Letzter Schultag: Eltern holen ihre Kinder von der Gustav-Heinemann-Schule in der Rheinau ab. Bei der Betreuung des Nachwuchses sind die meisten Familien in den kommenden Wochen auf sich allein gestellt. | Foto: Hans-Jürgen Collet

Nach Schließung von Schulen

Kommunen im Landkreis Rastatt organisieren Corona-Notfallbetreuungen

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Schulschluss am Montag an der Gustav-Heinemann-Schule im Stadtteil Rheinau: Die Eltern, die ihre Kinder abholen, reagieren auf die Schließung der Schulen und Kindergärten erstaunlich gelassen. Fünf Wochen werden sie die Aufgabe als Nachhilfelehrer übernehmen müssen. „Wir kriegen das hin, ich arbeite nur Teilzeit, kümmere mich um die Hausaufgaben, mein Mann kocht, diese Woche hat er Spätschicht, nächste Woche Frühschicht, dann tauschen wir“, sagt Anna Keller-Roschkov. Anders gehe es nicht.

Anspruch auf eine Notfallbetreuung haben nur Familien, in denen beide Eltern im Bereich der kritischen Infrastruktur arbeiten, also beispielsweise in einem Krankenhaus. In Rastatt können die Betroffenen ihre Kinder in alle Kitas im Stadtgebiet schicken. Die Schulleiter arbeiten gerade ebenfalls an einer Notfallbetreuung und klären diese direkt mit den Eltern ab.

Es bilden sich kleine Netzwerke der Selbsthilfe

Alle anderen müssen privat eine Lösung finden. „Ich kann zwar Homeoffice machen, aber mit zwei Kindern ist das nicht so einfach, eine Sechsjährige will immer beschäftigt werden“, erklärt die Rastatterin Ina Krieg, die als Beamtin beim Land Baden-Württemberg arbeitet, während sie mit Mariola Milde vor der Gustav-Heinemann-Schule auf die Kinder wartet.

Carolin Molinari, Intensivschwester beim Klinikum Mittelbaden, sieht auch positive Aspekte in der Situation: „Ich finde es gut, dass man über neue Ideen nachdenkt wie Homeoffice, dass Familien mal wieder ein Brettspiel rausholen oder an den Nachbarn denken.“ Überall wird Selbsthilfe organisiert, bilden sich kleine Netzwerke: „Ich bin im Moment noch daheim, ich habe einer berufstätigen Freundin gesagt: Wenn was ist, bring deine Tochter vorbei.“

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Besonders hart trifft die Schließung Alleinerziehende. „Wir werden wie immer allein im Regen stehengelassen“, moniert Caroline Monika Schillinger. Die 30-jährige Forbacherin ist Mutter zweier Mädels im Alter von drei und sechs Jahren und arbeitet im Büro. Viele Freundinnen wissen auch nicht, wie sie die Kinderbetreuung organisieren sollen.

Auch in den Umlandgemeinden werden Möglichkeiten geschaffen, wie Kinder untergebracht werden können, wenn beide Eltern oder Alleinerziehende in Bereichen arbeiten, die für das öffentliche Leben von zentraler Bedeutung sind. In Kuppenheim etwa besteht nach ersten Erkenntnissen in der Favoriteschule für etwa zehn Kinder Bedarf für eine Notbetreuung. Für die Realschule lagen am Montagvormittag noch keine konkreten Zahlen vor.

Auch die Umlandgemeinden organisieren eine Notbetreuung

Was den Bedarf an Betreuungsplätzen für die Kindergärten der Stadt betrifft, schätzt Bürgermeister Karsten Mußler, dass insgesamt wohl weniger als fünf Kinder zu dem Kreis der Betroffenen zählen dürften. „Wir fragen den Bedarf bei jedem Kindergarten ab“, sagt Mußler. Es werde dann kurzfristig entschieden, wo die Betreuung eingerichtet wird.

Sandra Hertweck, Hauptamtsleiterin in Durmersheim, hebt gegenüber unserer Redaktion hervor, dass die „Eltern sehr verantwortungsvoll mit der Situation umgehen“. Insgesamt seien bis zum Montagmittag rund 20 Anmeldungen für Kinder eingegangen, die betreut werden müssten. Laut Hertweck gehören dabei alle Bereiche zwischen der U-3-Betreuung bis zu den Sechstklässlern dazu. „Wir können allerdings nicht jedem Antrag entsprechen“, sagt Hertweck.

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Ab sofort werde in der Villa Sonnenschein die Betreuung für die U3-Kinder eingerichtet, in der Villa Kunterbunt für die Ü3-Kinder, während die Grundschulkinder im Hort der Friedrichschule ein Domizil erhalten. Nach Mitteilung der Gemeinde soll die Betreuung von 8 bis 14 Uhr stattfinden. Dabei lobt Hertweck nicht zuletzt die Solidarität und den Zusammenhalt der Betreuungskräfte, die ihre Hilfe signalisiert hätten.

Nach Angaben von Bürgermeister Constantin Braun werde im Bietigheimer Kindergarten St. Michael eine Notgruppe für sechs Kinder eingerichtet, für den Kindergarten St. Gabriel wurden 20 Interessenten notiert.

Wie Franz Zuber von der für die kirchlichen Kindergärten zuständigen Verrechnungsstelle für katholische Kirchengemeinden erklärte, wurden aus Elchesheim-Illingen keine Anfragen notiert, Zahlen aus Au am Rhein lagen bis Montagnachmittag noch nicht vor. „Wir sind bemüht in jeder Einrichtung, in der Bedarf besteht, eine Notgruppe unterzubringen“, sagt Zuber.

Nicht alle Eltern erfüllen die Voraussetzungen

In Hügelsheim registrierte Bürgermeister Reiner Dehmelt insgesamt zwei Anfragen für eine Notbetreuung im kommunalen und im evangelischen Kindergarten. „In einem Fall konnten wir dem Wunsch aber nicht entsprechen, weil ein Elternteil verfügbar war und somit nicht die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt hat“, wie Dehmelt sagt.

Die Schulschließungen hätten
schon viel früher erfolgen müssen.

Dietmar Späth, Bürgermeister von Muggensturm

Anfragen zur Notfallbetreuung gibt es auch in Muggensturm, jedoch sei zunächst noch kein Fall dabei gewesen, der die Kriterien erfülle. Bei Bedarf werde man reagieren können. Bürgermeister Dietmar Späth hatte die Schließung der Schule schon für den Montag verfügt: „Die landesweit verfügten Schulschließungen hätten schon viel früher erfolgen müssen“, sagt er.

In Iffezheim wird im Kindergarten Storchennest wird ab Mittwoch eine Notgruppe für aktuell drei Kinder eingerichtet. Für die anderen beiden Kindergärten St. Martin und St. Christophorus sei nach Aussage von Bürgermeister Christian Schmid bislang kein Bedarf angemeldet. In der Grundschule und Maria-Gress-Schule gebe es Bedarf für jeweils ein Kind. Nachmeldungen seien aber noch möglich.

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