Die Zentrale von Edeka Südwestfleisch in Rheinstetten. Mehr als 1.000 Angestellte sind hier in der Fleischverarbeitung tätig.
Die Zentrale von Edeka Südwestfleisch in Rheinstetten: Auch Edeka bezieht Waren von Müller-Fleisch. Der Birkenfelder Schlachthof war wegen zahlreicher Corona-Infektionen in die Kritik geraten. | Foto: Trauden

Infektionsschutz

Kunde von Müller-Fleisch: Rheinstettener Edeka-Fleischwerk gerät in den Fokus

Anzeige

Nach dem Schlachtbetrieb von Müller-Fleisch in Birkenfeld gerät auch das Edeka-Fleischwerk in Rheinstetten in den Fokus der Gewerkschaft. In einem offenen Brief wandte sich der Sprecher der IG Metall Pforzheim, Arno Rastetter, an die Geschäftsleitung. Darin stellte er unter anderem Fragen zur Unterbringung der Mitarbeiter und zu Corona-Tests.

„Mit Entsetzen“ habe er vor wenigen Tagen Sattelschlepper von Müller Fleisch vor dem Werk von Edeka Südwestfleisch entdeckt, schreibt Rastetter in dem Brief. Dass Edeka zu den Kunden des Schlachtbetriebs zähle, erschüttere ihn. Bislang habe das Unternehmen für ihn „für Qualitätsfleisch, eigene Zerlegung und gute Bezahlung“ gestanden. Er forderte eine Bestätigung, dass der Zerlegungsbetrieb in Rheinstetten von Müller Fleisch beliefert wird.

Auch interesant: Linke fordert Corona-Tests im Edeka-Fleischwerk Rheinstetten – Landratsamt sieht keine Grundlage

Edeka Südwest hatte den BNN dazu schon Mitte Mai erklärt: „Wir beziehen Fleisch von vielen verschiedenen Lieferanten, darunter auch von Müller Fleisch.“ Indirekte Vorwürfe zu Arbeitsbedingungen, die in dem offenen Brief mitschwingen, weist Edeka-Sprecher Christhard Deutscher aber zurück: „Wir widersprechen dem im Kern.“

Könnten Vorfälle wie bei Müller-Fleisch auch bei Edeka auftreten?

Auch das Landratsamt Karlsruhe hat im Hinblick auf den Infektionsschutz und Lebensmittelsicherheit im Fleischwerk keine Bedenken. „Edeka betreibt ein intensives Qualitätsmanagement“, sagt der Erste Landesbeamte Knut Bühler. Nachgewiesene Corona-Fälle gebe es dort nicht. Dass sie auftreten könnten, will Bühler nicht ausschließen – aber mit einer schnellen Ausbreitung, wie etwa bei Müller Fleisch in Birkenfeld, sei dann nicht zu rechnen.

Zur Reduzierung der Ansteckungsgefahr habe Edeka Kontaktmöglichkeiten reduziert: Für Umkleiden und die Kantine gibt es Schichtpläne, in den Kleinbussen, die Angestellte zur Arbeit bringen, fahren nur noch maximal fünf Menschen mit.

Auch interessant: Harsche Kritik an Hauk-Äußerungen nach Besuch bei Müller-Fleisch

Von den 1.400 Mitarbeitern in Rheinstetten befänden sich rund 500 in einem Werkvertragsverhältnis. Sie seien auf 32 Unterkünfte mit durchschnittlich 1,7 Personen pro Zimmer verteilt. Eine Kontrolle der Unterkünfte sei nicht möglich, da sie privat gemietet wurden.

Für eine Anordnung vorsorglicher Corona-Tests im Fleischwerk bestehe keine rechtliche Grundlage, so Bühler. Nur im konkreten Verdachtsfall werde getestet. Alle Mitarbeiter würden jedoch am Eingang zum Betrieb einem Temperatur-Screening unterzogen. Wer zu hohe Werte aufweist, wird zum Arzt geschickt.