge einer Corona-Infektion aufnehmen. Auf der normalen Intensivstation seien alle Einzelzimmer belegt. | Foto: Jean-Francois Badias/AP/dpa (Archiv)

Tragische Zustände

Klinik in Straßburg kann nicht mehr alle kritischen Corona-Patienten beatmen

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An der Uniklinik in Straßburg herrschen infolge der Corona-Pandemie nach Schilderungen des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin teilweise tragische Zustände. Seit dem 21. März werden dort keine Patienten mit Covid-19 mehr beatmet, die über 80 Jahre alt und in einem kritischen Zustand sind, wie aus einem Schreiben der Institutsleitung an das baden-württembergische Innenministerium hervorgeht, das auch den BNN vorliegt.

Diese Patienten erhalten laut Institut eine Sterbegleitung und eine palliative Versorgung. Ein Sprecher des baden-württembergischen Innenministeriums bestätigte den Eingang des Schreibens, das auf den 24. März datiert ist. Man nehme das Schreiben sehr ernst und werde es jetzt schnellstens und intensiv auswerten, sagte der Sprecher dem Evangelischen Pressedienst (epd).

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Die Uniklinik Straßburg stellte klar, dass das Alter bei der Entscheidung über eine Beatmung nicht das ausschlaggebende Kriterium sei. Der Leiter der chirurgischen Anästhesie, Paul Michel Mertes, verwies auf die medizinethischen Kriterien der Klinik. Aus dem Kriterienkatalog, der dem epd vorliegt, geht hervor, dass die Entscheidung von dem Schweregrad der Krankheit abhängig gemacht wird und nicht etwa von einer Altersgrenze der Patienten.

Pro Stunde wird in Straßburg ein beatmungspflichtiger Corona-Patient aufgenommen

In dem Schreiben des Instituts an das Innenministerium schildern die Autoren ein Lagebild der Universitätsklinik Straßburg nach einem Treffen mit dort beschäftigten Ärzten, an dem auch Mertes teilgenommen hatte. Das Universitätsklinikum Straßburg müsse seit Sonntag pro Stunde einen beatmungspflichtigen Patienten infolge einer Corona-Infektion aufnehmen. Auf der normalen Intensivstation seien alle Einzelzimmer belegt.

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Man behandle beatmungspflichtige Patienten zwischen 19 und 80 Jahren, drei dieser 90 Patienten seien unter 50 Jahre alt und hätten keine Vorerkrankungen. Alle anderen Patienten hätten Vorerkrankungen unterschiedlicher Schweregrade.

Typische Vorerkrankungen seien: Chronische Lungenerkrankungen, Asthma, Lungenentzündung, Diabetes, Fettleibigkeit und Bluthochdruck. Es gebe derzeit keine beatmungspflichtigen Kinder unter zwölf Jahren in ganz Frankreich.

Der Blick auf das Uniklinikum Straßburg zeigt nach Angaben der deutschen Katastrophenmediziner, dass der komplette Betrieb sich logistisch an der Behandlung der Corona-Patienten orientiert. Inzwischen gebe es nur noch eine Bypass-Operation am Tag, chirugische Tumorbehandlung findet demnach nicht mehr statt – orthopädische Eingriffe und ambulante Operationen ebenso nicht.

Katastrophenmediziner: Auch an Patienten denken, die kein Covid-19 haben

In der Zusammenfassung des Instituts für Katastrophenmedizin an die baden-württembergische Landesregierung heißt es: „Bei aller aktuell wichtigen und erforderlichen Planung für Covid-19-Patienten muss dennoch weiterhin zu jeder Zeit an die Vermeidung von medizinischen Kollateralschäden gedacht werden. Menschen haben auch in dieser Zeit medizinische Notfälle und in der Folge Anspruch auf eine adäquate medizinische Behandlung.“

Beispielhaft werden Herzinfakte und Unfälle genannt. „Wir dürfen am Ende nicht alle diese Patienten verlieren, um dafür alle Covid-19-Patienten gerettet zu haben.“ Es müsse neben der Behandlung der Covid-19-Patienten auch Kliniken geben, die die maximale Regelversorgung aller sonstigen Notfälle leisten. Dies zu organisieren, werde mehr als herausfordernd.

Ein Leichenwagen steht vor dem Notdienst eines Krankenhauses in Straßburg. Die Stadt ist eines der Zentren der Corona-Pandemie in Frankreich.
Ein Leichenwagen steht vor dem Notdienst eines Krankenhauses in Straßburg. Die Stadt ist eines der Zentren der Corona-Pandemie in Frankreich. | Foto: Jean-Francois Badias/AP/dpa (Archiv)

Innenministerium: Deutschland hat sich früh darum bemüht, Covid-19 einzudämmen

Der Sprecher des baden-württembergischen Innenministeriums betonte, dieser Zustand sei mit der Situation der Kliniken in Baden-Württemberg nicht vergleichbar, da Deutschland sich sehr früh um eine Eindämmung bemüht habe und die Epidemie in Frankreich weiter fortgeschritten sei.

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Die zuständige Abteilung im Innenministerium habe mit den Autoren des Schreibens gesprochen, auch bereits vor der Konsultation, die am vergangenen Montag stattgefunden haben soll.

Die Institutsleitung kommt in dem Schreiben zu dem Schluss, dass „weitere konsequente Maßnahmen der Landesregierungen, der Krankenhäuser und der Rettungsdienste in Deutschland unabdingbar“ seien. Eine Schlüsselrolle komme den Rettungsdiensten und dem Bereich der Intensivmedizin zu.

Alle aktuellen Entwicklungen zu Covid-19 in der Region

Für Fachpersonal dieser Bereiche müsse eine „absolute Sonderrolle“ gelten. „Der Ausfall jeder einzelnen Person in diesen Bereichen wird am Ende Menschen das Leben kosten“, heißt es in dem Schreiben.

epd/madl